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1. November 2007

„Gute Arbeit“ ist Mangelware

p(einleitung). Diskussion über Grundeinkommen und die Zukunft der Erwerbsarbeit

Eine breit gefächerte Diskussion über die Frage, welche Arbeiten für die Gesellschaft nützlich sind, und welche Art von Anerkennung es dafür geben soll, forderte Axel Honneth, der Direktor des Frankfurter Instituts für Sozialforschung, bei einer Podiumsdis­ kussion in der Evangelischen Stadtakademie. Auch die Haus- und Familienarbeit müsse dabei stärker berücksichtigt werden, betonte Honneth. Skeptisch äußerte er sich zu dem Vorschlag, ein Grundeinkommen einzuführen, das alle erhalten, unabhängig davon, ob sie erwerbstätig sind oder nicht. Denn die Arbeit sei für viele Menschen wichtig, nicht nur als Quelle von Einkommen, sondern auch für die eigene Identität.

Die zentrale Bedeutung der Erwerbsarbeit in Europa habe sich im 18. und 19. Jahrhundert herausgebildet, so Honneth. Vorher galt es als erstrebenswert, viel Zeit für Muße zu haben. Seit der Moderne habe sich aber die Vorstellung durchgesetzt, dass es für ein gutes Leben unabdingbar sei, in Form von Erwerbsarbeit in den Leistungsaustausch der Gesellschaft eingebunden zu sein. Allerdings habe das bis vor kurzem nur für Männer gegolten: „Man ging früher davon aus, dass Frauen dieses Bedürfnis nicht hätten.“

Nach Ansicht von Stefan Lessenich von der Universität Jena ist die Entwicklung hin zu unsicheren und befristeten Arbeitsplätzen angesichts der Globalisierung unaufhaltsam. „Gute Arbeit“ in dem Sinne, dass der eigene Arbeitsplatz ausreichendes Einkommen, soziale Absicherung und Rente garantiert, werde es in Zukunft nicht mehr für alle geben. Ein bedingungsloses Grundeinkommen könne sicherstellen, dass trotzdem alle über Geld verfügen. Es müsse nach Möglichkeiten gesucht werden, Status und Anerkennung auch unabhängig von der Erwerbsarbeit bekommen
zu können, forderte Lessenich.

Gegen die verbreitete Meinung, dass der moderne „Arbeitsethos“ auf den Protestantismus zurückgehe, argumentierte Torsten Meireis, Schulpfarrer im Darmstädter Elisabethenstift. Luther und seine Zeit hätten unter „Arbeit“ einfach nur alle mühevollen und gefährlichen Tätigkeiten verstanden. Der „Beruf“ hingegen, der für die eigene Identität wichtig ist, sei nach protestantischem Verständnis der qualifizierte Dienst am Nächsten. In diesem Sinne „berufstätig“ sein könne man sowohl in­ nerhalb als auch außerhalb des Arbeitsmarktes. Auch Meireis plädierte daher für ein Grundeinkommen. Vor allem aber müsse eine demokratische Gesellschaft ihren Mitgliedern eine solche „Berufsfindung“ auch ermöglichen, und zwar durch ein gutes Bildungsangebot, zu dem Kinder aus allen Schichten Zugang haben.

p(autor). Antje Schrupp

Artikelinformationen

Beitrag veröffentlicht am 1. November 2007 in der Rubrik Stadtkirche, erschienen in der Ausgabe .

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