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1. September 2007

Vom Volta-Fluss an den Main

p(einleitung). Pfarrer Komi Hiagbe aus Ghana kam zum Promovieren nach Frankfurt­

Vor zwei Jahren ist Komi Hiagbe nach Frankfurt gekommen, um an der Universität seine Doktorarbeit in Theologie zu schreiben. Die Heimat des 48 Jahre alten Pfarrers ist die westafrikanische Stadt Accra an der Küste von Ghana, und dort­ hin will er in einem Jahr auch zu­ rückkehren: Nicht nur seine Familie wartet auf ihn, sondern auch seine Kirche, die „Global Church of Ghana“. Für drei Jahre hat ihn diese christliche Gemeinschaft, eine der drei großen Kirchen in Ghana, vom Gemeindedienst freigestellt, damit er eine Doktorarbeit schreiben kann. Sein Thema ist die Prägungskraft der calvinistischen Heilslehre aus der Sicht der Anlo-Ethnie in Ghana.

!(rechts)/2007/09/seite02_oben.jpg(Foto: Ilona Surrey)!

Komi Hiagbe hofft, dass der Doktorgrad ihm die Tür zur Universität von Accra öffnet: „Ich möchte Theologie lehren und den Glauben wissenschaftlich durchdenken.“ Zunächst einmal wird er aber ab Januar 2008 als Direktor der „Global Impact Foundation“, einer kirchennahen Nichtregierungsorganisation, arbeiten.

Die evangelischen Kirchen in Ghana hätten sich sehr entwickelt, sagt Hiagbe. „Wir drücken unseren Glauben heute viel freier aus als früher und sind wieder näher an unseren afrikanischen Traditionen.“ Er beschreibt die lebhaften Gottesdienste und Bibelstunden, in denen getanzt und gesungen wird, in denen die Predigt laut und leidenschaftlich ist, in denen Heilungen gefeiert werden und die Menschen zum Schluss fröhlich klatschen.

Auch in Frankfurt suchte Komi Hiagbe Anschluss an ein lebendiges Gemeindeleben. So predigt er in Gottesdiensten seiner Landsleute, die in Frankfurt leben, bietet im Ökumenischen Zentrum Christuskirche im Westend Bibelstunden in englischer Sprache an und engagiert sich in der Evangelischen Studentengemeinde. „Ich kann nicht immer nur lesen und in die Bücherei gehen“, sagt Hiagbe. Dem sozialen Leben misst er einen großen Stellenwert bei. Lehrer, Pfarrer und Theologe zu sein ist ihm ein Bedürfnis, und wenn er am Freitagabend in der Christuskirche die Treppe zum Seminarraum hinaufgeht, ist er wach und bereit für die Fragen und Probleme der Menschen, die zur Bibelstunde kommen. „That helps me going, das bringt mich voran“, sagt er und lächelt.

Sich in seiner neuen Umwelt ­ zurecht zu finden ist Hiagbe nicht schwer gefallen, obwohl er zum ersten Mal den afrikanisch­en
Kontinent verlassen hat. „Die Kirchen sind hier viel größer als bei uns“, hat er festgestellt. Doch vieles aus dem deutschen Gottesdienst ist ihm vertraut: „Mit dieser Liturgie bin ich aufgewachsen.“ Hiagbes Mutter stammt aus einer Familie, die schon früh den christlichen Glauben angenommen hat. Am Delta des Volta-Flusses ist er zusammen mit vielen Geschwistern aufgewachsen. Er liebt den Blick auf das fließende Wasser, und wenn er fernab der Heimat am Mainufer entlang joggt, steigen in ihm Erinnerungen auf. Sein Vater war Farmer und bestellte etwas Land, die Mutter handelte als Marktfrau mit ländlichen Produkten. Hiagbe ist der einzige aus der Familie, der länger als sieben Jahre in die Schule ging.

Er sog den Schulstoff gerade­ zu auf, studierte Pädagogik an der Universität von Cape Coast und wurde Lehrer. Zehn Jahre später erwarb er in Accra am Theologischen Seminar der Presbyterianischen Kirche das Diplom in Theologie und arbeitet seitdem als Pfarrer. 2004 machte er in Nairobi/Kenia seinen Master in Theologie und bewarb sich ein Jahr später für das Promotionsprogramm „Religion im Dialog“ der Universität Frankfurt, bei dem ihn die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau mit einem kleinen Stipendium unterstützt.

Das einzige, was er bedauert, ist, dass seine Familie ihn in Frankfurt nicht besuchen kann: Der Flug ist zu teuer.

p(autor). Anne-Rose Dostalek

Artikelinformationen

Beitrag veröffentlicht am 1. September 2007 in der Rubrik Menschen, erschienen in der Ausgabe .

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