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Von – 1. März 2008

Evangelisch: die Farbe Lila

Manche Dinge sind so selbstverständlich, dass man sie nicht mehr hinterfragt. Warum zum Beispiel zeigt sich die evangelische Kirche stets in Violett beziehungsweise Lila? Das fragten jüngst Erzieherinnen in einer religionspädagogischen Fortbildung.

Ganz genau definiert ist die „Kirchenfarbe“ Lila im Farbcode für die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau unter der Bezeichnung HKS 37. Sie ist zusammengesetzt aus achtzig Prozent Blau und hundert Prozent Magenta. Ob der Symbolwert der Farbe – man verbindet sie unter anderem mit Sorge, Trauer und Tiefe – etwas mit den Eindrücken zu tun hat, die man in evangelischen Gottesdiensten gewinnt, sei dahingestellt. In die richtige Richtung führt dagegen die Beobachtung, dass Lila auch die Farbe der Vorbereitungszeiten auf die großen Feste der Kirche ist: In der Passionszeit und im Advent sowie auch am Buß- und Bettag sind die Altäre und Kanzeln in Lila gekleidet. Man verbindet damit die Sehnsucht nach Licht und Leben, vor allem aber Neubesinnung.

Und genau dies entspricht dem protestantischen Selbstbewusstsein: Martin Luther hat ja als Reformator, sprich: Erneuerer, vieles an der Kirche seiner Zeit kritisiert, weil er Menschenwille dahinter sah und nicht Gotteswille. Der Tradition der Kirche und den Lehren des Papstes verweigerte er die Gefolgschaft, weil er sie weit von dem entfernt fand, was die Bibel sagt. So entdeckte er die Bibel neu als normgebende Größe und machte sie durch seine Übersetzung ins Deutsche weithin verfügbar. Auch theologische Laien sollten nämlich nachprüfen können, ob die Kirche den an sie gestellten Ansprüchen gerecht wird.

Und das ist bis heute so: Da die Kirche als Institution immer in der Gefahr steht, ein Eigenleben zu entwickeln und sich an den Zeitgeist zu verlieren, braucht sie die permanente Rückbesinnung auf die Heilige Schrift und eine an ihr ausgerichtete Erneuerung. Die Bibel ist immer der kritische Maßstab schlechthin, an ihr muss sich alles messen, was in der Kirche gesagt und getan wird. Von daher versteht sich die evangelische Kirche als eine, die eigentlich immer reformiert werden muss. Lila bedeutet Erneuerung, Umkehr auf den rechten Weg, Reform – und das ist Programm in der evangelischen Kirche.

Artikelinformationen

Beitrag von , veröffentlicht am 1. März 2008 in der Rubrik Gott & Glauben, erschienen in der Ausgabe .

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Wilfried Steller ist Theologischer Redakteur von "Evangelisches Frankfurt" und Pfarrer in Frankfurt-Fechenheim.

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