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1. Februar 2008

Gott als „schädliche Hypothese“

p(einleitung). Kontroverse Diskussion über den „neuen Atheismus“

Lässt sich der Mensch auf eine „mäßig intelligente, affenartige Spezies am Rande der Milchstraße“ reduzieren? Ist er nur ein zufälliges Produkt der Evolution? Davon ist jedenfalls der Philosoph Michael Schmidt-Salomon überzeugt. Bei einer Podiumsdiskussion der Evangelischen Stadtakademie zum Thema „Kreuzzug der neuen Atheisten? Eine Herausforderung für die christlichen Kirchen“ zog er gegen den „Unsinn“ von Glauben und Religion ins Feld: Gott, so Schmidt-Salomon, sei eine „überflüssige, wenn nicht gar schädliche Hypothese“.

Als Alternative zur Religion pries Deutschlands „Chef-Atheist“ (wie „Spiegel online“ ihn titulierte) humanistische und naturalistische Maxime. Diese unter dem Begriff „neuer Atheismus“ zu propagieren hat sich die 2004 gegründete Giordano-Bruno-Stiftung zur Aufgabe gemacht, deren Vorstandssprecher Schmidt-Salomon ist. Danach kommt die Welt „auch ohne Götter und Dämonen aus“. Ein friedliches Miteinander könne man nur mit den Werten der Aufklärung erreichen.

Peter Scherle, der Direktor des Theologischen Seminars der hessen-nassauischen Landeskirche, bezeichnete die Argumentation Schmidt-Salomons als „undifferenziert“. Die Reformation habe einen wesentlichen Beitrag zum humanistischen, wissenschaftlichen Denken geleistet. Der Versuch, den Menschen jegliche Religion austreiben zu wollen, sei eine Anmaßung, bei der „wenig Humanistisches zu spüren“ sei. Das zentrale Problem in solchen Debatten mit Vertretern evolutionsbiologistischer Vorannahmen sah Scherle in einer „Überdehnung der naturalistischen Welterklärung“. Die Kirchen verbänden seit langem naturalistische und kulturalistische Deutungen. Das hindere sie jedoch nicht, „sich geborgen zu fühlen in der Erklärung, dass das Universum ein gutes Ende nimmt“. Wenn man die Wissenschaft ernst nehme, konterte Schmidt-Salomon, könnten aber weder Universum noch Menschheit ein gutes Ende nehmen. Der christliche Katechismus stehe „in radikalem Widerspruch zur Evolutionstheorie“.

Der katholische Theologe Joachim Valentin warf dem Glaubensskeptiker „Scheuklappen“vor. Die Kirchen seien längst nicht so fundamentalistisch, wie Schmidt-Salomon es auf dem Podium darzustellen versuche: „Die deutschen Aufklärer waren alle gute Christen“. Philosophen wie etwa Kant oder Hegel hätten auf die christliche Theologie starken Einfluss ausgeübt. „Glaube ist kein Ergebnis von rationalen Überzeugungsprozessen“, so der Direktor des Frankfurter Hauses am Dom, sondern eine „Lebensentscheidung“. Als solche besitze sie eine „Dimension, die nicht diskutiert werden kann“. Im Gegensatz zu den Evolutionsbiologen sehe er als Christ „im Leben mehr als nur das Knallen von Synapsen“.

Als eine bloß an neuronalen Fäden zappelnde Marionette wollte Schmidt-Salomon den Menschen allerdings auch nicht definieren. Insofern räumte er seinen Artgenossen durchaus die Fähigkeit ein, dereinst jene „kulturell höhere Stufe“ zu erreichen, auf der man sich „nicht mehr gegenseitig ausrottet“. Zum Erstaunen von Scherle und Valentin, die darin eine große Nähe zur religiösen Ethik sahen, nannte er „Mitleid“ als elementaren Wert. Auch bei der Ablehnung von jeglichem Fundamentalismus konnten die Diskutanten übereinstimmende Ansichten entdecken.

p(autor). Doris Stickler

Artikelinformationen

Beitrag veröffentlicht am 1. Februar 2008 in der Rubrik Stadtkirche, erschienen in der Ausgabe .

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