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1. September 2007

Die Kunst als Dienerin der Religion

p(einleitung). In Frankfurt bleibt die Erinnerung an den Maler Wilhelm Steinhausen wach

Der Maler­ ­Wilhelm Steinhausen (1846–1924) ist in Frankfurt vor allem durch zwei große Arbeiten bekannt: In den Jahren 1899 bis 1902 ge­ staltete er die Fresken für die Aula des damaligen Kaiser-Friedrich-Gymnasiums, das heute Heinrich-von-Gagern-Gymnasium heißt. Und in den Jahren von 1913 bis 1918 malte er 21 Ölgemälde für den Innenraum der damals neu gebauten Lukaskirche in Sachsenhausen.

Mit dem Großauftrag zur Ausgestaltung einer ganzen Kirche erfüllte sich für den evangelischen, tief gläubigen Maler ein lang gehegter Wunsch. Für die Chorwände und die Südwand der Lukaskirche wählte Steinhausen Motive wie den „Guten Schächer“, die von Geschichten aus dem Lukas-Evangelium inspiriert sind. Er verzichtete darauf, die biblischen Figuren, wie es bis dahin üblich gewesen war, zu idealisieren, und sah seine Kunst als „Dienerin der Religion“.

!(kasten)/2007/09/seite08_oben.jpg(Pfarrer Volker Mahnkopp mit einer Entwurfszeichnung von Steinhausens Gemälde „Jünger auf dem Weg nach Emmaus“. Die Originale schmückten bis zur Zerstörung im Zweiten Weltkrieg die Lukaskirche. | Foto: Rolf Oeser)!

Wilhelm Dieter Vogel, heute Vorsitzender der Frankfurter ­ ­ Stein­ hausen-Stiftung, wuchs gegenüber der Kirche auf: „Die Innigkeit der Bilder hat mich schon als Kind tief beeindruckt“, erzählt der heute 79-Jährige. Besonders das Deckengemälde „Christus vor der Paradiespforte“ faszinierte ihn. Die alte Lukaskirche fiel 1944 Brandbomben zum Opfer, von den Gemälden sind nur noch Entwurfszeichnungen und Fotos erhalten. Doch wie Vogel erinnern sich noch viele ältere Gemeindemitglieder an sie.

Eine kritische Auseinandersetzung mit der Wirkung und Rezeption der Steinhausen-Bilder hat Volker Mahnkopp unternommen. Der Pfarrer der Maria-Magdalena-Gemeinde, zu der die 1953 neu erbaute Lukaskirche heute gehört, zeigt in einer Studie über Steinhausens großformatiges Bild „Die Jünger auf dem Weg nach Emmaus, denen der Herr nahe ist“, wie dieses 1914 fertiggestellte Werk in Kriegszeiten „vereinnahmt“ wurde: Noch in Friedenszeiten gemalt als zeitlos tröstende und Hoffnung gebende Figuren, wurde die Szene, auch von Steinhausen selbst, später in einen zweifelhaften Zusammenhang mit Krieg und Nationalismus gerückt.

Wer in die vielfältigen Bilderwelten Wilhelm Steinhausens eintauchen möchte, kann das heute in der Wolfsgangstraße 152 im ehemaligen Wohnhaus des Künstlers. Seit 1987 ist es ein Museum, das von der Steinhausen-Stif­­tung getragen wird. In zwei Erdgeschoss-Räumen werden vor allem Familien- und Landschaftsbilder gezeigt, im Treppenhaus sind Porträtstudien zu sehen, und im oberen Stockwerk kann das Atelier des Künstlers mit zahlreichen biblischen Szenen, Porträts und Landschaftsbildern besichtigt werden. Haus und Garten wurden bei der Renovierung 1986/87, die mit städtischen Mitteln finanziert wurde, weitgehend im ursprünglichen Zustand belassen.

1846 in Sorau in der Niederlausitz geboren, hatte Wilhelm Steinhausen in Berlin und Karlsruhe Kunst studiert. 1876 war er gemeinsam mit seinem Freund, dem Maler Hans Thoma, nach Frankfurt gekommen. Der Architekt Simon Ravenstein hatte die beiden Künstler beauftragt, von ihm gebaute Privatvillen im Westend mit Wandbildern im Stil der Renaissance auszumalen.

1880 heiratete Steinhausen seine langjährige Verlobte Ida Wöhler. 1885 zog die Familie in das Haus in der Wolfsgangstraße, das zu einer Künstlerkolonie gehörte.

Das Museum kann nach Vereinbarung besichtigt werden (Telefon 5972326 oder 636298).

p(autor). Antje Kroll / Antje Schrupp

Artikelinformationen

Beitrag veröffentlicht am 1. September 2007 in der Rubrik Stadtkirche, erschienen in der Ausgabe .

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