Soziale Netzwerke

Soziale Netzwerke

E-Mail

E-Mail

Über jeden neuen Beitrag informieren wir Sie mit einer Nachricht per Mail.

Aktuell

1. Februar 2008

Aus Textil und Papier

p(einleitung). Weibliche Dimensionen des Judentums

Papier und Textil sind traditionelle Materialien, mit denen Frauen arbeiten, und daher bestehen auch die Exponate der Ausstellung „Beste aller Frauen“, die zur Zeit im Jüdischen Museum zu sehen ist, überwiegend aus bedrucktem Papier oder aus Stoff: Alte und kunstvoll gestaltete Toravorhänge, Spitzendeckchen, Gebetsschals sowie ein textiles Kunst­ werk gleich am Eingang: „Kleiderflug“ der Wiener Künstlerin Elfriede Gerstl.

Was das Papier betrifft, so finden sich Briefe, Fotografien, bedruckte Amulette für Wöchnerinnen sowie alte Plakate, Zeitungen und Broschüren, die Auskunft geben über das Leben und das Engagement jüdischer Frauen. Dabei sind die „weiblichen Dimensionen des Judentums“ – so der Untertitel der Ausstellung – nach Themengebieten sortiert. Ein Raum beschäftigt sich mit der Salonkultur, einer mit sozialem Engagement, ein dritter mit der Theologie, und der letzte, kleinste, mit jener bösen „Urfrau“, die es zwar nicht bis in die Bibel geschafft hat, wohl aber aufs Cover eines US-amerikanischen Frauenmagazins: Lilith, die erste Frau, die nach alten jüdischen Schriften noch vor Eva erschaffen, aber wegen ihres angeblichen Ungehorsams aus dem Paradies verbannt wurde – bis sie im 20. Jahrhundert von Feministinnen als aufmüpfiges Vorbild wiederentdeckt wurde.

Es ist den Ausstellungsmacherinnen gelungen, die historischen Exponate mit gegenwärtigen Debatten um Weiblichkeit zu verknüpfen, ohne dem einen oder dem anderen Gewalt anzutun. Dass die Schau ihren regionalen Schwerpunkt in Wien hat – sie wurde ursprünglich vom dortigen Jüdischen Museum konzipiert – ist kein Nachteil. Erstens waren die Wiener Jüdinnen interessant genug, etwa die Malerin Fanny von Arnstein oder die Dichterin Marie Frischauf. Und zweitens gibt es wichtige Brücken nach Frankfurt, etwa in der Person von Bertha Pappenheim: Als junge Frau musste sie in Wien eine eher unerfreuliche psychoanalytische Behandlung wegen „Hysterie“ erleben (und wurde später als „der Fall Anna O.“ von Sigmund Freud „ausgewertet“). Nach ihrem Umzug an den Main im Jahr 1895 wurde sie eine der wichtigsten Frauenrechtlerinnen und Sozialpolitikerinnen ihrer Zeit.
Die Ausstellung ist noch bis zum 30. März zu sehen (Untermainkai 14-15, täglich außer montags von 10 bis 17 Uhr).

p(autor). Antje Schrupp

Artikelinformationen

Beitrag veröffentlicht am 1. Februar 2008 in der Rubrik Stadtkirche, erschienen in der Ausgabe .

Artikel teilen: E-Mail Facebook Twitter Google+

Meistgelesene Artikel

Kommentar schreiben

Mit * markierte Felder müssen ausgefüllt werden. Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht, Kommentare werden vor der Veröffentlichung freigeschaltet.