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1. Juli 2007

Zeitgeistthemen helfen nicht

p(einleitung). Diskussion mit Friedrich Schorlemmer in der Stadtakademie

„Kundenorientierung, Zeitgeistthemen und vordergründige Aktualität“ sind nach Ansicht des Wittenberger Theologen Fried­ rich Schorlemmer nichts, womit die Kirche punkten sollte. Auf Einladung des Evangelischen Regionalverbandes diskutierte der Publizist und Bürgerrechtler in der Stadtakademie am Römerberg mit Frankfurter Stadtprominenz über die Frage, wie man heute angemessen von Gott sprechen kann.

!(rechts)2007/07/seite09_oben.jpg(Friedrich Schorlemmer, Theologe aus Wittenberg und prominenter DDR-Bürgerrechtler, diskutierte mit Dekan Dietrich Neuhaus – links – und anderen über die Frage, wie man heute angemessen von Gott sprechen kann. | Foto: Rolf Oeser)!

„Andere überzeugen können nur Menschen, die selber Zeugen sind. Wir brauchen Offenheit, aber nicht Beliebigkeit, Festigkeit, aber keinen Fundamentalismus“, so Schorlemmer. Er schlug vor, Got-tesdienste regelmäßig zu aktuellen Themen zu gestalten: „Wenn die Bildzeitung den Weltuntergang und die Klimakatastrophe auf dem Titel hat, dann könnten wir über die Apokalypse predigen.“ Anders als die katholische Kirche müsse dabei in der evangelischen Kirche immer die Vernunft und der Inhalt der Predigten wichtig sein. „Da wir nun mal nicht so schön angezogen sind und es bei uns nicht so gut riecht, müssen wir auf andere Dinge setzen.“ Allerdings wünscht sich Schorlemmer auch für evangelische Gottesdienste inszenierte Liturgien und mehr Sinnlichkeit: „Es geht nicht um den schönen Schein, aber es geht auch darum, dass es schön ist.“

In der anschließenden Diskussion gingen die Meinungen darüber auseinander, wie breitenorientiert die Kirche in ihrer Verkündigung sein sollte. Während Jürg Leipziger von der Werbeagentur Leipziger und Partner die Auffassung vertrat, die Kirche müsse sich mehr für Außenstehende öffnen und Formen finden, die ansprechend sind – getreu dem Motto der Werbeindustrie, wonach „der Wurm dem Fisch schmecken muss und nicht dem Angler“ – sagte Pfarrer Dietrich Neuhaus, Dekan des Frankfurter Dekanates Mitte-Ost, „wir müssen uns vor allem um die Leute kümmern, die zu uns kommen, und nicht um die, die nicht kommen.“ Es gebe längst eine Vielzahl von guten Gottesdiens-ten, betonte Neuhaus, und warnte vor „der panischen Angst, man würde den Anschluss an die Zeit verlieren.“ Dass religiöse Botschaften nicht so leicht zu vermitteln seien, sei nicht nur ein Kommunikationsproblem, sondern man müsse auch akzeptieren, dass diese Botschaften vielleicht nicht allen gefallen.

Einigkeit herrschte auf dem Podium, dass dem Bibeltext selbst und seiner Inszenierung und Präsentation eine wichtige Bedeutung zukommt. Es sei wichtig, den Text „so gut wie möglich zu sprechen“, sagte Schorlemmer, „wir dürfen den Text nicht als etwas sehen, das wir analytisch betrachten müssen, sondern als etwas, das zu uns spricht.“ Dass durch neue Inszenierungen alter biblischer Texte ganz neue Wahrnehmungsmöglichkeiten entstehen, bestätigte der Theatermacher Willy Praml, der mit großem Erfolg in den Naxoshallen das Leben Jesu anhand der Evangelien auf die Bühne gebracht hat. „Die Leute sagen: Das hab’ ich schon mal gehört, aber auf diese Weise habe ich es noch nie gehört.“

p(autor). Antje Schrupp

Artikelinformationen

Beitrag veröffentlicht am 1. Juli 2007 in der Rubrik Gott & Glauben, Stadtkirche, erschienen in der Ausgabe .

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Kommentare zu diesem Artikel

  • Reiner Jöckel, Pastoralreferent schrieb am 4. Juli 2007

    Am Fest Peter und Paul, bei dem ja auch zwei ganz unterschiedliche Talente kirchlicher Amtsträger gefeiert werden, sei ein kleiner Hinweis auf Ihren Artikel udn die zitierte Rede von Herrn Schorlemmer gestattet. Dort zitieren Sie Schorlemmer, den ich übrigens von seinen anderen Publikationen sehr schätze: „Anders als die katholische Kirche müsse dabei in der evangelischen Kirche immer die Vernunft und der Inhalt der Predigten wichtig sein. Da wir nun mal nicht so schön angezogen sind und es bei uns nicht so schön riecht, müssen wir auf andere Dinge setzen.“
    Ich finde, dass hier ein ziemlich törichtes Klischee zitiert und durch die Publikation in Ihrem Artikel auch verbreitet wird. Es mag ja sein, dass es nicht übeall begnadete Prediger gibt, aber grundsätzlich ist auch in unserer Kirche Vernunft und (überzeugender) Inhalt einer Predigt von größter Wichtigkeit. Hierzu möge man auch die Verlautbarungen des Papstes zum Thema „Vernunft und Glaube“ zur Kenntnis nehmen.
    Und eine angemessene Kleider“ordnung“ ist unter dem Aspekt der ganzheitlichen Theologie, dem „aggiornamento“ unseres Glaubens auch dienlich. Es wäre auch schwer nachzuvollziehen, wenn der Weihrauch generell in den (katholischen) Kirchen verschwände und das Räucherstäbchen in Diskotheken und der esoterischen Szene als „hipp“ und „en vogue“ oder „cool“ angepriesen würde.
    Dennoch: Viele reden vom Zeitgeist; etwas mehr Hl. Geist in den eigenen Reihen würde genügen.
    Ihnen alles Gute, lese gern in Ihrer Publikation.

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