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1. März 2008

Einfach etwas bewirken

p(einleitung). Juristen helfen obdachlosen Menschen mit ihrem Fachwissen

Dem studentischen Milieu sind sie noch verhaftet, die beiden Doktoranten der Jurisprudenz: Treffpunkt zum Interview ist ein stadtbekanntes Café in der Bockenheimer Grempstraße. An den blanken, naturbelassenen Tischen sitzen zwei sportliche junge Herren, die sich für die Allgemeinheit engagieren: Sie sind die Gründer des eingetragenen Vereins „Frankfurter Nächstenhilfe“. Man glaubt Christian Zeller (29) und Stefan Köhler (30) sofort, dass sie die Dinge in die Hand nehmen.

!(rechts)2008/03/seite02_oben.jpg(Gründeten die „Frankfurter Nächstenhilfe“: Die beiden Juristen Christian Zeller – rechts – und Stefan Köhler. | Foto: Kurt-Helmuth Eimuth)!

Die beiden Juristen hatten sich überlegt, wie sie armen Menschen helfen könnten. Dabei sollte jeder die eigene Begabung einbringen. Juristen können reden, schreiben, verhandeln. Und so boten sie ihre Kompetenz und ihre Zeit dem diakonischen Tagestreff für obdachlose Menschen im Bahnhofsviertel an.

„Weser 5“, wie sich der Treffpunkt nach der Anschrift des Hauses in der Weserstraße nennt, freut sich über die Zusammenarbeit. Das Angebot einer Unterstützung beim Umgang mit Behörden, Banken oder Vermietern kann man hier gut gebrauchen. „Viele Menschen, die zu Weser 5 kommen, legen uns ungeöffnete Briefe vor, die schon Monate alt sind“, erzählt Köhler. „Meistens wissen sie gar nicht, um was es in den Schreiben geht.“ Köhler betont aber auch die andere Seite – denn auch der, der hilft, bekommt etwas zurück: „Wir kommen vom Studium, und plötzlich können wir etwas tun. Mit einem einfachen Schreiben kann man etwas bewirken. Das ist ein Motivationsschub. Da sieht man ein Ergebnis.“

Der Name „Frankfurter Nächstenhilfe“ ist keineswegs zufällig. „Die Wortwahl“, so Zeller, „verrät den christlichen Hintergrund.“ Dies wundert nicht, denn beide sind in enger Bindung an die evangelische Kirche groß geworden. Zeller, aufgewachsen in Pforzheim, besuchte den kirchlichen Kindergarten, ging später in die Jungschar und spielte im Posaunenchor. Köhler kommt aus Erfurt. Zur „Wende“ war er zwölf Jahre alt. Seine Familie gehörte zur evangelischen Kirche. Er besuchte Freizeiten, machte Fahrten mit und ging in die „Christenlehre“, wie der außerhalb der Schule stattfindende Religionsunterricht in der DDR hieß. Kennengelernt haben sich die beiden beim Studium in Mannheim, eine enge Verbindung wurde es beim gemeinsamen Auslandsstudium in London.

Frankfurt haben sie inzwischen kennen und schätzen gelernt. „Deshalb heißt der Verein ja auch „Frankfurter Nächstenhilfe“, betonen sie. Zeller, verheiratet mit einer Hessin und Familienvater, sagt: „Ich fühle mich als Hesse.“ Die Vorzüge Frankfurts? „Die Campus-Universität. Das ist einmalig in ganz Deutschland“, sagt Zeller und Köhler nickt zustimmend. Ja und dann ist da noch die internationale Prägung der Stadt. „Das fand ich von Anfang an am anziehendsten“, ergänzt Köhler und verweist auf die Erfahrung in London.

Für die engagierten Juristen hat Frankfurt ein großstädtisches Kultur- und Freizeitangebot. Das ist wichtig für sie, denn sie sind auch in Sportvereinen aktiv. Und wenn alles klappt, wird Christian Zeller in diesem Jahr den Ironman in Frankfurt durchstehen. Wer weiß, vielleicht stehen dann ja einige von den Leuten aus „Weser 5“ zum Anfeuern an der Strecke. Denn sie wissen: Dieser Mann kann durchhalten.

p(autor). Kurt-Helmuth Eimuth

Artikelinformationen

Beitrag veröffentlicht am 1. März 2008 in der Rubrik Menschen, erschienen in der Ausgabe .

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