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1. Mai 2007

Zu viel Haut ist unangemessen

p(einleitung). Wie ist man zur Konfirmation richtig angezogen? Eine nicht ganz unerhebliche Frage. Denn dabei geht es nicht nur um Mode oder persönlichen Geschmack, sondern auch um soziale Rollen und Menschenbilder, die durch die Kleidung symbolisiert werden.

Die Konfirmation markiert einen wesentlichen Schritt auf dem Weg zum Erwachsenwerden: Mit 14 wird man hierzulande religionsmündig, bei der Konfirmation sagt man ein eigenes, überlegtes „Ja“ zur Taufe, nimmt selbständig am Abendmahl teil und handelt darin als mündiger Christ, als mündige Christin. Beim Gottesdienstbesuch werden die Konfirmierten als Erwachsene gezählt, nicht mehr als Kinder.

!(rechts)2007/05/seite04_oben.jpg(Schick und festlich: Diese Jugendlichen aus Zeilsheim-Friedenau haben bei ihrer Konfirmation im vergangenen Jahr das passende Outfit gewählt. | Foto: Oeser)!

Auch die körperlich-geistige Entwicklung zeigt, dass die Kindheit in diesem Alter zu Ende geht und das Erwachsensein begonnen hat. Schließlich fiel für viele Jugendliche in der Vergangenheit die Konfirmation mit dem Verlassen der Schule und dem Übergang ins Erwerbsleben zusammen.

Als äußeres Zeichen dafür, dass die Konfirmandinnen und Konfirmanden nun erwachsen sind – oder zumindest auf das Erwachsensein zugehen – tragen sie traditionell am Tag der Konfirmation zum ersten Mal „Erwachsenenkleidung“. Sie nimmt das Erwachsensein symbolisch vorweg. Die Jugendlichen verbinden damit, dass sie nun (immer mehr) als Erwachsene anerkannt, aber als solche auch in die Pflicht und Ver­ antwortung genommen wer­ den. Bestimmte Konfirmationsgeschenke wie zum Beispiel eine Uhr verstärken das, indem sie den Beginn des „Ernstes des Lebens” markieren.

In den Erwachsenenkleidern sollen sich die Jugendlichen – wie in der Rolle des Erwachsenen – wohlfühlen können, zugleich soll aber auch in der Seriosität der Kleidung die hinter dem Entschluss zur Konfirmation stehende Ernsthaftigkeit deutlich werden. Für die jungen Herren ist daher ein Anzug oder eine Kombination aus Hose und Sakko das Mittel der Wahl, die jungen Damen werden Kleid, Kostüm oder Hosenanzug tragen. Wenn die Jugendlichen in ihrem Gewand schick und anmutig aussehen, sieht man, dass ihnen die neue Rolle auch „passt”.

Schulter- oder bauchnabelfreie Kleidung wie auch ein allzu kurzer Rock sind an diesem Tag unangemessen, weil damit einseitig der körper­ liche Aspekt des Erwachsenwerdens betont wird und bei Besuchern und Besucherinnen möglicherweise dem Anlass und der Umgebung nicht entsprechende Gedanken und Missverständnisse provoziert werden.

Ganz abgesehen davon, dass eine Kirche generell kein Ort der Körperschau ist. Im Gottesdienst steht die Beziehung zu Gott im Mittelpunkt und ein liebevolles Miteinander, das sich aber gerade nicht am Körper eines Menschen festmacht, vielmehr auch das Kranke, Behinderte und Hässliche mit einschließt.

p(autor). Wilfried Steller

h2. In sexy Kleidung zur Konfirmation?

h3. Markus Fischer (30), Soziologe

!(rechts)2007/05/seite04_unten2.jpg!

Mit der Konfirmation wird man ja als vollwertiges Mitglied in die Kirchengemeinde aufgenommen. Sich in einem individuellen Kleidungsstil auszudrücken ist doch auch eine Form von Mündigkeit, finde ich. Eine Bekleidungskonvention unterstützt diesen Gedanken nicht, sondern hemmt genau genommen den freien Willen und die Persönlichkeitsentwicklung der Jugendlichen. Einen Zwang zu förmlicher Kleidung halte ich daher für reaktionär. Man könnte das Thema ja auch im Vorfeld im Konfirmandenunterricht besprechen, um nicht an den „Betroffenen“ vorbeizudiskutieren. Schließlich sollten die Konfirmanden in der Gemeinde mit ihrer Stimme anerkannt werden. Die evangelische Kirche kommt doch aus einer reformerischen Tradition und sollte auch für Veränderungen bei den Feierlichkeits-Ritualen offen sein.

h3. Anna Sturma (14), Schülerin

!(rechts)2007/05/seite04_unten3.jpg!

Was heißt denn sexy? Ganz kurzer Minirock und Top mit XXL-Ausschnitt? Oder einfach nur,
die (weiblichen) Reize zu betonen? Vielleicht mit einem engeren T-Shirt und Hüfthosen? Ich finde, sexy ist nicht gleich nackt. Ich finde es total okay, ein kurzes Kleid oder ein Shirt mit Ausschnitt bei der Konfirmation zu tragen. Aber man sollte es nicht übertreiben. Es sollte nicht „nuttig“ aussehen. Ich glaube, jeder interpretiert sexy anders, und wenn man sich für seine Konfi zurecht macht, sollte man sich natürlich so anziehen, wie man es mag, aber auch daran denken, dass im Gottesdienst noch andere, vielleicht auch etwas ältere Leute sitzen. Die finden es vielleicht nicht schön, wenn man den Bauchnabel sieht oder wenn der Busen noch extra betont wird. Man sollte sich zur Konfi so kleiden, dass man es selbst hübsch findet, aber zum Anlass auch ein bisschen fein aussieht.

h3. Hilde Renck (80), Rentnerin

!(rechts)2007/05/seite04_unten4.jpg!

Ich bin der Meinung, dass man sich der Situation entsprechend kleiden sollte. Bauchfrei passt vielleicht an den Strand oder für Sommertage, aber nicht zur Konfirmation und nicht in die Kirche. Das heißt ja nicht, dass man zu so einem Anlass etwas anziehen muss, das total konservativ ist. Im Gegenteil! Die Jugendlichen sollten sich in ihrer Kleidung wohlfühlen. Mein Sohn zum Beispiel wurde vor fünfzig Jahren konfirmiert und wollte unbedingt einen Maiglöckchenstrauß am Revers seines dunklen Anzugs tragen. Damals war das eben modern. Für meine Tochter, die Anfang der siebziger Jahre konfirmiert wurde, haben wir nach langem Suchen einen weißen Hosenanzug aus feinem Cord gefunden. Nachdem auch ihr großer Bruder ihn für gut befunden hatte, war sie ganz glücklich damit und strahlte in der Kirche! So soll es sein!

Artikelinformationen

Beitrag veröffentlicht am 1. Mai 2007 in der Rubrik Ethik, erschienen in der Ausgabe .

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