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Von – 1. Februar 2008

Kleingestutzte Prophetin Miriam

Die Israelitin Miriam, Namensgeberin der aus Kalbach und Bonames fusionierten Gemeinde, gehört zu den einige Generationen entfernten Nachkommen des von Palästina nach Ägypten eingewanderten Erzvaters Jakob. Die Israeliten werden dort mit ihrer nicht assimilierten Kultur und ihrem „Migrationshintergrund“ vom Pharao bedrängt und schließlich als Sklavenvolk unterjocht. Miriam gehört dann zu denen, welche die Befreiung erfahren. Nachdem die Israeliten auf der Flucht vor berittenem ägyptischem Militär glücklich durch einen Meeresarm ans andere Ufer gelangt sind, während ihre Verfolger darin den Tod fanden, tritt die Prophetin Miriam als Anführerin einer Anzahl singender, Trommel spielender und tanzender Frauen auf und stimmt ein Siegeslied an: „Singt dem Herrn, denn hoch hat er sich erhoben, Pferd und Reiter hat er ins Meer geschleudert” (2. Mose 15,20f). Dieses so genannte Miriamlied gilt als ältestes Überlieferungsstück der Bibel.

Die Gestalt der Miriam lässt sich leider nur bruchstückhaft rekonstruieren. Als Prophetin war sie gewiss nicht nur eine von Gott inspirierte Sängerin, vielmehr konnte sie sich auf eigene von Gott empfangene Offenbarungen berufen (4. Mose 12,2) und könnte eine Kollegin der Richterin Debora gewesen sein. Zumal sie sich zusammen mit Aaron traut, Mose wegen dessen Heirat mit einer Kuschitin mit prophetischer Autorität zur Rede zu stellen. Das bekommt ihr aber nicht gut. Auch wenn sie die Wahrheit spricht, muss sie sich, die „nur” Prophetin ist, Mose unterordnen und für ihre Anklage mit einer kurzen Aussatz-Erkrankung büßen.

Vieles spricht also dafür, dass Miriam neben Aaron und Mose eine bedeutende Leitungsfrau der Israeliten gewesen ist (vgl. auch Micha 6,4). Eine auf Mose als alleinigen Anführer der Isareliten und einziges legitimiertes Gegenüber Gottes fixierte Tradition hat später die Bedeutung Miriams geschmälert und die drei Persönlichkeiten enger zusammengerückt, indem sie Miriam und Aaron zu Geschwistern des Mose erklärt. Die Ankunft im gelobten Land erlebt Miriam der Überlieferung nach nicht.

 

Artikelinformationen

Beitrag von , veröffentlicht am 1. Februar 2008 in der Rubrik Gott & Glauben, erschienen in der Ausgabe .

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Wilfried Steller ist Theologischer Redakteur von "Evangelisches Frankfurt" und Pfarrer in Frankfurt-Fechenheim.

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