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1. Mai 2008

Heimat wird geschaffen

p(einleitung). Zugehörigkeit in der multikulturellen Welt

Gelebte Heimat ist nichts Statisches, sondern etwas, das man sich immer wieder schaffen muss. Und das gelte nicht nur für Zugewanderte, sondern unter Umständen auch für Einheimische: Dies war das Fazit eines Podiumsgespräches in der Paul-Gerhardt-Gemeinde in Niederrad zu der Frage, was Heimat bedeutet.

Der alteingesessene Frankfurter Werner Hardt erzählte, er sei zwar in Niederrad geboren, habe sich seine Heimat nach dem Krieg aber noch einmal neu schaffen müssen. Im neuen, von ihm mitgegründeten Niederräder Heimatmuseum in der Schwanheimer Straße 17 sei dokumentiert, wie sich der Stadtteil seit dem 12. Jahrhundert immer wieder verändert habe.

Esther Ellrodt-Freiman sprach über die gebrochene Geschichte nach dem Holocaust. Heimat könne sie als deutsche Jüdin nur in sich finden, dort, wo Familie und Freunde lebten, oder auch in der jüdischen Gemeinde. Sie lebe seit vielen Jahrzehnten in Frankfurt, dennoch werde sie manchmal immer noch als „Fremde“ wahrgenommen, als Israelin oder Hebräerin. Und immer noch müssten der jüdische Kindergarten und die Synagoge unter Polizeischutz stehen. Angesicht dieser Umstände grenze es an ein Wunder, wie viel jüdisches Leben es jetzt wieder in Deutschland gebe.

Ünal Kaymakci vom Vorstand der islamischen Religionsgemeinschaft Hessen unterschied zwischen religiöser, persönlicher und nationaler Heimat. Als Muslim finde er seine religiöse Heimat in Gott. Die persönliche Heimat sei für ihn dort, wo er sich geborgen und verstanden fühle. Und wie die meisten der zweiten Einwanderergeneration habe er sich für Deutschland als Heimatland entschieden: Hier sei er sozialisiert, hier gehöre er hin. Als Gemeinschaft suchten die deutschen Muslime aber noch nach einem Platz in der Gesellschaft. Es sei wichtig, dass keine Parallelgesellschaften entstünden, sondern dass man sich gegenseitig anerkenne.

Die Finnin Anna von Ferse erklärte, Heimat könne für sie überall sein: In einem Dorf in Finnland genauso wie in Frankfurt oder in der finnischen Gemeinde. Die Portugiesin Lala die Brito erzählte, wenn sie in Portugal aus dem Flugzeug steige, nehme sie den anderen Geruch, das Licht und die Sprache wahr „wie einen Kokon“ und empfinde einen „tiefen Frieden“. Ansonsten fühle sie sich aber als Frankfurterin. Einig war sich das Podium, dass es mehr Räume der Begegnung und mehr Austausch zwischen den Religionen und Kulturen geben müsse, um Ängste und Vorteile abzubauen und die Vielfalt als Bereicherung zu erleben.

p(autor). Stephanie von Selchow

Artikelinformationen

Beitrag veröffentlicht am 1. Mai 2008 in der Rubrik Stadtkirche, erschienen in der Ausgabe .

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