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1. November 2007

Eine Kirche, in der kein Kreuz hängt

Wer im freundlichen, nüchternen Gottesdienstraum der evangelisch-reformierten Gemeinde im Westend ein Kreuz sucht, tut dies vergeblich. „Es wäre auch keine Wand da, um es aufzuhängen“, erläutert Pfarrerin Susanne Bei der Wieden. „Die Architektur des Raumes und des Gebäudes gibt das Selbstverständnis der Reformierten wieder. Dies ist kein sakraler Raum, sondern ein Raum, der Gemeinschaft stiften soll. Mittelpunkt ist das Wort Gottes, der Auferstandene ist im Wort lebendig und erfahrbar.“ Für die Wände des runden Raumes wurde da-rum Holz als lebendiges Material gewählt, in der Mitte stehen Holztisch, Orgel und Lesepult. Kein Bild und kein Schmuck lenken die Konzentration der Besuchenden ab. Der Blick nach draußen ist frei, er geht durch eine große Glasfensterfront. „Wir wollen gesehen werden und sehen, was draußen geschieht.“

!(kasten)2007/11/seite08_unten.jpg(Runde Architektur, warmes Holz an den Wänden, ein einfacher Tisch in der Mitte – das ist der Gottesdienstraum der evangelisch-reformierten Gemeinde im Westend. Nach reformiertem Verständnis sind Kirchen keine sakralen Räume, sondern Orte der Gemeinschaft. | Foto: Rolf Oeser)!

Die Menschen, die zur reformierten Gemeinde gehören, kommen aus ganz Frankfurt und Umgebung. Sie haben sich bewusst für diese Gemeinde entschieden. Und auch das unterscheidet die reformierte Gemeinde von anderen: Hier haben die Laien das Sagen. Die Gemeindeversammlung trifft alle wichtigen Entscheidungen, das Presbyterium leitet die Gemeinde. Die Gemeindeversammlung war es auch, die angesichts sinkender Mitgliederzahlen vor zwei Jahren entschieden hat, die Zahl der Pfarrstellen von fünf auf zwei zu reduzieren und das neue Gemeindezentrum mit zentraler Gottesdienststelle zu errichten. Die vier früheren Gotteshäuser wurden abgegeben, in einem davon ist jetzt das Bibelmuseum untergebracht. 2005 wurde die Eröffnung des neu gestalteten Zentrums im Westend gemeinsam mit dem 450-jährigen Bestehen der Gemeinde in Frankfurt gefeiert: Im Jahr 1555 fanden Glaubensflüchtlinge, die sich auf die Tradition des Reformators Johannes Calvin beriefen, in Frankfurt Heimat. Sie kamen aus den spanisch besetzten Niederlanden. Um 1900 gab es 10000 Reformierte in der Stadt, heute sind es noch 2000.

Ihrer Tradition ist die Gemeinde treu geblieben, ein Schwerpunkt ist die Bildung. Im „Theologischen Forum“ werden regelmäßig nicht nur Glaubensthemen reformierter Tradition, sondern auch aktuelle gesellschaftliche Fragen aufgegriffen. „Wie können wir unsere Verantwortung als Christen in der Welt wahrnehmen? Diese Frage stellt sich immer wieder“, sagt Udo Köhnen, seit zwanzig Jahren Pfarrer der Gemeinde. Eine Antwort ist das diakonische Wirken, und hier wurde nicht gespart.

Neben zwei Kindergärten und Altenheim leistet sich die Gemeinde zwei Gemeindeschwestern, die Besuche bei älteren und kranken Menschen machen, sowie eine Sozialarbeiterin, die Menschen in verschiedenen Notlagen berät. Das Verteilen von Lebensmittelgutscheinen gehört selbstverständlich dazu. In den vergangenen Jahren sind wieder mehr junge Menschen zur Gemeinde gekommen. Das neue Gemeindezentrum bietet auch Jugendlichen- und Kindergruppen verschiedenen Alters Platz. Alle zwei Monate treffen sich Kinder mit ihren Familien zum „Stressless-Sunday-Gottesdienst“. Die Gruppe „Kirche im Internet“ sorgt dafür, dass die Gottesdienste als Podcast zum Download bereitstehen, und aufgrund der guten Zusammenarbeit mit der Universität ist die Gemeinde sonntags abends auch Gastgeberin für die Hochschulgottesdienste der Studierenden­ gemeinde.

p(autor). Gunda Höppner

Artikelinformationen

Beitrag veröffentlicht am 1. November 2007 in der Rubrik Stadtkirche, erschienen in der Ausgabe .

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