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1. März 2008

Schapira warnt vor Islamismus

p(einleitung). Diskussion über Theo van Gogh-Film in der Gemeinde Bornheim

Theo van Gogh war in Holland als Provokateur bekannt. Von seinen Lästereien blieb nichts und niemand verschont – keine Religion, keine Partei, keine Gruppierung. Dass er auch aus dem Koran Stoff für bitterböse Satiren schöpfte, wurde dem Filmemacher zum Verhängnis. Van Gogh wurde im November 2004 auf offener Straße geradezu abgeschlachtet. Der Attentäter hatte ihn mit mehreren Schüssen niedergestreckt, ihm dann mit einer Machete die Kehle durchtrennt und mit einem Filetiermesser ein fünfseitiges „Bekennerschreiben“ in die Brust gerammt.

!(kasten)2008/03/seite10_oben.jpg(Die Vorteile des multikulturellen Zusammenlebens brachten Kinder in der Sachsenhäuser Bergkirche auf die Bühne. In dem Kindermusical „Vierfarbenland“ leben die roten, grünen, blauen und gelben Leute anfangs jeweils in ihrer eigenen Welt. Doch die Kinder reißen die Grenzen ein, weil sie wissen: „Vom anderen lernen macht erst richtig klug.“ | Foto: Rolf Oeser)!

Drei Jahre danach haben die Frankfurter Journalistin Esther Schapira und ihr Kollege Kamil Taylan das Geschehen nochmals aufgerollt. In dem Dokumentarfilm „Der Tag, an dem Theo van Gogh ermordet wurde“ durchforsten sie die Hintergründe der Tat. 15 Monate lang haben sie recherchiert und versucht, das Geflecht von Ungereimtheiten und Widersprüchen zu lichten.

Die 2007 in Holland erstmals ausgestrahlte Fernsehdokumentation stellte Schapira im Februar in der Kirchengemeinde Bornheim vor. Der Film weist nach, dass es sich bei Mohammed Bouyeri keineswegs um einen Einzeltäter handelte. Die Kontakte des 26-Jährigen reichten bis in die Führungsebene der Al Qaida. Überdies decken sie dubiose Manöver des holländischen Geheimdienstes auf. Hier werde „ganz viel vertuscht“, bilanziert Schapira. Sie gehe davon aus, dass der Attentäter dort auf der Gehaltsliste stand.

Manche Zuschauer sahen ihre eigenen Ängste und Vorbehalte bestätigt: „Wir wissen ja nicht,was in den Moscheen vor sich geht.“ Andere sprachen von Klischees und kritisierten die Machart als „reißerisch“. Schapira räumte ein, sie habe Zugeständnisse an die Einschaltquoten gemacht, warnte zugleich aber vor „Blauäugigkeit“. Ihrer Ansicht nach sind Konflikte zu lange ausgeblendet worden. „Wir müssen uns damit auseinander setzen, welchen Zulauf Islamisten haben“, mahnte Schapira. In dem für seinen investi­ gativen Journalismus mit dem „Prix Europa“ ausgezeichneten Film kommt auch Ayaan Hirsi Ali zu Wort. Die aus Somalia stammende Frauenrechtlerin war niederländische Abgeordnete und hatte van Gogh das Drehbuch für den Film „Submission“ geliefert, worin sie die Unterdrückung der Frau im Islam scharf attackiert. Da sie selbst schon damals unter Personenschutz stand, setzten die selbsternannten Gotteskrieger Regisseur van Gogh auf ihre Abschussliste.

Das Gespräch im Gemeindesaal machte freilich auch deutlich, dass die meisten Menschen wenig Fundiertes über den Islam und die Muslime wissen. Ilona Klemens, Pfarrerin für interreligiösen Dialog und Weltanschauungsfragen, ist dieses Manko vertraut: sie registriere immer wieder enormen Diskussionsbedarf. Um der komplexen Materie gerecht zu werden, führe am Dialog kein Weg vorbei.

p(autor). Doris Stickler

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Beitrag veröffentlicht am 1. März 2008 in der Rubrik Stadtkirche, erschienen in der Ausgabe .

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