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1. Februar 2008

Was richtige Kerle sind

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Dass es in der Debatte um gewalttätige Jugendliche „keine Tabus“ geben dürfe, ist im hessischen Wahlkampf oft betont worden. Sprechen wir also über jenes Tabu, das dabei meist sorgsam umschifft wurde, nämlich das Geschlecht. Die Gewalttäter waren allesamt männlich. Der Anteil junger Frauen an Gewalttaten ist statistisch unbedeutend. Völlig egal, ob sie eine schwere Kindheit hatten, in welchem Land sie geboren wurden oder ob ihre beruflichen Chancen aussichtslos sind: Junge Frauen schlagen, in aller Regel, nicht. Warum also schlagen junge Männer?

Die Gewalt, so meldeten sich „Experten“ schnell zu Wort, sei männlichen Jugendlichen „auch angeboren“, liege „am Testosteron“, sei „so etwas wie ein Naturgesetz“. Konsequenterweise erklärte das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ junge Männer zur „gefährlichsten Spezies der Welt“. Die Feministin liest so etwas und wundert sich. Hat Simone de Beauvoir, deren hundertsten Geburtstag wir gerade gefeiert haben, nicht schon 1949 gezeigt, dass Geschlechterrollen kulturelle Phänomene sind und keineswegs von der Natur vorherbestimmt? In Zeiten der Gleichberechtigung ist es offenbar notwendig, Beauvoirs berühmten Satz auch dem „ersten“ Geschlecht ins Poesiealbum zu schreiben: „Man kommt nicht als Mann zur Welt, man wird es.“ Das wäre den Männern jedenfalls herzlich zu wünschen, denn sonst müssten wir sie noch allesamt zwischen, sagen wir, 15 und 30 Jahren ins Camp sperren.

Wie also wird man zum Mann? Auch hier war die Debatte aufschlussreich. Denn die geforderten „harten Strafen“, das „konsequente Durchgreifen“ oder das Bekenntnis zum „Warnschuss“-Arrest transportierten deutliche Metaphern von Männlichkeit: Ein richtiger Kerl zeigt keine Schwäche und fackelt nicht lange. Ist der Hinweis auf die angeblich so viel patriarchaleren „Migrationskulturen“ vielleicht nur ein Verdrängungsmanöver derer, die mit ihnen mehr gemeinsam haben, als sie sich eingestehen wollen?

Neben vielem Richtigem, das derzeit im Hinblick auf bessere Sozial- und Bildungsprogramme gefordert wird, müssten solche unterschwelligen Männlichkeitsideale einmal offen zum Thema gemacht werden. Ein guter Anfang wäre es, wenn sich Politiker, Sozialarbeiter, Lehrer, Polizisten oder auch Journalisten nicht länger einbilden, als quasi geschlechtsneutrale Wesen über den Dingen zu schweben. Denn Fakt ist: Sie sind selbst Männer. Und den jüngeren Männern wäre viel geholfen, wenn sie eine gescheite Antwort darauf bekämen, wie man das eigentlich macht, ohne zuzuschlagen: ein Mann werden.

p(autor). Antje Schrupp

Artikelinformationen

Beitrag veröffentlicht am 1. Februar 2008 in der Rubrik Meinungen, erschienen in der Ausgabe .

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Kommentare zu diesem Artikel

  • Peter Niebling schrieb am 6. Mai 2008

    Ja, wie wird ein Jüngling ein Mann, ohne zuzuschlagen? WIssen die es, die nicht zuschlagen? Das ist die Mehrzahl der Männer! Oder? Und schlagende Mütter gibt es auch. Und es gibt andere Formen der Gewalt. Es gibt neben Selbstzerstörung und Unterdrückung, Missbrauch, Ausbeutung und Manipulation in vielseitiger Darbietung und dem Tagesbewusstsein weitgehend entzogen. Ist das geschlechtsspezifisch? Ob Naturgesetz oder kulturelles Phänomen, ist Jacke wie Hose. Auch die Hilflosigkeit udn Abhängigkeit des Säuglings ist Naturgesetz; und das Bedürfnis nach Unversehrtheit, respektive nach Rehabilitation, falls es mit der Unversehrtheit nicht klappt. Darin begründen sich derartige Phänomene; je nachdem, was uns begegnet und was uns gegeben ist. Letztlich können wir für die Gewalt niemanden verantwortlich machen als uns selbst in der Zugehörigkeit zur Gattung Mensch, manchmal auch zu einem Volk oder einer Familie. Alle haben zu lernen! Männer udn Frauen gleichermaßen!

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