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1. Dezember 2007

Licht braucht Dunkelheit

p(einleitung). „Erst eins, dann zwei, dann drei, dann vier, dann steht das Christkind vor der Tür“? – von wegen! Die Zeiten, in denen sich die dunkle Adventszeit nach und nach aufhellte, weil jede Woche ein weiteres Kerzlein angezündet wurde, sind lange vorbei.

Es funkelt und leuchtet den ganzen Dezember über, wenn nicht sogar schon im November. Kein Ladengeschäft kommt ohne Lichterketten aus. „Weihnachtsbeleuchtung“ nennt man das. Doch der eigentliche Sinn der christlichen Lichtsymbolik wird dadurch auf den Kopf gestellt. Wo es keine Dunkelheit mehr gibt, verliert nämlich auch das Licht, das diese Dunkelheit erhellen könnte, unweigerlich an Bedeutung.

!(kasten)2007/12/seite04_oben.jpg(In dem 800-Seelen-Dorf Trohe in Oberhessen, rund 70 Kilometer von Frankfurt entfernt, sind vom 1. bis 18. Dezember wieder alle Häuser stimmungsvoll illuminiert. Seit 1999 ist das „Lichterdorf“ ein beliebtes Ausflugsziel. Allerdings findet die Aktion in diesem Jahr wahrscheinlich zum letzten Mal statt – die Organisation sei für die Ehrenamtlichen zu aufwändig, bedauert die Sprecherin Pia Wack. Mehr Infos unter www.trohe.de. | Foto: Ulrike Richter-Lies)!

Angesichts des Klimawandels gerät zwar der exzessive Stromverbrauch, der für das Betreiben all dieser Glühbirnen notwendig ist, zunehmend in die Diskussion. Immer mehr Menschen spüren, dass es „zu viel“ ist, dass hier Ressourcen unnötig verschleudert werden. Steigende Strompreise tun ihr Übriges – und wenn deshalb in diesem Jahr die eine oder andere Lichterkette ausgeschaltet bliebe, wäre das ein schöner Nebeneffekt, auch für die Umwelt. Allerdings steckt noch mehr dahinter. Die Flut der Lichter ist nur die sichtbare Folge davon, dass der Advent klammheimlich abgeschafft wurde. Schon das Wort benutzt ja heute kaum noch jemand. Man spricht ganz allgemein von der „Weihnachtszeit“, und das ist auch kein Wunder: Advent bedeutet nämlich das Warten auf eine noch ausstehende „Ankunft“. Und warten will heute niemand mehr, warten ist irgendwie unzeitge­ mäß. Die Werbung verspricht, dass alles sofort geht. Produziert und geliefert wird in modernen Betrieben „just in time“. Warum also auf Weihnachten warten, warum die Kerzen nur nach und nach anzünden?

Nach christlicher Vorstellung symbolisieren die Lichter die lang ersehnte Geburt des Erlösers, der Licht in die Dunkelheit der Welt trägt. Und diese Geburt wird zwar im Advent schon mit Vorfreude erwartet, aber erst am Heiligen Abend, am 24. Dezember also, gefeiert. Deshalb soll der Weihnachtsbaum mit seinen vielen brennenden Kerzen auch erst an diesem Tag zum Leuchten gebracht werden. Dafür kann man sich an seinem Glanz dann aber auch bis weit in den Januar hinein erfreuen.

Wo hingegen in Weihnachten ein „Event“ gesehen wird, das möglichst professionell „abgefeiert“ werden muss, ist der Zeitplan ein anderer. In dieser Logik ist Weihnachten gleich nach den Feiertagen schon wieder „von gestern“, müssen Lichterketten und Kränze schleunigst zurück in den Keller. Sie sind eben keine religiösen Symbole, die den Menschen eine höhere Wahrheit näher bringen, sondern schlicht und einfach Deko-Material. Auch darin zeigt sich vielleicht eine tiefere Wahrheit: Denn nur wer etwas wirklich „erwartet“ hat, kann es dann auch richtig genießen.

p(autor). Antje Schrupp

h2. Soll es vor Weihnachten überall blitzen und funkeln?

h3. Anna Dürbeck (8), Schülerin

!(rechts)2007/12/seite04_unten1.jpg!

Ja, weil es dann viel weihnachtlicher aussieht. Bei uns gibt es einen großen Weihnachtsmarkt, da blitzt und funkelt es dann immer ganz doll und ist voller Licht. Da gehen wir dann auch mal hin, wenn draußen Winter ist. Bei uns zuhause haben wir einen Ad­vents­ kranz, und da zünden wir jeden Sonntag eine Kerze an. Aber nicht vorher! Und das ist ganz schön und gemütlich, und beim Frühstück sitzen wir manchmal länger drum herum. Wir packen auch immer im Advent eine Krippe aus, und da ist auch Licht mit dabei. Die Hütte, in der das Christkind liegt, ist beleuchtet. Und Maria und Joseph auch. Und an Weihnachten fahren wir immer zu meiner Oma, und da ist auch immer alles ganz hell. Am Weihnachtsbaum sind viele Kerzen. Und dann glänzt es bei der Bescherung und ist ganz feierlich. Kerzen und Licht gehören zu Weihnachten mit dazu!

h3. Ulrike Scheit (47), verkauft erzgebirgische Volkskunst

!(rechts)2007/12/seite04_unten2.jpg!

Blitzen muss es nicht unbedingt, aber strahlen. Helligkeit und Licht in der Dunkelheit sind ein Symbol für Weihnachten und spielen auch im Erzgebirge eine wichtige Rolle. Nicht umsonst ist die Heilige Barbara ja die Schutzheilige der Bergleute im Erzgebirge: Sie bringt eben dieses Licht in die Dunkelheit. Die Bergleute haben übrigens auch das Vorbild für die berühmten Schwibbögen erfunden: Früher hängten sie vor Weihnachten ihre Grubenlampen rund um die halbrunden Stolleneingänge. Viele Schwibbögen funktionieren heute mit elektrischem Licht, es gibt aber auch noch welche mit Kerzenhaltern. Warmes Kerzenlicht ist nach wie vor ein fester Bestandteil weihnachtlicher Erzgebirgskunst. Die Hauptsache ist doch, dass Weihnachten und die Adventszeit hell erleuchtet sind. So war es schon seit Generationen, und so soll es bleiben.

h3. Heidi Wieduwilt (53), Biologin

!(rechts)2007/12/seite04_unten3.jpg!

Ich finde es schlimm, fürchterlich, dass es an Weihnachen über­ all Lichterketten oder ähnliches geben muss. Ich fahre mit dem Fahrrad zur Arbeit und denke in dieser Zeit immer: Das braucht kein Mensch, das kommt mir vor wie eine ansteckende Krankheit. Es macht mich ärgerlich, weil all diese Lichter viel Energie verbrauchen, aber auch, weil der Sinn dieses Festes verloren geht durch das Glitzern, das Laute und den Kommerz. Weihnachten, der Stall in Bethlehem, das hat für mich viel mit Einfachheit und Bescheidenheit zu tun. Jesus hat gesagt: Ich bin das Licht der Welt. Vielleicht können wir alle eine Kerze ins Fenster stellen. Weihnachten, das hat für mich mit allen Sinnen zu tun. Wir schmücken zu Hause viel mit grünen Zweigen, Adventskranz, bunten Keramikfiguren und Duftkugeln – das ist auch schön und verschwendet keinen Strom.

h3. Ralf Stier (42), Elektroinstallateur

!(rechts)2007/12/seite04_unten4.jpg!

Das muss jeder für sich selbst entscheiden. Für mich gehört zur weihnachtlichen Stimmung, dass alles schön beleuchtet ist. Zur Vorweihnachtszeit gehören Lichter. Was wäre beispielsweise ein Adventsmarkt ohne Lichter? Natürlich muss man heute auch auf den Energieverbrauch schauen. Aus ökologischen, aber auch aus finanziellen Gründen. Strom kann man sparen, in dem man LEDs einsetzt. Das verbessert ganz enorm die Energiebilanz. Im Verhalten der Verbraucher kann ich keine Veränderung wahrnehmen. Es wird nicht mehr oder weniger illuminiert. Was mich allerdings stört, ist das ständige Vorziehen des Handels der jeweiligen Jahreszeit. Bereits im Spätsommer gibt es die ersten Weihnachtsmänner, im Oktober folgen die ersten Lebkuchen. Das gehört eben wie die Lichter in die Vorweihnachtszeit und nicht in den Herbst.

Artikelinformationen

Beitrag veröffentlicht am 1. Dezember 2007 in der Rubrik Ethik, erschienen in der Ausgabe .

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