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1. November 2007

Motto: „Mit Gott über Mauern springen“

p(einleitung). Evangelisch oder katholisch? In der Familie Pommerening aus Bonames geht beides wunderbar zusammen

Hannah Pommerening ist zehn Jahre alt und wie ihre Mutter und einer ihrer Brüder, der zwölf-jährige Florian, evangelisch. Sie besucht eine katholisch-konfessionelle Schule, geht aber dort zum evangelischen Religionsunterricht. Für Hannah ist es selbstverständlich, sich in beiden Konfessionen, in beiden Gemeinden zu bewegen – und es macht ihr Spaß. In der evangelischen Gemeinde ist sie gerne im Kindergottesdienst, der Jungschar und den Familiengottesdiensten. In der katholischen Gemeinde engagiert sie sich als Messdienerin und hat am Kommunionsunterricht teilgenommen. „Am Anfang habe ich die Unterschiede gar nicht bemerkt und manchmal die Gemeinden auch verwechselt“, sagt sie lachend. Inzwischen hat sie einiges dazugelernt. Dem neuen Pfarrer der katholischen Gemeinde in Bonames hat sie gesagt, dass sie evangelisch ist. Deshalb bekommt sie beim Abendmahl keine Hostie, sondern ein Kreuz auf die Stirn.

!(rechts)2007/11/seite05_unten.jpg(Machen im Alltag gute Erfahrungen mit dem Durcheinander der Konfessionen in ihrer Familie: Florian, Lena, Hannah, Dieter und Annette Pommerening – v.l.n.r. | Foto: Rolf Oeser)!

Florian hat wie alle Pommerening-Kinder im Kinderkirchenchor der katholischen Gemeinde gesungen. Er geht gerne mit der ganzen Familie zum Gottesdienst – und in welcher Kirche das ist, entscheidet sich auch danach, wo heute die eine oder der andere gerade mitsingt oder mitwirkt. Florian gefällt es aber, dass man sonntags auch einfach zu Hause bleiben kann.

„Unsere drei ältesten Kinder sind katholisch getauft“, erzählt Annette Pommerening. „Als ich dann mit Florian schwanger war, habe ich bei der Kinderkirche der evangelischen Gemeinde mitgearbeitet und mir gedacht, wenn ich den Bauch dort immer hintrage, will ich dieses Kind auch evan­ gelisch taufen lassen.“ In der katholischen Messe genießt sie die Feierlichkeit, den Gesang, den Einzug des Priesters und der Mess­ diener mit Kreuz. „Das ist alles viel emotionaler, und wenn ich in einem anderen Land einen katholischen Gottesdienst besuche, kenne ich mich sofort aus – das finde ich gut.“

Für Annette Pommerening und ihren Mann Dieter ist die Trennung der beiden Kirchen vollkommen überflüssig. Seit vielen Jahren ist Dieter Pommerening im Verwaltungsrat der katholischen Gemeinde St. Bonifatius in Bona­ mes tätig. „Angesichts der finanziellen Situation und dem Rückgang der Mitglieder müssten wir viel stärker zusammenar­ beiten. Wir könnten Räumlichkeiten miteinander teilen und vielleicht auch in einem Stadtteil einen Hausmeister für beide Gemeinden anstellen“, meint er. Aber so weit sieht der 46 Jahre alte Ingenieur die Ökumene im Moment nicht. Er findet, dass auch die evangelischen Amtsträger mit ihren „Profildiskussionen“ die Trennung zu sehr betonen. „Beide Kirchen haben doch die Aufgabe, für die Menschen da zu sein. Das könnte ihnen die Richtung geben“, so Dieter Pommerening.

In seiner Gemeinde fühlt er sich gut aufgehoben und möchte die Wurzeln in der katholischen Tradition nicht missen – auch wenn es ihn schmerzt, dass ein Teil seiner Familie nicht zur Kommunion gehen kann. Als Vater stellt er es seinen Kindern frei, wo sie sich engagieren. So haben die Eltern auch den Wunsch der beiden ältesten, katholisch getauften Töchter Julia und Lena unterstützt, sich konfirmieren zu lassen. Nicht ganz unproblematisch war das, wurde doch der zuständige evangelische Pfarrer bei Lenas bevorstehender Konfirmation zu einem Gespräch mit der damaligen Pröpstin eingeladen, die damit nicht einverstanden war.

Auch in Zukunft will sich die Familie Pommerening in ihrem ökumenischen Engagement nicht bremsen lassen. „Wir werden es wohl nicht mehr erleben, dass es nur eine christliche Kirche gibt, aber vielleicht tragen ja unsere Kinder etwas dazu bei, dass die Trennung kleiner wird“, hofft Annette Pommerening. Ganz nach einem ihrer Lieblingsverse aus der Bibel: „Mit meinem Gott kann ich über Mauern springen.“ (Psalm 18,30)

p(autor). Gunda Höppner

Artikelinformationen

Beitrag veröffentlicht am 1. November 2007 in der Rubrik Ethik, erschienen in der Ausgabe .

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