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1. Mai 2007

„Spirale nach unten“

p(einleitung). Engelen-Kefer für „menschenwürdige Arbeit“

Das Phänomen Mobbing erachtet Ursula Engelen-Kefer als das „Ende einer fehlgeleiteten gesellschaftlichen Entwicklung“. Zur Eröffnung der Ausstellung „Wenn keiner grüßt und alle schweigen. Konflikte und Mobbing in der Arbeitswelt“, die die Frankfurter Kirchen im Haus am Dom zeigten, rechnete die ehemalige stellver­ tretende DGB-Vorsitzende mit den Auswüchsen des „neoliberalen Mainstreams“ ab.

In ihrem Vortrag „Gute Arbeit – eine nationale und internationale Aufgabe“ forderte Engelen-Kefer einen Paradigmenwechsel in der Wirtschaft. Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer seien „keine Kostenfaktoren, sondern Menschen mit vielfältigen Interessen“. Wenn der Wettbewerb sich nur noch um den „billigsten Jakob“ drehe, werde eine fatale Spirale nach unten in Gang gesetzt.

Die Sachverständige für Arbeitsmarktpolitik bei der Bundesagentur für Arbeit in Berlin kritisierte scharf die gegenwärtige Mentalität in vielen Unterneh­ -men. Es könne nicht angehen, dass zum Beispiel ein Achtel der Leiharbeiter Hartz IV-Gelder beziehen müsse, um leben zu können, und dass man reguläre Arbeit immer häu­ figer durch prekäre ersetze. In Deutschland würden mittlerweile sieben Millionen Menschen als arm eingestuft. Der Satz „Sozial ist, was Arbeit schafft“, müsse in Zukunft vielmehr lauten: „Sozial ist, was menschenwürdige Arbeit schafft“.

Engelen-Kefer begrüßte, dass die vom „Kirchlichen Dienst in der Arbeitswelt“ der Evangelischen Kirche in Deutschland konzipierte Mobbing-Ausstellung Menschen für die „Folgen der Ellenbogengesellschaft sensibilisiert“. Was die sozialpolitischen Forderungen anbelangt, so gebe es eine „enge Linie“ zwischen Gewerkschaften und Kirchen. „Wir sitzen in einem gemeinsamen Boot“, so Engelen-Kefer. Nur mit dem Beharren auf Werten und Menschlichkeit könne die Qualität des Arbeitslebens gewährleistet werden. In dieser Hinsicht schreibt sie der Unternehmenspolitik den entscheidenden Anteil für das Auftreten von Mobbing zu. Bezweifeln möchte sie allerdings, ob schon der mangelnde Gruß unter diesen Tatbestand subsummiert werden kann. Es gebe schließlich keine Zusammenarbeit ohne Konflikt.

Auch für Pfarrerin Gundel Neveling, die Leiterin des Zentrums für Gesellschaftliche Verantwortung der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, gehören Querelen am Arbeitsplatz bis zu einem gewissen Grad zur Nor­ malität. Nicht jeder ungelöste Konflikt ende zwangsläufig in Mobbing. Eine der Herausforderungen, die Globalisierung und Sozialabbau ihrer Ansicht nach stellen, sei die Frage, „wie man in der heutigen Arbeitswelt Konflikten konstruktiv begegnen kann“. „Bei Mobbing verlieren alle“, betonte Neveling. Die Betroffenen würden dadurch krank und demotiviert, die Unternehmen koste es Geld.

p(autor). Doris Stickler

Artikelinformationen

Beitrag veröffentlicht am 1. Mai 2007 in der Rubrik Stadtkirche, erschienen in der Ausgabe .

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