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1. Dezember 2007

Dem Zufall überlässt sie nichts

p(einleitung). Ute Heinisch arbeitet seit 26 Jahren mit alten Menschen

!(rechts)2007/12/seite02_oben.jpg(Foto: Rolf Oeser)!

Wenn Ute Heinisch etwas organisiert, dann richtig. Etwa den Seniorenausflug, der seit Jahren unverrückbar am ersten Mai stattfindet. Bevor sie mit einer Gruppe aus der Gemeinde Frankfurt-Hausen in den Bus steigt, ist sie mit ihrem Mann bereits zweimal an den Ort des Geschehens gefahren, nach Steinau zum Beispiel oder Michelstadt. Sie hat sich angesehen, wo der Parkplatz liegt, an dem der Bus hält, und ob die Stadtführung dort beginnen kann. Sie hat sich vergewissert, dass der Rundgang rollstuhlgerecht ist, und wie lange es von A nach B dauert. Sie weiß, was es im Landgasthof zu essen gibt, und wo sie nach der Kirchenführung, die sie gerne selbst macht, mit einer großen Gruppe noch Kaffee trinken gehen kann.

Die 64-Jährige hat schon als junge Frau nicht gerne etwas dem Zufall überlassen. Als gelernte Bankkauffrau mit Abitur arbeitete sie drei Jahre im Vorstandsse-kretariat der Commerzbank, wo sie große Tagungen organisierte. Dann wurde ihr Sohn geboren, später ihre Tochter. Über den Kindergarten kam die gebürtige Hausenerin, die noch heute in ihrem Elternhaus in Alt-Hausen lebt, in engeren Kontakt mit der Gemeinde. Als sie sich dann vor 26 Jahren entschloss, die Leitung des Seniorenarbeitskreises zu übernehmen, blühte dieser auf.

Ute Heinisch, deren graue Kurzhaarfrisur perfekt sitzt, liebt klare Strukturen und einen festen Rahmen. Mittwochstreff ist unverrückbar zweimal im Monat von 15 bis 17 Uhr. Nach der Begrüßung wird ein Kirchenlied gesungen. Dann gibt es Kaffee und eine halbe Stunde Zeit für Gespräche – „auch das ist sehr wichtig“. Spä-testens um viertel vor vier beginnt das Programm, das jeweils zwei Monate vorher in der Gemeinde-zeitung veröffentlicht wird. Meist hält Ute Heinisch selbst einen Vortrag, etwa über Dichterinnen und Künstler oder sozial Engagierte wie Mutter Teresa. Manchmal lädt sie auch Gäste ein. Zweimal im Jahr kommt Pfarrer Holger Wilhelm, der weiß, was er an seiner Ehrenamtlichen hat: „Jemand wie Frau Heinisch ist für eine Kirchengemeinde ein Glücksfall.“

Die dynamische Leiterin der Seniorenarbeit hat einige Kurse Gedächtnistraining an der Volkshochschule besucht. Elemente des Gelernten lässt sie gern in ihre Programmgestaltung einfließen: „Ich hasse es, wenn alte Menschen nur herumsitzen. Bei mir sollen sie mitdenken und mitreden.“ Ihre Vorträge sind so bekannt, dass sie auch in anderen Kirchengemeinden gefragt ist: „Dann bekomme ich sogar ein Entgelt.“ Ute Heinisch erlebt ihre ehrenamtliche Arbeit als sehr erfüllend: „Wahrscheinlich habe ich so lange durchgehalten, weil ich selbst immer noch dazulerne: Ich arbeite mich immer wieder in neue kulturelle und auch theologische Themen ein. Es kommt aber auch viel zurück. Die Leute wundern sich oft, was ich mir so alles einfallen lasse, und bedanken sich dafür. Das tut dann schon sehr gut.“ Auch der eigene Glaube sei mit der Zeit gewachsen und trage immer mehr. „Sonst würde ich wohl nicht in einer Kirchengemeinde arbeiten, sondern in einem Altenclub.“

Der Mittwochstreff findet 22 Mal im Jahr statt, im Dezember gibt es eine große Weihnachtsfeier, zu der rund hundert Menschen kommen. Vor kurzem wurde Ute Heinisch gefragt, ob sie auch noch die Leitung des Weihnachtsbasars übernehmen will. „Aber da habe ich dann Nein gesagt. Auch das muss man können.“

p(autor). Stephanie von Selchow

Artikelinformationen

Beitrag veröffentlicht am 1. Dezember 2007 in der Rubrik Menschen, erschienen in der Ausgabe .

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