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1. September 2007

Gute Betreuung braucht Vertrauen

p(einleitung). Die Bundesregierung hat einen Rechtsanspruch auf die Betreuung von unter Dreijährigen eingeführt. In gut fünf Jahren müssen alle Kommunen ausreichend Plätze für Kleinkinder bereithalten. Das bedeutet allein für Frankfurt, dass bis zum Jahr 2013 etwa 6000 neue Krabbelstubenplätze geschaffen werden müssen.

Schon in den vergangenen Jahren hat die Stadt Frankfurt in diesem Bereich enorme Anstrengungen unternommen und jedes Jahr 300 neue Plätze im Krippenbereich geschaffen. Doch nun wird ein ganz anderes Tempo vorgelegt werden müssen. Frankfurt kann nämlich nicht, wie andere Regionen Deutschlands, darauf hoffen, dass die Kinderzahl rückläufig ist. Im Gegenteil: Seit Jahren steigt die Zahl der Geburten. Frankfurt ist nicht nur eine kinderfreundliche Stadt, sondern verfügt auch über eine vergleichsweise hohe Zahl von Arbeitsplätzen, weshalb gerade junge Menschen hierher ziehen. Vor allem in den innenstadtnahen Quartieren sind Kinderbetreuungsplätze ebenso rar wie begehrt.

!(rechts)/2007/09/seite04_oben.jpg(Kinder im Krabbelalter brauchen deutlich mehr individuelle Zuwendung und Nähe als Ältere. Will man die Betreuungsplätze für unter Dreijährige ausbauen, genügt es daher nicht, bestehende Einrichtungen einfach auch für jüngere Kinder zu öffnen. Erzieherinnen brauchen entsprechende Qualifikationen und vor allem genügend Zeit, um eine echte Bindung herstellen zu können – hier in der Krabbelstube des Diakonischen Werkes in Griesheim. | Foto: Thomas Rohnke)!

Die notwendige planerische Herausforderung beim Neubau von Einrichtungen darf dabei aber nicht darüber hinweg täuschen, dass der Ausbau von Krippenplätzen vor allem eine pädagogische Herausforderung ist. Aus gutem Grund nämlich beginnt der Kindergarten normalerweise erst mit drei Jahren. In diesem Alter können Kinder die Trennung von zuhause und den Wechsel der Bezugsperson meist leicht verkraften, ohne dass große pädagogische Anstrengungen notwendig sind. Jüngere Kinder hingegen bedürfen einer viel stärkeren emotionalen Bindung. Das heißt, die Betreuerinnen in Krabbelstuben müssen viel intensiver auf die Kinder eingehen als in Kindertagesstätten.

Sprache, soziales Verhalten, Bewegungsabläufe – das alles wird in dieser Lebensphase durch Nach­ ­ ahmung gelernt. Dieser Prozess bedarf des Vertrauens zwischen zwei Menschen, zwischen Kind und Betreuungsperson. Nur wer sich intensiv auf das Kind einlässt, fördert es.

Dies hat schon in den 1930er Jahren die ungarische Ärztin Emmi Pikler erkannt. Sie entwickelte, ursprünglich für die Kinder von TBC-kranken Müttern, ein Programm der „achtsamen Pflege“ und der „freien Bewegungsentwicklung“, das auf solche emotionalen Aspekte Rücksicht nimmt und noch heute wertvolle Anregungen für die Betreuung der Kleinsten gibt. Die Krabbelstuben des Diakonischen Werkes für Frankfurt arbeiten zum Beispiel nach dem Ansatz von Emmi Pikler.

So sollte etwa das Wickeln weder für das Kind noch für die Erwachsenen eine lästige Prozedur sein, sondern eine Zeit des intensiven und vergnügten Beisammenseins. Das klingt einfach, ist aber schon im familiären Alltag nicht immer zu verwirklichen. Umso schwieriger in der Krippe. Vor allem Zeit ist gefragt: Behutsam das Händchen waschen oder die Jacke achtsam anziehen, das erfordert mehr als die schnelle Versorgung des Kindes.

Um die Betreuung und Bildung der Kleinsten zu ermöglichen, sind deshalb sowohl eine spezielle pädagogische Kompetenz nötig als auch entsprechende Ressourcen. Vor allem müssen die Erzieherinnen über die notwendige Zeit – und das heißt auch, Arbeitszeit – verfügen, um eine echte Bindung zu den Kindern her­ stellen zu können. Wer Ja zum Rechtsanspruch sagt, muss Qualität garantieren. Denn nur gute Betreuungseinrichtungen sind ein Gewinn für Kinder, Eltern und Gesellschaft.

p(autor). Kurt-Helmuth Eimuth

h2. Kurse rund um die junge Familie

Was ist beim Einrichten eines Kinderzimmers zu beachten? Wie gelingt die mehrsprachige Erziehung? Wie unterstütze ich mein Kind beim Übergang in die Krabbelstube oder in den Kindergarten? Welche Hausmittel helfen bei kleineren Blessuren?

Ein umfangreiches Kurs- und Vortragsprogramm rund ums Kleinkind bietet die evangelische Familienbildung in Sachsenhausen an. Nicht nur Frauen in der Schwangerschaft oder kurz nach der Geburt finden hier Unterstützung, sondern auch Großeltern, die ihre Kenntnisse in der Babypflege „auffrischen“ möchten, oder Väter, die sich aktiv mit ihrer Rolle auseinander setzen.

Ein ausführliches Programmheft kann unter Telefon 60500411 bestellt oder im Internet unter „www.familienbildung-ffm.de“:http://www.familienbildung-ffm.de heruntergeladen werden.

p(autor). Antje Schrupp

h2. Wer betreut die Kleinkinder?

h3. Anne Schoelzel (44), Betriebswirtin

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Mein Mann und ich hatten beide einen guten Job und waren uns einig, dass ich mich die ers­ ten drei Jahre überwiegend um unseren Sohn kümmere. Nach acht Monaten habe ich wieder eine Woche pro Monat gearbeitet, und die Großeltern haben in diese­ ­ r Zeit geholfen. Da mein Mann damals einen sehr zeitintensiven und stressigen Job hatte, hätte ich nur mit zugekaufter Unterstützung einen Teilzeitjob mit entsprechender Verantwortung machen können. Wir wollten aber auch beide Zeit mit unserem Sohn haben. Deshalb hat mein Mann sich mit finanziellen Einbußen einen weniger zeitintensiven Job gesucht, und ich arbeitete mit einer Zweidrittelstelle. So konnte sich auch mein Mann um unser Kind kümmern und ich weiterhin einen qualifizierten Job machen. Dies ist für alle eine gute Lösung – und hat in heutiger Zeit auch den Vorteil von „zwei Standbeinen“.

h3. Thomas Hofmann (29), PR-Referent

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Ich bin ein großer Familienmensch und will auch einmal selbst Kinder haben. Ich kann es nur schwer nachvollziehen, wenn angehende Eltern quasi schon vor der Geburt darüber nachdenken, wie das eigene Kind am besten in Krabbelstuben von fremden Menschen betreut werden kann. Bei finanziellen Hintergründen ist das natürlich etwas anderes – darüber will ich auch nicht voreilig urteilen. Aber gerade die ersten Monate und Jahre sind für die Bindung zwischen Eltern und Kind sehr wichtig, und die möchte ich nicht missen oder, überspitzt gesagt, mir von anderen erzählen lassen. Ich glaube, ohne diese gemeinsame Zeit fehlt etwas – ein Leben lang. Ich persönlich würde mir gerne mit meiner Partnerin die Elternzeit teilen oder sie auch ganz übernehmen, wenn das machbar und sinnvoll ist. Jedenfalls nehme ich meinen Job da nicht wichtiger als ihren, geschweige denn wichtiger als das eigene Kind.

h3. Sabine Baumann (40), Verlagsangestellte

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Die Krippe finde ich eine gute Betreuungs-Lösung, weil Kinder da mit anderen Kindern zusammenkommen, vor allem, wenn sie noch keine Geschwister haben. Ich habe meine Tochter mit 38 Jahren bekommen und wollte und musste nach knapp zwei Jahren wieder arbeiten: Da war Esther 21 Monate alt. Ich arbeite halbtags im Verlag und auch noch als Übersetzerin und Lektorin. Meine Tochter lernt in der Krippe viel von den anderen Kindern. Bei der Auswahl der Einrichtung haben mein Mann und ich uns aber viel Zeit genommen. Bei der städtischen Krippe hat uns dann nicht nur das Konzept überzeugt, sondern vor allem, wie liebevoll die beiden Erzieherinnen und die Praktikantin auf die zehn Kinder dort eingingen. Ich bringe meine Tochter um acht Uhr morgens hin und hole sie gegen halb drei Uhr wieder ab. Inzwischen möchte sie dann manchmal am liebsten da bleiben.

h3. Martin Moog (47), Fotograf

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Schon als Kind wollte ich immer gerne Vater werden. Als meine Frau dann schwanger wurde, haben wir ziemlich schnell entschieden, dass ich zuhause bleibe, nicht nur, weil ich gerne mein Kind aufziehen wollte, sondern auch deshalb, weil sie mehr verdiente als ich. Ich habe noch ein Pflegekind angenommen, pflege meinen fast hundertjährigen Vater und habe einen 400-Euro-Job. Was Frau von der Leyen jetzt auf den Weg gebracht hat, war überfällig: Wir haben gar nicht erst versucht, unseren Max in der Krippe anzumelden, weil die so überlaufen ist. Ich bin aber auch der Meinung, dass die Firmen kinderfreundlicher werden müssen. Von den Arbeitnehmern wird so viel Flexibilität verlangt, warum nicht auch von den Arbeitgebern? Kindererziehung und soziale Aufgaben sind schließlich nichts Zweitrangiges, auch wenn das oft so dargestellt wird.

Artikelinformationen

Beitrag veröffentlicht am 1. September 2007 in der Rubrik Ethik, erschienen in der Ausgabe .

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