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1. Juni 2008

„Es gibt viele Zukünfte“

p(einleitung). Zukunftsforscher über Methoden der Prognose

„Je schneller wir uns bewegen, desto weiter müssen wir in die Zukunft schauen“ – ein Plädoyer für mehr Zukunftsforschung hielt Gerhard de Haan, Leiter des „Institut Futur“ an der FU Berlin, bei einem Vortrag in der Evangelischen Stadtakademie am Römerberg. Allerdings gebe es immer mehrere mögliche „Zukünfte“. „Zukunftsforschung hat nicht den Anspruch, zu sagen, wie die Zukunft sein wird, sondern wie sie sein könnte und wie man die Entwicklung dahin beeinflussen kann“, erläuterte de Haan. Deshalb sei auch der Hinweis auf die berühmten Irrtümer in den Vorhersagen von Experten – wie etwa die von Gottlieb Daimler aus dem Jahr 1901, es werde niemals eine Nachfrage nach einer Million Autos geben, schon allein aus Mangel an Chauffeuren, oder die von Bill Gates aus dem Jahr 1981, dass 650 Kilobytes pro Computer definitiv genug seien – kein Argument gegen die Zukunftsforschung.

Zumal viele Voraussagen über die Zukunft mit dem Ziel antreten, diese prognostizierte Zukunft gerade in eine andere Richtung zu lenken – wie etwa in den 1970er Jahren der Bericht des Club of Rome oder heute die Prognosen zum Klimawandel. Problematisch sei aber, dass „fast alle Zukunftsvarianten, über die wir diskutieren, bedrohlich sind“, so Haan, was aus psychologischen Gründen nicht gerade zum konstruktiven Handeln motiviert.

In vielen Studien sei herausgekommen, dass sich die von Menschen gewünschte Zukunft sehr von der unterscheide, die sie für machbar halten. Fast alle wünschen sich zum Beispiel für die Zukunft mehr Zeit für Freunde und Familie und sagen, Geldeinkommen sei nicht so wichtig. In der Realität verhalten sie sich aber gerade konträr dazu. Unklar sei, woran diese Diskrepanz liegt: Glauben die Menschen, sie seien den Verhältnissen ausgeliefert und könnten auf die Zukunft keinen Einfluss nehmen? Oder mogeln sie vielleicht bei ihren Wünschen und geben bei der Befragung einfach die Antwort, die sie für sozial erwünscht halten? Solchen Fragen, so de Haan, wolle sein Institut in Zukunft nachgehen.

Kritisch setzte sich der Zukunftsforscher mit der „Trendforschung“ auseinander, wie sie etwa das „Zukunftsinstitut“ von Matthias Horx betreibt. Hier würden nur kurzfristige Trends behandelt, die zudem oft auch noch selbst erzeugt würden: Wenn Horx sagt, die Trendfarbe wird gelb, produzieren alle in gelb. Das sei vielleicht für Wirtschaftsunternehmen interessant, für die ein Zeitraum von fünf Jahren schon das Maximum an Vorausplanung sei. Zukunftsforschung hingegen interessiere sich für Zeiträume von etwa 5 bis 30 Jahren. Weiter in die Zukunft zu forschen, so de Haan, sei seriöserweise nicht möglich. „Danach beginnt die Hoffnung“.

p(autor). Antje Schrupp

Artikelinformationen

Beitrag veröffentlicht am 1. Juni 2008 in der Rubrik Stadtkirche, erschienen in der Ausgabe .

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