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1. Mai 2008

Lieber Abriss als Moschee

p(einleitung). Diskussion über die Zukunft überzähliger Kirchengebäude

Wer entscheidet darüber, was mit Kirchen passiert, deren Bauunterhalt aus Kirchensteuern nicht mehr finanziert werden kann? Und was für Optionen gibt es dabei? Über diese Frage diskutierten Verantwortliche aus Kirche und Stadt bei einer Podiumsdiskussion in der Evangelischen Stadtakademie.

Rechtlich ist die Lage klar: Als Eigentümer der evangelischen Gotteshäuser in Frankfurt steht im Grundbuch der Evangelische Regionalverband, also der Dachverband aller Kirchengemeinden und Dekanate. Faktisch ist es aber nicht so einfach. Denn wenn Kirchen verkauft oder anders als bisher genutzt werden sollen, reden viele mit: Die Ortsgemeinde, die Menschen aus dem Stadtteil, die Öffentlichkeit

Pfarrerin Esther Gebhardt, die Vorstandsvorsitzende des Regionalverbandes, rechnet damit, dass für rund 17 Frankfurter evangelische Kirchen in naher Zukunft andere Nutzungsformen gefunden werden müssen: „Wir müssen uns von Baulasten trennen.“ Gebhardt bezeichnete es als „absurd, sich an Gebäude zu klammern“, und forderte alle Beteiligten dazu auf, bei diesem Prozess gesamtstädtisch und solidarisch zu denken und nicht nur auf die Anliegen der einzelnen Gemeinde zu schauen. Gefordert sei „Phantasie“, um andere, finanzierbare Nutzungen zu finden. Als letzte Möglichkeit kämen aber auch Abrisse von Kirchen in Betracht.

Der hessen-nassauische Kirchenpräsidenten Peter Steinacker, schloss die Umwidmung von Kirchen in eine Kneipe oder die Nutzung als Moschee kategorisch aus: „Dann lieber abreißen“. Bisher habe Frankfurt „genau den richtigen Weg eingeschlagen“, so Steinacker. Der Regionalverband lasse dem Prozess genügend Zeit und sorge für Transparenz. Für „eine tolle Sache“ hält Steinacker die Nutzung ehemaliger Gemeindekirchen als Museen oder als Jugendkulturkirche.

Kirchenabrisse möglichst zu verhindern, nannte Finanz- und Kirchendezernent Uwe Becker im Interesse der Stadt Frankfurt. Die Stadtpolitik bekenne sich zu ihrer „Verantwortung für die Kultur“. So würden jährlich vier Millionen Euro in die acht „Dotationskirchen“ fließen – das sind die großen evangelischen und katholischen Citykirchen, die Anfang des 19. Jahrhunderts enteignet wurden und seither Eigentum der Stadt und daher auch von dieser zu unterhalten sind. Gotteshäuser zu erhalten, sei eine „gesellschaftliche Aufgabe“, so Becker.

Zumal bei einem geplanten Abriss auch der Denkmalschutz ein Wörtchen mitzureden hat. Gerd Weiß, Präsident des Landesamtes für Denkmalpflege, warnte davor, vorschnell mit den oft ungeliebten Kirchengebäuden der 1960er und 1970er Jahre „tabula rasa“ zu machen. Auch diese Gotteshäuser seien ein „Kulturgut, für das alle verantwortlich sind.“ Er verwies auf die Möglichkeit, über Stiftungen und Spenden Kirchengebäude zu erhalten. So kümmerten sich bundesweit bereits 180 treuhänderische Stiftungen um diese Aufgabe.

p(autor). Doris Stickler

Artikelinformationen

Beitrag veröffentlicht am 1. Mai 2008 in der Rubrik Stadtkirche, erschienen in der Ausgabe .

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