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1. September 2008

Putzfrauen sind heute „cosmobil“

p(einleitung). Oft sind es Migrantinnen, die deutsche Wohnungen sauber halten

Sie kommen aus Polen, der Ukraine, aus Ghana oder aus Brasilien. Sie sind als Au-Pair-Mädchen nach Deutschland eingereist, im Haushalt eines Diplomaten oder als Touristinnen – und dann hier geblieben. Ihren Lebensunterhalt verdienen sie als Putzfrauen in Privathaushalten, vor allem in Großstädten. Über die Lebensverhältnisse dieser Frauen weiß man kaum etwas. Nur, dass es viele sind, denn die Nachfrage nach ihrer Arbeit ist groß. Schätzungsweise vier Millionen Arbeitsverhältnisse sollen es in Deutschland sein, und das ist auch schon alles, was es an Zahlenmaterial gibt.

!(rechts)2008/09/seite12_unten.jpg(Die Soziologin Maria S. Rerrich erforscht die Lebens- und Arbeitsbedingungen von Putzfrauen in Deutschland. | Foto: Rolf Oeser)!

Die Münchener Soziologin Maria S. Rerrich hat Interviews mit diesen Frauen geführt, aber auch mit denen, die ihre Dienstleistungen in Anspruch nehmen, sowie mit Sozialeinrichtungen, die sich mit dem Thema beschäftigen. Auf Einladung evangelischer Fraueninitiativen und der Frankfurter Gleichstellungsbeauftragten hat sie ihre Ergebnisse in der Stadtbücherei vorgestellt.

„Cosmobile Putzfrauen“ nennt Rerrich diese wachsende Gruppe von Migrantinnen: „Viele von ihnen haben ihre Familien, ihre Kinder und Ehemänner zurückgelassen und pendeln zwischen zwei Ländern hin und her. Wenn sie keinen legalen Aufenthaltsstatus haben, sitzen sie auf gepackten Koffern, weil sie jederzeit ausgewiesen werden können.“

In Deutschland werden ihre Dienste dringend benötigt. Sie halten die Wohnungen von berufstätigen Singles oder Paaren sauber, sie passen auf Kinder auf, waschen und bügeln, oder sie führen den Haushalt von alten Menschen und leisten ihnen Gesellschaft. „Dabei haben viele dieser Frauen eine gute Ausbildung und einen Beruf, doch den können sie hier nicht ausüben, weil ihre Zeugnisse nicht anerkannt werden oder sie keine Arbeitserlaubnis haben.“ Von ihren Putzjobs ernähren sie sich nicht nur sich selbst, sondern auch ihre Familien zuhause – die „Rücküberweisungen“ aus der Arbeitsmigration übertreffen die Entwicklungshilfe bereits um ein Vielfaches.

Mit ihrer Arbeit, so Rerrich, glichen diese „cosmobilen Putzfrauen“ die Lücken aus, die die zunehmende Mobilität und berufliche Eingebundenheit von Männern wie Frauen in Deutschland hinterlassen hat. Flexibel decken sie zum Beispiel fehlende Betreuungszeiten ab, wenn beide Eltern berufstätig sind, oder lindern die Einsamkeit alter Menschen, deren Kinder weit weg leben. Jeder dritte Rentnerhaushalt beschäftige inzwischen eine Haushaltshilfe. Dann sei die Grenze zwischen Putzen und Pflegen oft fließend, und das Bedürfnis ihrer Arbeitgeber nach Zuwendung für die Frauen oft eine emotionale Belastung.

Eine Lösung ist politisch nicht in Sicht. Andrea Bode vom Frankfurter Verein „Frauenrecht ist Menschenrecht“ forderte in der anschließenden Diskussion, nach einer gewissen Anzahl von Jahren die Möglichkeit eines legalen Aufenthaltsstatus für diese Frauen zu schaffen. Beatrice Müller von der Gewerkschaft „verdi“ wies auf Möglichkeiten hin, Putzfrauen auf Minijob-Basis einzustellen – was allerdings nur für „Legale“ eine Option ist. Minimum sei aber eine Unfallversicherung, die auch ohne Angabe des Namens möglich ist („www.unfallkassen.de“:http://www.unfallkassen.de).

Wangare Greiner von „Maisha“, einer Selbsthilfe­ initiative von Afrikanerinnen in Frankfurt, appellierte an diejenigen, die Putzfrauen beschäftigen, faire Löhne von zehn Euro die Stunde plus Fahrgeld zu bezahlen, respektvoll im Umgang zu sein und klare Absprachen über die zu leistende Arbeit zu treffen. Hildegund Niebch vom Diakonischen Werk schließ­ lich forderte dazu auf, das Thema Hausarbeit wieder neu in die Diskussion zu bringen. Es sei höchst unbefriedigend, dass die ehemals unsichtbare und geringgeschätzte Arbeit der Hausfrauen heute von der ebenso unsichtbaren und abgewerteten Arbeit der Migrantinnen ersetzt werde.

p(autor). Antje Schrupp

Artikelinformationen

Beitrag veröffentlicht am 1. September 2008 in der Rubrik Stadtkirche, erschienen in der Ausgabe .

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