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1. November 2007

Dialog statt Einheit

p(einleitung). Sie repräsentieren die beiden großen christlichen Kirchen in Frankfurt: Stadtdekan Raban Tilmann vom katholischen Bistum Limburg und Pröpstin Gabriele Scherle von der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau. „Evangelisches Frankfurt“ stellte ihnen drei Fragen zur ökumenischen Zusammenarbeit.

Wie stehen Sie angesichts der Tatsache, dass in Frankfurt jedes zweite Kind nicht christlich ist, zum Vorschlag eines ökumenischen Religionsunterrichtes?

bq. *Raban Tilmann:* Wir im Bistum Limburg bevorzugen in der Grundschule nach wie vor den konfessionellen Religionsunterricht, denn die christliche Kirchenzugehörigkeit läuft immer noch über die Konfession. Begründete Ausnahmen sind befristet möglich unter der Zustimmung beider Kirchen. Gerade in einer überwiegend nichtchristlichen Großstadt wie Frankfurt ist die überzeugte und überzeugende kirchliche Identität entscheidend für den christlichen Glaubensweg. Nichts spricht aber gegen Unterrichtsbesuche und ökumenische Projekte in der Mittel- und Oberstufe.

!(rechts)2007/11/seite05_oben.jpg(Trotz aller theologischen Differenzen sind sie bei wichtigen Fragen einer Meinung: Pröpstin Gabriele Scherle und Stadtdekan Raban Tilmann protestierten gemeinsam gegen die islamfeindliche Stimmungsmache der NPD.­ | Foto: Rolf Oeser)!

bq. *Gabriele Scherle:* Religiöse Überzeugungen entwickeln sich durch die Auseinandersetzung mit Menschen, die eine klare religiöse Identität haben und vertreten. Religionskunde kann deshalb den Religionsunterricht nicht ersetzen. Es sollte aber neben dem christlichen und jüdischen Religionsunterricht auch einen islamischen Religionsunterricht geben. Ein ökumenischer Religionsunterricht ist möglich, müsste aber von den jeweiligen Vertretern der Konfessionen gemeinsam durchgeführt werden. Daher erscheint es sinnvoller, jeweils Zeiten der ökumenischen Begegnung und des Dialogs einzuplanen. Dies könnte auch für die Begegnung mit anderen Religionen Modellcharakter haben.

Könnten nicht angesichts knapper Finanzen Kirchen von beiden Konfessionen gemeinsam genutzt werden? ­

bq. *Gabriele Scherle:* Die Kirchen aller Konfessionen sind Ausdruck der jeweiligen gottesdienstlichen Kultur. Die Bedeutung der Kirchengebäude ist in den orthodoxen, katholischen und reformatorischen Traditionen verschieden. Innerhalb der jeweiligen Konfessionsfamilie sind gemeinsame Nutzungen üblich und im Blick auf die vielen kleinen Gemeinden anderer Sprache und Herkunft auch sinnvoll. Eine gemeinsame Nutzung über die Konfessionsgrenzen hinweg ist denkbar, vor allem aber wäre sie da sinnvoll, wo Kirchen neu gebaut werden, sodass der unterschiedlichen Sichtweise Rechnung getragen werden kann.

bq. *Raban Tilmann:* Die evangelische und katholische Kirche in Frankfurt haben zu viele große Kirchen angesichts sinkender Mitgliederzahlen. Was aber konkret am Ort in Zukunft richtig ist (Fusion, Umwidmung, Verkauf, Abriss), muss im Einzelfall möglichst im Konsens entschieden werden. Von gemeinsamer Nutzung halte ich nichts, sie würde notwendige schmerzhafte Entscheidungen nur verschleiern oder verzögern.

Glauben Sie, dass das unterschiedliche Abendmahlsverständnis für die Menschen heute noch eine Bedeutung hat?

bq. *Raban Tilmann:* Ob Menschen heute das Abendmahl Jesu verstehen, ist nicht so wichtig. Die Eucharistiefeier ist ein Sakrament, also Gottes Tat und Geschenk. Das Verständnis dafür, die Teilnahme und die Dankbarkeit schwanken im Ablauf der Generationen. Das Abendmahl und die Notwendigkeit des kirchlichen Amtes (Ordination) für seine universale Gültigkeit ist für die katholische Kirche kein ökumenischer Verhandlungsgegenstand.

bq. *Gabriele Scherle:* Das Abendmahl ist immer von einer Frömmigkeitskultur geprägt. Es gibt dabei eine grundlegende Spannung. Einerseits: Das Mahl ist uns von Gott aufgetragen und Christus selbst lädt uns ein. Andererseits: Das Mahl ist der Kirche Jesu Christi anvertraut und jede Kirche muss verantworten, wen sie zu­ lässt. Unterschiede in der Theo­ logie des Abendmahls wirken nachhaltig, sind jedoch mit den konfessionellen Grenzen nicht (mehr) identisch. Die evangelische Kirche jedenfalls kann aus theologischen Gründen auch Menschen aus anderen Konfessionen zum Abendmahl zulassen.

Artikelinformationen

Beitrag veröffentlicht am 1. November 2007 in der Rubrik Ethik, erschienen in der Ausgabe .

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