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1. März 2008

Kein Frankfurter Oberammergau

p(einleitung). Jetzt kommt die Wiederaufnahme: Nach der Weihnachtsgeschichte „Jesus d’amour, geb. 0“ spielt das Theater Willy Praml zu Ostern erneut das Leben Jesu in Fortsetzung: „Jesus d’amour, gest./auferstanden – Die Passion“.

Willy Praml, Theatermacher und Leiter des gleichnamigen Ensembles, bringt das Kernstück des Christentums wieder auf die Bühne in der Naxoshalle. Das alte Fabrikgelände im Ostend ist seit sieben Jahren Spielstätte. Zwölf Schauspielerinnen und Schauspieler, zum Teil Mitglieder des Ensembles, aber auch Gäste und Laien zwischen 14 und 84 Jahren, erzählen von den Wundern und Gleichnissen Jesu, von seinem Leben und Tod.

!(rechts)2008/03/seite08_oben.jpg(„Jedem würde es am Kreuz so ergehen wie Jesus“ – Szene aus der Passionsgeschichte, inszeniert vom Theater Willy Praml. | Foto: Seweryn)!

Das Stück basiert auf den Texten der vier Evangelien, die neu zusammengesetzt werden. Willy Praml will keinen historischen Ansatz, kein „Oberammergau in Frankfurt“, obwohl er auch einmal davon geträumt hat, dort zu inszenieren. Doch ihn reizt das Widersprüchliche, die Haken und Brüche in den Erzählungen und auch in der Person Jesu. Die zweitausend Jahre alte Geschichte für Menschen von heute neu zu erzählen, und zwar mit Mitteln des modernen Theaters, verfremdet, bunt, ernsthaft und mit Augenzwinkern –darin liegt für ihn die Herausforderung.

Der Erfolg der Aufführungen in den vergangenen Jahren gibt ihm Recht: „Viele Menschen sind gekommen, nicht nur Senioren, sondern auch Jugendliche und auch Menschen, die scheinbar an Religion nicht interessiert sind und sie im Alltag nicht praktizieren“, freut sich der Regisseur. Wie spannend und groß die Geschichte Jesu ist, eine der prägendsten der europäischen Kultur, machen die Aufführungen erlebbar. Auf der „Straße der Wunder“ werden die Zuschauerinnen und Zuschauer durch die Halle geführt, um in den Nischen zwischen den Säulen etwa dem Gehen Jesu auf dem See Genezareth, den Heilungswundern oder der Hochzeit zu Kana beizuwohnen. Die Szenen werden gleichzeitig und mehrfach hintereinander aufgeführt, so entgeht niemandem etwas, ähnlich wie bei mittelalterlichen Mysterienspielen. Dabei finden sich reichlich kulturgeschichtliche Anspielungen: So stand Dario Fo Pate für die Darstellung der Auferweckung des Lazarus, wenn Michael Weber, der hier alle Personen spielt, ohne Widerspruch zwischen Thema und satirischer Darstellung im weißen Faltenrock lispelt: „Super, Jesus, wirklich ganz super“.

!(rechts)2008/03/seite01_oben.jpg(Jesus mit der Dornenkrone: Das Theater Willy Praml in den Naxoshallen bringt dieses Jahr zu Ostern wieder die Passionsgeschichte auf die Bühne. | Foto: Seweryn)!

Die Darstellung des Abendmahls erinnert an Leonardo da Vinci, auch wenn der dreizehnte Stuhl leer bleibt und das Ganze scheinbar in einer Wohngemeinschaft der siebziger Jahre spielt. Von der Kreuzigung Jesu und dem Weg dahin erzählen die zwölf Darsteller, dann wandern sie zu einem schräg liegenden Kreuz im Hintergrund der Bühne und legen sich nacheinander darauf. Auch das verbindet damals und heute: Menschen nehmen Anteil. „Jesus war Mensch“, betont Willy Praml. „Jedem würde es am Kreuz so ergehen wie ihm.“

Der Ostermorgen dann zwischen Matzenbrot und Eiersuche mit viel Humor und Satire – zugleich durchdringt die Kraft der Worte die Szene, sodass das Stück zu keinem Zeitpunkt blasphemisch ist. „Der Anspruch Jesu an die Menschen – das ist eine Geschichte, die uns alle angeht und die für Christen und Heiden gleichermaßen interessant ist“, davon ist der ehemalige Klosterschüler Willy Praml überzeugt. Inzwischen gibt es gute Kontakte zwischen dem Theater und den Kirchengemeinden des Stadtteils oder der Evangelischen Stadtakademie am Römerberg 9: Zum Beispiel werden dort in der Nacht der Museen (am 26. April um 21.30 Uhr) Auszüge aus der Passionsgeschichte aufgeführt.

Die nächsten Vorstellungen sind am 14., 15., 20. und 22. März jeweils um 20 Uhr und am 16., 21., 23. und 24. März um 19 Uhr. Theater Willy Praml in der Naxoshalle, Wittelsbacherallee 29. Karten und Informationen telefonisch unter 43054734 oder „www.theater-willypraml.de“:http://www.theater-willypraml.de.

p(autor). Gunda Höppner

Artikelinformationen

Beitrag veröffentlicht am 1. März 2008 in der Rubrik Stadtkirche, erschienen in der Ausgabe .

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