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Von – 1. November 2007

Biblische Überproduktion

Das Urchristentum produzierte in den ersten drei Jahrhunderten eine Vielzahl geistlicher Schriften, von denen aber nur 27 in die Bibel aufgenommen wurden. Den an­ deren, den „Apokryphen“ (wörtlich: den „verborgenen“ Schriften) wurde diese Würde nicht zuteil, obwohl auch sie von Jesus Christus erzählen.

Die Trennung zwischen überflüssiger oder gar schädlicher Spreu (Schriften, die ruhig „verborgen“ bleiben konnten) und kostbarem Weizen war kein Willkürakt der frühen Kirche und wurde auch nicht von Synoden oder gar Päpsten vollzogen. Vielmehr setzten sich in diesem „Ranking“ innere Werte durch, vor allem die inhaltliche Nähe zur Lehre Jesu und zu den Aposteln. Eine positive Anknüpfung an die jüdische Bibel wurde ebenso als Zeichen von Qualität gewertet wie der Blick auf die Gesamtheit der Kirche und nicht auf bestimmte Gruppeninteressen. Und je öfter eine Schrift zitiert und positiv Bezug auf sie genommen wurde, desto verbindlicher wurde ihre Stellung.

Die Apokryphen sind als Zeugnisse des Christentums oft faszinierend zu lesen, ohne dass man allerdings neue Erkenntnisse aus ihnen ableiten könnte. Sie füllen die Lücken der älteren Evangelien, indem sie Geschichten aus Jesu Kindheit erzählen, oder über Maria und über wenig bekannte Apostel. Sie spiegeln schließlich ein sehr breites theologisches Denken bis hin zur Abweichung vom Bekenntnis unter dem Einfluss zeitgenössischer Strömungen wie der Gnosis.

 

Artikelinformationen

Beitrag von , veröffentlicht am 1. November 2007 in der Rubrik Gott & Glauben, Kultur, erschienen in der Ausgabe .

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Wilfried Steller ist Theologischer Redakteur von "Evangelisches Frankfurt" und Pfarrer in Frankfurt-Fechenheim.

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