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1. Juni 2008

„Jugendgewalt ist ein Hilferuf“

p(einleitung). Runder Tisch macht Vorschläge nach Debatte im Hessen-Wahlkampf

Die Gesetze sind scharf genug, auch gute pädagogische Angebote für gewaltbereite junge Männer gibt es – woran es aber hapert, ist die personelle Ausstattung der Gerichte und die Vernetzung der Hilfsmaßnahmen: Zu diesem Ergebnis kam eine Konsultation zum Thema Jugendgewalt in Frankfurt, die im Frühjahr auf Initiative des Evangelischen Regionalverbandes stattgefunden hat. Hintergrund war die öffentliche Diskussion im hessischen Wahlkampf, nachdem Frankfurter Jugendliche einen U-Bahn-Fahrer in Heddernheim angegriffen hatten.

Auch das Jugendhaus am Bügel in der Trägerschaft des Evangelischen Vereins für Jugendsozialarbeit war damals in den Fokus der öffentlichen Aufmerksamkeit geraten, weil die Angreifer zu den Jugendlichen gehörten, die dort Angebote nutzen. Statt sich damals am Austausch der „üblichen parteipolitischen Reflexe von Reaktion und Gegenreaktion“ zu beteiligen, so Pfarrerin Esther Gebhardt, die Vorstandsvorsitzende des Regionalverbandes, habe man als Kirche versucht, das Thema ernsthafter und gründlicher anzugehen. Dazu seien Vertreter der beteiligten Institutionen wie Polizei, Jugendhilfe und Justiz eingeladen worden. Auf Grundlage dieser Gespräche haben sich vier Verbände, die mit Jugendlichen arbeiten – neben evangelischer und katholischer Kirche auch der Sportkreis Frankfurt und der Internationale Bund – mit einer gemeinsamen Erklärung an die Öffentlichkeit gewandt.

Ein Hauptproblem, so Uli Kratz, der Leiter des Jugendhauses am Bügel, seien die langen Reaktionszeiten. Nach Straftaten dauere es bis zu 18 Monaten bevor es zu einer Anklage kommt. „Es gibt keinen roten Faden der Orientierung“, bemängelte Kratz, die Jugendlichen wüssten nicht, was genau die Folgen von welcher Art von Handlung seien. Dass die Signale der „Erwachsenenwelt“ an die Kinder und Jugendlichen nicht eindeutig seien, betonte auch Stadtjugendpfarrer Jürgen Mattis. Dies betreffe nicht nur den „harten Kern“ der rund 150 jungen Männer in Frankfurt, die als massiv straffällig eingruppiert werden.

Ein zweiter Punkt seien die langen Wartezeigen im Jugendstrafverfahren und fehlende Ressourcen, etwa bei der Ableistung von gemeinnützigen Arbeitsstunden. Es gebe zu wenig Personal bei den Jugendgerichten, aber auch bei den Trägern, die Seminare oder Anti-Gewalt-Trainings durchführen. „Wenn auf Straftaten keine unmittelbaren und zeitnahen Reaktionen erfolgen, wird den Jugendlichen ein notwendiger Lernprozess versagt“, heißt es in der Erklärung. Dass das Problem auch soziale Ursachen habe, machte Stadtjugendpfarrer Mattis deutlich: „Wir haben inzwischen eine aufgestaute Reihe von Jahrgängen, die keinen Ausbildungsplatz finden, und die nicht in die Gesellschaft integriert sind.“

„Die Gewalt von Jugendlichen ist ein Hilferuf, der uns Älteren einen Spiegel vorhält“, sagte Roland Frischkorn, der Vorsitzende des Sportkreises Frankfurt. Keine der zwanzig verschiedenen Institutionen, die an der Konsultation teilnahmen, habe härtere Strafen gefordert, auch nicht Staatsanwaltschaft oder Polizei, betonte Pfarrerin Gebhardt.

Mit den Ergebnissen der Konsultation wolle man nun auf die Parteien zugehen. Dann werde man sehen, „wie ernst es der Politik wirklich ist mit dem Thema, und ob es ein nachhaltiges Interesse daran gibt.“

p(autor). Antje Schrupp

Artikelinformationen

Beitrag veröffentlicht am 1. Juni 2008 in der Rubrik Stadtkirche, erschienen in der Ausgabe .

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