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1. September 2007

Spielsucht stark gestiegen

p(einleitung). Suchtkrankenberatung fordert mehr Vorsorge und Beratung

Die Spielsucht nimmt seit den achtziger Jahren kontinuierlich zu: zum einen, weil immer mehr Lizenzen für Automatensalons und Spielcasinos vergeben wurden, zum anderen, weil Onlinecasinos eröffnet haben und Internetwetten per Netz in ganz Europa abgeschlossen werden können.

„Wenn ein neues Suchtmittel modern wird, dauert es immer eine Weile, bis die Kranken sich outen und Hilfe suchen“, erklärt Joachim Otto, der Leiter der evangelischen Suchtkrankenberatung in Frankfurt. „Aber allein im vorigen Jahr ist der Beratungsbedarf für Spielsüchtige bei uns um dreißig Prozent gestiegen. Wir waren nicht mehr in der Lage, so schnell wie möglich zu helfen.“

Spielsüchtig ist jemand, bei dem sich das ganze Leben darum dreht, dass er spielen kann, wenn Arbeit und soziale Kontakte vernachlässigt werden, um immer mehr Zeit zum Spielen zu haben. In extremen Fällen plündern Spielsüchtige sogar die Konten ihrer Ehefrauen oder Kinder, verschulden sich oder begehen kriminelle Delikte, um an immer mehr Geld zum Spielen zu kommen.
In Deutschland haben die Bundesländer das Glücksspielmonopol und deshalb nach einem Urteil des Bundesverfassungsgerichtes auch die Pflicht zu Präventions- und Beratungsangeboten. Um Suchtkranken besser helfen zu können, hat Joachim Otto daher über die hessische Landesstelle für Suchtfragen beim Land Hessen eine entsprechende Personalverstärkung angefragt. Ein Gesetzentwurf für Prävention und Beratungsangebote für Spielsüchtige liegt inzwischen zwar vor, muss aber noch durch alle Instanzen.

Nach Einschätzung von Otto wird der Bedarf in den nächsten Jahren weiter steigen: „Schon jetzt fragen mich besorgte Eltern, was sie tun sollen, wenn ihr Kind stundenlang an Rollenspielen im Internet teilnimmt, oder wenn junge Erwachsene ihre Ausbildung vernachlässigen, weil das virtuelle ‚Second life’ ihnen spannender vorkommt als die Realität. Internetsucht ist überhaupt noch nicht als Krankheitsbild anerkannt, aber das wird kommen.“

In schweren Fällen wird bei Spielsucht eine achtwöchige stationäre Therapie empfohlen, für die die Sozialversicherungen aufkommen. Aber auch die Nachbehandlung ist wichtig, um Rückfälle zu vermeiden. Deshalb bietet Otto eine therapeutische Gruppe für Spielsüchtige an. „Spielsüchtige haben massive Selbstwertprobleme“, sagt er. „In ihrer Fantasie eröffnet ihnen das Geld, das sie gewinnen könnten, alle Möglichkeiten dieser Welt. In Wirklichkeit verspielen sie es aber immer wieder. In der Therapie geht es vor allem darum, ihre Ich-Stärke wieder herzustellen, um sie in die Lage zu versetzen, das eigene Leben zu bewältigen, statt vor ihm zu fliehen.“

p(autor). Stefanie von Selchow

Artikelinformationen

Beitrag veröffentlicht am 1. September 2007 in der Rubrik Stadtkirche, erschienen in der Ausgabe .

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