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1. Juli 2007

„Irgendetwas blüht immer“

p(einleitung). Kunst und Diakonie bereichern sich in „Weser5“ gegenseitig

Erst hat Michael Beutler einen gelben Portikus vor die Kirche gebaut, dann bekam die Leuchtreklame des ehemaligen Kaufhaus M. Schneider, umsortiert zur Buchstabenreihenfolge „Mensch“, einen neuen Ort auf dem Kirchendach, schließlich schraubte Christiana Protto große weiße Holzkreise an den Zaun – die Diakoniekirche Weißfrauen im Bahnhofsviertel entwickelt sich zu einem echten Tipp für die Frankfurter Kunstszene. Derzeit beherbergt sie wieder ein großformatiges Kunstwerk: Ulrich Becker gestaltete ein „Großes Wandbild“ für den Kirchenraum.

!(kasten)2007/07/seite12_unten.jpg(Der Frankfurter Künstler Ulrich Becker vor dem „großen Wandbild“, das er für die Diakoniekirche Weißfrauen im Bahnhofsviertel geschaffen hat. | Foto: Rolf Oeser)!

Vier Wochen lang war Becker mit Computer, Baufolien und Werkbänken in der Weißfrauenkirche zugange. Wenn er Hilfe brauchte, vor allem für den Aufbau des Gerüsts und das schwierige Anbringen des 11 mal 25 Meter großen Gebildes, bat er die Männer vom Stockwerk darunter um Hilfe: Dort, im Untergeschoss der Weißfrauenkirche, ist seit zehn Jahren ein Tagestreff des Diakonischen Werkes für Menschen in sozialer Not, meist Obdachlose, eingerichtet.

Dass Hilfebedürftige und Hilfegebende oft nicht so säuberlich auseinander zu sortieren sind, ist eine der symbolischen Ebenen, die mit solchen Aktionen zum Ausdruck gebracht wird. „Der diakonische Einsatz für Menschen in Not braucht immer wieder neue Energien und den Kontakt mit der Gegenwart“ erläutert Initiator Gerald Hintze. „Als Diakonie wollen wir keine abgeschottete Obdachlosenkultur fördern, sondern die Individuen stärken, damit sie ihr Leben selbst in die Hand nehmen. Durch die Kreativität unserer Gäste bekommt dieser Ort immer wieder neue Aufmerksamkeit und Ausstrahlung.“

Dafür sorgen gegenwärtig auch Gäste einer ganz anderen Sorte: Vier Bienenvölker der Stadtimkerei „finger“ sind seit einigen Wochen im Turm der Diakoniekirche beheimatet – auch dies ist ein Kunstwerk. „Irgendetwas blüht immer“ lautet das Motto, das in aus Bienenwachs gestalteten Lettern den Honigverkaufsstand im Kirchenvorraum schmückt. Das Kunstprojekt soll sich finanziell selbst tragen und damit eine „selbstbeauftragte kulturelle Produktion“ ermöglichen.

Dass keine Situation gänzlich hoffnungslos ist, ist tröstlich und wahr nicht nur für fleißige Bienen, sondern auch für Obdachlose und für diakonische Hilfseinrichtungen selbst. „Wenn man aufmerksam ist und offen bleibt, kommen manchmal schöne Dinge auf einen zu“, sagt Hintze. Seit einem Jahr etwa können wegen statischer Probleme die Glocken der Weißfrauenkirche nicht mehr läuten – und nur das machte es möglich, dass die Bienen hier eingezogen sind. Der Frankfurt-Honig übrigens schmeckt nicht nur gut, sondern ist auch von guter Qualität. „In der Stadt gibt es eine größere Vielfalt von Blüten als auf Mono­ kultur-Feldern in der Landwirtschaft“, erklärt Florian Haas von der Stadtimkerei, „außerdem sind sie weniger mit Pestiziden belastet.“

Wer Ulrich Beckers „Wandbild“ anschauen oder den Stadthonig kaufen will, findet die Diakoniekirche jeden Dienstag und Donnerstag von 13 bis 17 Uhr sowie nach Absprache (Telefon 0179 6901316) geöffnet.

p(autor). Antje Schrupp

Artikelinformationen

Beitrag veröffentlicht am 1. Juli 2007 in der Rubrik Stadtkirche, erschienen in der Ausgabe .

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