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Aktuell

1. Dezember 2007

Jugendkultur bekommt eigene Kirche

p(einleitung). Über vier Jahre hat der Umbau gedauert, Probleme mit Statik und Denkmalschutz verzögerten die Bauarbeiten. Jetzt kann endlich Eröffnung gefeiert werden: Ende November ist die Jugendkulturkirche Sankt Peter gestartet – ein in Deutschland einmaliges Projekt, das Religion und Jugendkultur zusammen bringen soll.

Kirche oder Party? In Frankfurt können Jugendliche ab sofort beides haben. Rechtzeitig zum Advent öffnet die Jugendkulturkirche Sankt Peter ihre Pforten. Sie soll ein Ort werden, an dem junge Leute sich kulturell „zu Hause“ fühlen.

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Dabei geht es um mehr, als ab und zu mal eine Band auf die Bühne zu lassen oder die Anlage anzuwerfen. Die Jugendszene ist kompliziert und kapriziös. Das hat das Team der Jugendkulturkirche in den vergangenen zwei Jahren erfahren, in denen es bereits Sankt-Peter-Parties in Frankfurter Clubs wie dem O25 oder dem Cookies gegeben hat: „Je nach Musikauswahl kommt eine bestimmte Szene“, berichtet Geschäftsführer Gerhard Müller, „es macht einen großen Unterschied, ob man HipHop spielt oder Mainstream.“

!(rechts)2007/12/seite06_links2.jpg(Lichttechnik trifft Altar: In Sankt Peter wird es nicht nur Parties und Konzerte geben, sondern auch Gottesdienste und spirituelle Angebote. Damit Jugendkultur und Religion endlich zusammenfinden. | Foto: Thomas Rohnke)!

Klar ist: In einer Kirche muss nicht unbedingt Bach und Telemann erklingen. Denn abgesehen vom Musikstil sind die Themen, die Jugendliche bewegen, auch in evangelischer Tradition „ganz normal“: Es geht um Liebe, um gelingende Beziehungen, um Scheitern und Leistungsdruck. Um die Möglichkeit, andere Menschen zu treffen und ins Gespräch zu kommen, über den Sinn des Lebens, über kulturelle Unterschiede, über Gott und die Welt. In Sankt Peter soll das möglich sein, ohne dass Jugendliche in das für sie oft doch sehr fremde Milieu traditioneller deutscher Kirchlichkeit eintauchen müssen. Dabei ist Sankt Peter offen für alle jungen Leute aus dem Rhein-Main-Gebiet, egal zu welcher Religion sie gehören.

Gut 6,2 Millionen Euro hat der höchst aufwändige Umbau der Peterskirche gekostet, jeweils knapp 2 Millionen davon haben die Stadt Frankfurt und die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau beigesteuert. Den Rest brachte der Evangelische Regionalverband Frankfurt auf, der das Projekt initiiert hat. Dessen Vorstandsvorsitzende, Pfarrerin Esther Gebhardt, freut sich, „dass wir nun endlich Erfahrungen sammeln können mit unseren Angeboten“. Sie ist davon überzeugt, dass es trotz vieler gu-ter Jugendarbeit in den Gemeinden einen solchen besonderen Ort braucht, „wo Jugendliche feiern und lernen können und Antworten auf die Fragen finden, die sie in ihrer Lebensphase bewegen“.

!(kasten)2007/12/seite06_links1.jpg(Die Symboltiere für die vier Evangelisten Markus, Matthäus, Lukas und Johannes zierten früher den Altarraum der Peterskirche. Sie blieben beim Umbau erhalten und schmücken nun die Eingangspforte der Jugendkulturkirche. | Foto: Thomas Rohnke)!

Wobei Jugend aber nicht gleich Jugend ist. Zum Beispiel wird es in Sankt Peter differenzierte Parties geben – für die älteren ab 18, für die jüngeren ab 14, und dann noch spezielle „Konfi-Parties“, zu denen jede Konfirmandin und jeder Konfirmand nur eine Person mitbringen darf. „Diese strenge Auslese gibt auch den Eltern ein gutes Gefühl“, sagt Gerhard Müller, und solche „Under-Age-Parties“ gibt es nur in Sankt Peter, denn in kommerzielle Diskotheken dürfen 14-Jährige noch nicht rein.

Jugendkultur ist aber weit mehr als Parties und Konzerte. Auch Lesungen und Theater wird es geben, ein Seelsorge-Angebot mit ausgebildeten Ehrenamtlichen, ein breites Workshop-Programm sowie eine Lounge, die außer montags jeden Tag ab 11 Uhr geöffnet ist. Ob die Frankfurter Jugend an diesem Standort heimisch wird, wird sich zeigen. Esther Gebhardt jedenfalls wünscht sich, dass sie diese Kirche „als ihr Sankt Peter verstehen und nutzen“.

p(hinweis). Nähere Infos zum Konzept und zum Programm unter „www.sanktpeter.com“:http://www.sanktpeter.com.

p(autor). Antje Schrupp

h2. „Glaube, Liebe und Hoffnung stärken“

Wie entstand die Idee zu dem Projekt Sankt Peter?

!(rechts)2007/12/seite07_unten.jpg(Fragen an Stadtjugendpfarrer Jürgen Mattis, der das Projekt „Jugendkulturkirche“ maßgeblich entwickelt und vorangetrieben hat. | Foto: Rolf Oeser)!

bq. Mitte der 90er Jahre haben wir vom Evangelischen Stadtjugendpfarramt zusammen mit dem Katholischen Jugendamt die Idee einer Jugendkirche für Frankfurt konzeptionell erarbeitet. Wir haben damals auch an ein ökumenisches Projekt gedacht. Kirchliche Jugendarbeit sollte sich nicht nur weiter stadtteilorientiert in Kellern und Jugendclubs entwickeln. Als dann für die Peterskirche ein zu­ künftiges Sanierungs- und Nutzungskonzept gesucht wurde, kam beides zusammen. Die Größe der Kirche, ihre zentrale Lage in der City und unsere inhaltlichen Überlegungen haben sich dann gegenseitig befruchtet.

Wodurch unterscheidet sich Sankt Peter von anderen Jugendkirchen?

bq. Eine Besonderheit ist der aufwändige Umbau einer sehr großen Gemeindekirche in eine Veranstaltungskirche, die den Versammlungsstättenrichtlinien und den hierfür notwendigen Brandschutzauflagen entspricht, und die mit einer Licht- und Tontechnik auch für professionelle Ansprüche ausgestattet ist. Das heißt, dass neben Gottesdiensten und Jugendbildungsangeboten auch große Veranstaltungen und Konzerte möglich sind. Und es wurde ein eigenständiger Rechtsträger gegründet, die „sankt peter GmbH“ als Betreibergesellschaft und Nutzer der Kirche.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

!(rechts)2007/12/seite06_links4.jpg(Geschäftsführer Gerhard Müller und Pfarrer Rasmus Bertram haben lange am Konzept der Jugendkulturkirche gefeilt. Nun freuen sie sich auf den Start an zentraler Stelle in der City. | Foto: Thomas Rohnke)!

bq. Dass Gottes Geist in „sankt peter“ weht und eine geschwisterliche Atmosphäre in der Kirche zu spüren ist. Dass junge Menschen sich kennen lernen und in ihrem Glauben, in ihrer Liebe, in ihrer Hoffnung gestärkt werden. Dass sich Horizonte erweitern und Konflikte kreativ bearbeitet werden. Dass sich jugendkultureller Lebensstil und christlicher Glaube zu neuen Formen der Gemeinschaft verbinden. Ich wünsche mir auch, dass es für das Team viel Unterstützung gibt, dass die Veranstaltungen angenommen werden, die gGmbH schwarze Zahlen schreibt und das Projekt ein Erfolg wird.

p(autor). Fragen: Antje Schrupp

h3. Geschichte der Peterskirche

!(rechts)2007/12/seite06_unten.jpg(Außen alt, innen neu: Die Peterskirche in der City, ganz in der Nähe der Konstablerwache. Zum Eingang kommt man von der Stephanstraße aus. | Foto: Antje Schrupp)!

Der Bau der ersten Peterskapelle an der Schäfergasse wird auf das Jahr 1331 datiert. Stifter war wohl ein Peter Apotheker, der die Kirche nach seinem Namenspatron Petrus benannte. Die Kapelle wurde damals vor den Toren der Stadt gebaut, damit die auf dem Feld Arbeiteten einen kurzen Weg zu ihr hatten.

Die erste Kirche wurde nach dem Zerfall der Kapelle im Jahr 1417 an gleicher Stelle errichtet, etwa auf der Höhe des Schulhofes der Liebfrauenschule. Sie war dem Erzbischof von Mainz zugeordnet. 1531 erreichte die Reformation die Petersgemeinde, und die Kirche wurde evangelisch. 480 Jahre diente sie der christlichen Gemeinde, bis das Gebäude zunehmend zerfiel. Von Fäulnis, Gestank, Schmutz und Brüchigkeit war die Rede. Die Peterskirche wurde abgerissen und an anderer Stelle, auf dem Peterskirchhof, also dem heutigen Standort, 1895 neu gebaut. Sie war groß und prächtig und mit über 1000 Sitzplätzen das größte evangelische Gotteshaus in Frankfurt. Am 20. März 1944 brannte es in den Bombennächten aus.

Nach dem Krieg wurde die Peterskirche wieder aufgebaut und 1965 der Gemeinde übergeben. Sie stand auf den noch vorhandenen Grundmauern, war jedoch architektonisch radikal verändert worden: Die Achse des Innenraums war um 90 Grad gedreht, damit die Bänke im Halbkreis angeordnet werden konnten. Denn die neue Peterskirche sollte eine Predigtkirche sein.

Mit dem jetzigen Umbau zur Jugendkulturkirche erfolgte wieder eine radikale Änderung, die Petersgemeinde nutzt nun die beiden anderen Kirchen im Nordend. Eine neue Idee ist das übrigens nicht: Bereits um 1890 diskutierte man, ob die Peterskirche nicht besser in den neu entstehenden Stadtteil an die Eckenheimer Landstraße zu bauen wäre.

p(autor). Kurt-Helmuth Eimuth

h3. Sankt Peter im Dezember:

!(rechts)2007/12/seite07_oben.jpg(Die Sankt-Peter-Lounge ist dienstags bis sonntags von 11 bis 22 Uhr geöffnet – hier gibt’s lecker Essen und Trinken, aber auch Gelegenheit, sich über Probleme und Sorgen auszusprechen. | Foto: Thomas Rohnke)!

*Eröffnungsparty* – die steigt am Samstag, 1. Dezember, von 20 bis 4 Uhr. Mit diversen DJs, unter anderem Holger Gerlach von YOU FM.

*Sankt Peter rockt* – und zwar mit Nachwuchsbands aus Frankfurt und Umgebung am Donnerstag, 6. Dezember, ab 19 Uhr.

*Zwei Kerzen und 2000 Ansi-Lumen* – wie Kirche und moderne Lichttechnik zusammen passen, zeigt sich beim Eröffnungsgottesdienst am Sonntag, 9. Dezember, um 18 Uhr. Die zwei Kerzen stehen dabei für den zweiten Advent, die Ansi-Lumen für die Licht-Projektionen, mit denen Ralph Mann, Designer für visuelle Kommunikation, Sankt Peter beleuchtet. Die Musik macht die Pop-Rock-Kombo „Halleluja B.“ aus Wiesbaden.

*Ü-18-Party* – Party für alle ab 18 mit mixed Music und Visuals am Samstag, 15. Dezember, von 22 bis 4 Uhr (5 Euro).

*Frühstücken mit Gott in Frankfurt* – leckeres Frühstücks-Buffet am Sonntag, 16. Dezember, von 11 bis 14 Uhr „mit Kennenlern-Garantie“, wie Pfarrer Rasmus Bertram verspricht. Für 6 Euro schlemmen, Kulturprogramm erleben, mit Leuten in Kontakt kommen. Das soll es künftig an jedem dritten Sonntag im Monat geben.

*Happy Birthday Jesus* – am Heiligen Abend, Montag, 24. Dezember, gibt es um 21 Uhr Programm für alle, für die Weihnachten nach der Bescherung noch nicht zu Ende sein soll. Dabei gibt es zunächst vielfältige und überraschende Einblicke in die Weihnachtsgeschichte und ab 22 Uhr die Sankt Peter-Weihnachtsparty mit der achtköpfigen Rockband „formerly known as…“ und in Kooperation mit Radio X.

*HipHop, Schminken, Kochen* – nützliche Tricks und Tipps sowie viel praktische Übung gibt’s in verschiedenen Workshops. Mehr Infos dazu unter Telefon 2972595130.

*Silvester Party Zone* – am 31. Dezember von 20 bis 4 Uhr mit Dance Classics, House Sound, Black Music, Live-Act und Videoperformances, Einlass ab 18 Jahren.

h3. Und auch später…

*Lounge, Kapelle, Seelsorge* – Getränke und mittags und abends leckeres Essen gibt’s in der Lounge, die dienstags bis sonntags von 11 bis 22 Uhr geöffnet ist. Wer sich aussprechen will, trifft immer zwischen 17 und 18 Uhr ausgebildete Seelsorgerinnen und Seelsorger an. Außerdem gibt es eine hübsch und stilvoll gestaltete kleine Kapelle.

*Guter Start für 2008* – Kraft für neue Vorhaben gesucht? Die lässt sich sammeln beim Gottesdienst an Neujahr, 1. Januar, um 18 Uhr mit Meditation, Gebet, Segen und kraftvollem Sound der Aschaffenburger Band „stereotype:g“.

*Ü-14-Party* – für nur 3 Euro Eintritt und sicher ohne Alkohol feiern, und zwar am Samstag, 5. Januar, von 18 bis 22 Uhr und dann jeden ersten Samstag im Monat.

*Sankt Peter Gottesdienste* – immer am ersten Sonntag im Monat um 18 Uhr. „Wir hoffen auf Mund-zu-Mund-Empfehlungen“, sagt Pfarrer Rasmus Bertram, „denn gute und innovative Jugend-Gottesdienste haben schon viele versprochen, Jugendliche sind da inzwischen sehr skeptisch.“ Na dann: Hingehen und sich selber überzeugen.

!(kasten)2007/12/seite06_links3.jpg(Ohne Computer läuft gar nichts. Die Veranstaltungstechnik von Sankt Peter kann es mit professionellen Diskotheken und Konzerthallen aufnehmen. Denn auf halbe Sachen stehen Jugendliche gar nicht. | Foto: Rolf Oeser)!

bq. „Die Stadt Frankfurt am Main hat sich für die Jugendkulturkirche engagiert, um einen Ort zu ermöglichen, an dem die Zukunft beginnt. Kultus und Kultur sind gerade bei der Jugendkulturkirche Sankt Peter eng miteinander verbunden. Diese Erneuerung mit einem jugendlichen Schwung soll eine weitreichende, belebende Wirkung haben. Ich wünsche den Besucherinnen und Besuchern, in dieser Kirche, vielfältige Inspiration zu erfahren.“

p(autor). Petra Roth, Oberbürgermeisterin der Stadt Frankfurt am Main

bq. „Hier beginnt ein Experiment, das in unserer Kirche einzigartig ist, und mit dem sich die EKHN als junge und lebendige Kirche profiliert, insbesondere für junge Menschen in der Rhein-Main-Region. Die Jugendkulturkirche wird zentraler Ort kultureller Begegnungen für Jugendliche sein, unabhängig von deren sozialer, ethnischer und religiöser Herkunft, und wird programmatisch neue Wege der Vermittlung von christlicher Werteorientierung und Jugendkulturen erproben.“

p(autor). Peter Steinacker, Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN)

Artikelinformationen

Beitrag veröffentlicht am 1. Dezember 2007 in der Rubrik Ethik, erschienen in der Ausgabe .

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