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1. Juli 2007

Zwischen Oederweg und Los Angeles

p(einleitung). Bei Matthias Dachsel richtet sich der Flugplan nach dem Kirchenvorstand

„Sonnenaufgänge, Sonnenuntergänge. Direkt vor einem. Wolkenfelder, immer wie­ der anders. Grönland. Das Polarlicht. Die zentralasiatische Hochebene.“ Wenn Flugkapitän Matthias Dachsel, seit 31 Jahren bei der Lufthansa, von der „unglaublichen Schönheit und Vielfalt der Schöpfung“ erzählt, gerät er ein bisschen ins Schwärmen. „Diese Schönheit erlebt man so unmittelbar, dass wir uns im Cockpit nicht selten über weltanschauliche Fragen unterhalten.“ Dabei ist der ein Meter achtzig große Mann mit den wasserblauen Augen eher nüchtern und sachlich – typisch norddeutsch eben. Der gebürtige Hamburger kann aber auch über sich selbst lachen. „Freundlich geht alles besser.“

!(rechts)2007/07/seite02_rechts.jpg(Foto: Rolf Oeser)!

Mit fast 55 Jahren am Ende der Karriereleiter, fliegt er nur noch Langstrecke mit dem Jumbo, der Boeing 747. Am liebsten nach
Westen, also nach Nord- und Südamerika, weil sein Biorhythmus dann die Zeitverschiebung besser verträgt, manchmal aber auch nach Osten, nach Singapur etwa oder Hongkong.

Seinen Traumberuf liebt Matthias Dachsel mehr denn je: Das „Gefühl der Leichtigkeit“ beim Fliegen, Freiheit und Unabhängigkeit – mit allen Konsequenzen an Verantwortung. Und dass jeder Flug immer wieder neu ist: der Himmel, das Wetter, die Crew und die Städte, die er anfliegt, und die er sich am liebsten per Fahrrad erobert. Und nicht zuletzt, dass der Tag mit dem Ende des Fluges abgeschlossen ist. Denn dann hat er den Kopf frei für andere Dinge. Zum Beispiel mit seiner Frau Gerlinde, einer ehemaligen Stewardess, ins Theater zu gehen oder ins Konzert. Seiner erwachsenen Tochter Inken beim Umzug zu helfen. Freunde zum Essen einzuladen. Oder an der Kirchenvorstandssitzung der Petersgemeinde teilzunehmen.

Dieser Termin ist ihm heilig – das wissen inzwischen auch die Planer, die den Dienst bei der Lufthansa einteilen. Matthias Dachsel versucht außerdem, zweimal im Monat zum Gottesdienst zu ge­hen und an den Sitzungen des Finanz-, des Bau-, und des Kindergartenausschusses teilzunehmen.

Seit mittlerweile neun Jahren engagiert er sich auf diese Weise in der Gemeinde. Das Nordend, wo er seit 1979 mit seiner Familie lebt, ist seine Heimat, in der er sich verwurzelt fühlt. Und die Gemeinde ist für ihn Teil dieser Heimat mit vielen sozialen Bezügen, seit der Pfarrer ihm einst bei einem Abendessen erklärt hat, dass eine Gemeinde ohne ehrenamtliche Arbeit nicht leben kann, und dass außerdem immer verhältnismäßig wenige Männer im Kirchenvorstand seien.

Matthias Dachsel liebt seine Gemeinde, beschreibt sie als lebendig und wach, auch theologisch sehr spannend. Und auch Pfarrerin Lisa Neuhaus weiß genau, was sie an diesem Kirchenvorsteher hat: „Er ist unglaublich einsatzbereit, als Kapitän natürlich ein hervorragender Teammanager, offen für die unterschiedlichsten Menschen, zuverlässig, ansteckend optimistisch, interessiert und informiert und bereit zu Arbeiten, die keiner sieht. Wie etwa der Betreuung der Epiphaniasstiftung, die mit viel Behörden- und Finanzkram verbunden ist.“

Nachdem die Renovierung der Epiphaniaskirche jetzt abgeschlossen ist, liegt Dachsel be­ sonders die programmatische
Zusammenarbeit mit der Jugendkulturkirche Sankt Peter am Herzen. Es sei wichtig, dass Jugendliche die sinngebende Kraft des Christentums erfahren könnten. Auch seine eigene Auseinandersetzung mit dem Glauben sei mit den Jahren intensiver geworden. „Wenn man Glauben durch Gespräche und im Gottesdienst in der Gemeinde lebt, bekommt er mehr Farbe und Fülle als im stillen Kämmerlein.“

Das stille Kämmerlein ist ohnehin nicht seine Welt. Morgen fliegt er wieder los. Nach Singapur diesmal. Der Sonne entgegen.

p(autor). Stephanie von Selchow

Artikelinformationen

Beitrag veröffentlicht am 1. Juli 2007 in der Rubrik Menschen, erschienen in der Ausgabe .

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