Zeitung für Mitglieder der evangelischen Kirche in Frankfurt am Main
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„Geiz ist geil“– mit diesem Werbeslogan brachten die professionellen Texter einer Elektronikkette das Lebensgefühl der letzten Jahre auf den Punkt. Ausgerechnet für die Fastenzeit ruft die evangelische Kirche nun zur Verschwendung auf.
Seit 25 Jahren fordert die Aktion „Sieben Wochen ohne“ Verzicht. Die alte Tradition des Fastens in der Passionszeit zwischen Aschermittwoch und Ostersonntag soll damit zeitgemäß wiederbelebt werden. Inzwischen beteiligen sich Jahr für Jahr zwei Millionen Menschen daran. Sie verzichten auf Alkohol, auf Süßigkeiten, auf Fernsehen oder was immer für sie eine besondere Markierung dieser sieben Wochen beinhaltet. Ziel ist es, zu prüfen, was man wirklich für das eigene Leben braucht, was wirklich Lebensqualität ist.

Fasten ist Verzicht. Diese Gleichung ist so alt wie die Religion selbst. Alle Religionen kennen den Verzicht auf leibliche Genüsse als spirituelle Übung. Durch das Verzichten kann eine besondere Konzentration auf die andere Dimension des Lebens möglich werden. Alle großen Religionsstifter haben eine Phase des Verzichts erfahren. Mohammed fastete, bevor ihm der Koran offenbart wurde, Mose stieg auf den Berg Sinai und fastete vierzig Tage, bevor er Gottes Wort empfing, und auch Jesus zog sich vor seinem öffentlichen Wirken vierzig Tage zum Fasten in die Wüste zurück.
Und jetzt: Fasten ist Verschwendung. „Die Menschen in unserer Welt brauchen dringend einen Frühling der Herzen“, schreiben die Initiatoren: „Die ständigen Fragen – was bringt es mir? – die Erwartung, dass man für heute Investiertes schon morgen Erträge bekommen müsse, tötet jede spontane Geste. Eine geizige Welt schlittert in eine zweite, in eine soziale Klimakatastrophe – außen die Erderwärmung, innen die Eiszeit kalter Berechnung.“
Einen Tag verschwenderisch verbringen kann bedeuten: Lange im Bett liegen bleiben, gut frühstücken, ein Buch lesen, den Müßiggang üben; aber auch: einfach zusammen mit den Kindern auf dem Spielplatz sein, Freunde einladen oder jemandem unverhofft Blumen schenken. Aus keinem besonderen Anlass, sondern einfach so, als Geste.
Geiz als Lebensmotto macht arm. Verschwendung von Zeit und Zuwendung macht nicht nur das Leben erträglicher, sondern auch menschlicher. Weitere Informationen und Materialien zur Fastenaktion im Internet auf www.7-wochen-ohne.de oder unter Telefon 58098247.
Kurt-Helmuth Eimuth

Ein schön gedeckter Tisch, Blumen, eine Aufmerksamkeit für Gastgeber – da bin ich schon verschwenderisch. Auch in der Kirche sollten wir nicht nur sparen, sondern ein „Stück von der Torte“ weitergeben an die, die jetzt leben. Von meinen Eltern habe ich Verschwendung im positiven Sinn gelernt: Trotz acht Kindern waren sie sehr gastfreundlich, spendeten oft und haben sich selbst auch Reisen gegönnt. Selbst wenn jemand sich etwas kauft, das er nicht braucht, vielleicht um sich zu trösten, sehe ich darin einen Sinn. Ich unterstütze auch Projekte, die manche für Verschwendung halten, weil sie nur wenigen zugute kommen, wie den barrierefreien Zugang zu unserer Kirche in Bonames. Aber der bewusste Umgang mit dem, was uns zur Verfügung steht, gehört für mich unbedingt dazu: Seit ich einmal in Äthiopien war, geize ich mit Wasser.

Bevor ich etwas kaufe, überlege ich schon, ob sich ein Kauf beziehungsweise eine Investition lohnt. Luxus und Prestige beeindrucken mich wenig. Aber ich genieße auch gern mit allen Sinnen. Und da kann ich auch schonmal richtig verschwenderisch werden. Zum Beispiel bei Whisky. Genauer gesagt, bei sehr altem schottischem Whisky. Qualität, Name, Herkunft und vor allem der Geschmack haben es mir angetan. Ein kurzer Abstecher zum Fachhändler hat mich erst vor kurzem 400 Euro gekostet. Das ist schon viel Geld, und man kann sich fragen: Tut es da nicht auch einer für 25 Euro? Und klar – 15 mal besser, weil 15 mal teurer schmeckt mein Whisky nicht. Aber es geht mir ganz bewusst um den Luxus, mir ein paar Mal im Jahr etwas Besonderes und „Unnötiges“ zu leisten. Und zwar mit Freude und Genuss, ohne schlechtes Gewissen.

Verschwenderisch bin ich bei Geschenken für meine Frau. Und auch sonst versuche ich, ihr zu geben, was ich kann. Ich nehme mir Zeit für Freunde. Mein Alltag ist sehr ausgefüllt, wir arbeiten sechs Tage in der Woche. Aber dann fahre ich auch in Urlaub, sehr gerne mit meinen drei Kindern. Einmal im Jahr versuche ich, für eine Woche in ein Kloster zu gehen, um wirklich ganz zur Ruhe zu kommen. Mein Bruder und ich sind großzügig zu Obdachlosen und Armen, seit unser Geschäft einmal so auf der Kippe stand, dass wir um unsere Existenz fürchten mussten. Wir geben Geld, aber wir organisieren auch Konzerte während der Winterspeisungen in der Weißfrauen- und der Katharinenkirche und binden Freunde wie Roberto Blanco und Bata Illic mit ein. Ich bin dann immer mit dabei. Da kommt viel zurück, und das ist auch ein Geschenk für mich.

In unserer Familie ist schon die Grundsituation „verschwenderisch“: Wir haben sechs Kinder zwischen sechs und sechzehn Jahren. Mein Mann und ich erleben die Fülle und geben gerne. Außerdem arbeite ich projektweise wieder als Unternehmensberaterin, bin im Kirchenvorstand und auch in der Schule meiner Kinder engagiert. Aber im täglichen Leben bin ich gar nicht verschwenderisch, sondern sehr haushälterisch, sonst geht es nicht. Da habe ich oft das Gefühl, dass es überall nicht ausreicht: an Zeit, an Kapazitäten, an Kraft, neuen Anforderungen gerecht zu werden. Wenn dann in der Fastenzeit das Motto „Sieben Wochen ohne Geiz“ auf mich zukommt, weiß ich eigentlich nicht, aus welchen Quellen ich das noch speisen soll. Aber ich habe mir doch vorgenommen, auf schlechtes oder negatives Reden zu verzichten und möglichst viel Positivität auszustrahlen.
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