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1. Mai 2008

„Unkaputtbarer“ Arm Gottes

p(einleitung). Pfingsten ist das Fest des Heiligen Geistes. Man kann ihn weder sehen noch fassen, und das macht es gerade modernen Menschen, die nicht mehr an „Geister“ glauben, schwer, mit diesem Aspekt Gottes etwas anzufangen.

!(rechts)2008/05/seite04_oben.jpg(„Kirche im Feuer“ hieß die Lichtkunst-Aktion, die das dänische Künstlerpaar Thyra Hilden und Pio Diaz während der Luminale in der Katharinenkirche umsetzten. Feuer und Flamme sind auch Symbole des Heiligen Geistes. | Foto: Rolf Oeser)!

Der Heilige Geist selbst ist nicht zu greifen, nur seine Wirkung ist sichtbar in Gestalt der christlichen Kirche. Dass er so gar nichts Gegenständliches hat, ist nur scheinbar seine größte Schwäche, in Wirklichkeit jedoch seine größte Stärke. Denn so entzieht er sich jeder Kontrolle durch Menschen und bleibt allein Gottes Aktivität, deren Macht nichts und niemand Einhalt gebieten kann. Überall stellt er den „Kraftschluss“ an die Macht Gottes her, gibt Impulse, gewinnt für seine Sache, weckt Verständnis, erklärt, gibt Trost, ist ein Beistand, baut Brücken, überwindet Grenzen. In ihm steckt eine Dynamik, die nicht auf Menschen angewiesen ist, die sich aber auch nicht in Gefängnisse stecken und hinrichten lässt, weil sie unbezwingbar, unbeherrschbar, sozusagen „unkaputtbar” ist.

Die Symbole, die Menschen für den Heiligen Geist gefunden haben, demonstrieren diese Vorstellung: Im Hebräischen ist der Geist weiblich und bedeutet „Hauch“, „Atem“, „Wind“, „Sturm“ – das deutet ebenso auf eine genau dosierte Kraft wie auf Unverfügbarkeit. Der Geist weht, wo er will – man kann ihn nicht an sich binden und für sich in Anspruch nehmen, um menschliche Autorität zu stützen oder sich gegen andere abzuheben, die den Geist angeblich nicht haben. Man kann sich aber seiner auch nicht erwehren – als siegreicher Arm Gottes öffnet er Mauern. Auch in Feuerflämmchen wird der Heilige Geist dargestellt. Feuer hat zum Beispiel bei der Metallschmelze eine reinigende Wirkung, es besitzt eine unbändige Kraft, es macht, dass Menschen „Feuer und Flamme” sind für eine Idee, es gibt Helligkeit und Wärme – alles Wirkungen des Heiligen Geistes; man kann sich freilich auch die Finger an ihm verbrennen. Weit verbreitet ist schließlich die Darstellung als Taube, meist im Steilflug von oben nach unten. Sie ist als Botschafterin zwischen Himmel und Erde gedacht, die wie die Brieftaube ihr Ziel mit einer wundersamen Intelligenz zuverlässig findet.

p(autor). Wilfried Steller

h2. Glauben Sie an den Heiligen Geist?

h3. Magdalene Lucas (52), Religionspädagogin

!(rechts)2008/05/seite04_unten2.jpg!

„Der Geist Gottes schwebte über den Wassern“ heißt es am Anfang der Schöpfungsgeschichte. Meist wird der Heilige Geist in der Bibel als Geräusch beschrieben, als Hauch, als sanfter Wind oder großes Rauschen, das hebräische Wort heißt „Ruach“. Der Geist Gottes kann also ein Klang, ein Ton, aber auch ein Wort sein. Als Meditationslehrerin leite ich Menschen an, ganz in die Stille zu gehen, an den Ort, an dem sie ganz sind, in ihren göttlichen Kern. Ich kann die Verbindung vorbereiten, aber wie es dann klingt und wirkt, das ist eben die Heilig-Geist-Kraft. Ohne den Glauben daran könnte ich das gar nicht tun. Das ist nicht planbar, sondern ein Geschenk, für das ich immer wieder dankbar bin. Auch bei jeder ernst gemeinten Segenshandlung ist der Heilige Geist spürbar. Segensworte, aus dem Herzen gesprochen – das ist die Heilig-Geist-Kraft im Alltag.

h3. Beniyam Mulugeta (38), Lagerarbeiter

!(rechts)2008/05/seite04_unten3.jpg!

Der Heilige Geist als Teil der so genannten Dreifaltigkeitslehre ist mir natürlich ein Begriff. Doch beim Nachdenken über die Frage, ob ich daran glaube, wurde mir deutlich, wie wenig er für mich mit einem lebendigen Glauben oder christlichen Alltagsverständnis zu tun hat. Der Heilige Geist symbolisiert für mich im Grunde den Mensch gewordenen Gottessohn und die christliche Botschaft. Aber als Bezeichnung für die göttliche Energie oder Wesenskraft ist er für mich heute insbesondere ein theologisches Konstrukt der Kirche, das mit dem alltäglichen Leben nichts zu tun hat und die Sache unnötig verkompliziert. Man betet ja auch nicht zum Heiligen Geist. Für jemanden, der mit der Glaubenstheorie oder mit der Kirche allgemein nicht so viel am Hut hat, ist der Begriff oder das Element des Heiligen Geistes überflüssig, finde ich.

Artikelinformationen

Beitrag veröffentlicht am 1. Mai 2008 in der Rubrik Ethik, erschienen in der Ausgabe .

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