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Von – 1. September 2008

Peter Dämmrich: Streitbar im Nordend


Foto: Ilona Surrey

Mehr als 25 Jahre war Peter Dämmrich im Kirchenvorstand der Gethsemanegemeinde im Nordend – nun zieht er sich aus dem Leitungsgremium zurück und wird im Gottesdienst am Sonntag, 19. Februar, um 10 Uhr, in der Gethsemanekirche, Eckenheimer Landstraße 90, verabschiedet. Wir hatten ihn vor einiger Zeit schon portraitiert:

Wer in die Wohnung der Dämmrichs im fünften Stock eines schmalen Altbaus in der Eckenheimer Landstraße will, muss gut zu Fuß sein. Seit drei Jahrzehnten wohnt Peter Dämmrich hier mit seiner Frau und früher auch mit der Tochter. Den Blumenladen im Erdgeschoss eröffnete der gelernte Gärtner sogar schon 1968.

Ein richtiger alteingesessener „Nordendler“ ist er also, der Kirchenvorstandsvorsitzende der Gethsemanegemeinde. Und er hat vor, hier zu bleiben. Zwar hat Dämmrich das Geschäft vor vier Jahren in andere Hände übergeben, aber noch immer arbeitet der 70-Jährige als Friedhofsgärtner am Hauptfriedhof. Und wenn nächstes Jahr Wahlen für den Kirchenvorstand anstehen, wird er wohl wieder kandidieren.

Dabei war es eigentlich Zufall, dass die Dämmrichs im Nordend gelandet sind: „Hier war ein Ladengeschäft frei.“ Ursprünglich stammt Peter Dämmrich aus Crimmitschau in Sachsen. „Meine Eltern sind 1952 nach Westberlin geflüchtet.“ Der Vater war Berufsschullehrer mit politischen Ansichten, die in der DDR nicht toleriert wurden. Für den damals 14-jährigen Sohn Peter war der Neuanfang im Westen nicht leicht: Seine drei Jahre Russischunterricht nutzten ihm hier nichts; fürs Abitur hätte er das komplette Englischpensum nachholen müssen. Also entschied er sich für einen Ausbildungsberuf und wurde Gärtner – was er nie bereut hat.

Bei einer Fortbildung in Schweden lernte Dämmrich seine spätere Frau kennen, die beiden gingen zunächst für einige Zeit nach Teneriffa, bevor sie 1967 nach Frankfurt kamen – und blieben. Zum Heimischwerden gehörte auch das Engagement in der Kirchengemeinde. Der Kontakt ergab sich über die Tochter, die Gemeindegruppen besuchte. Und als der Pfarrer dann fragte, ob Peter Dämmrich für den Kirchenvorstand kandidieren wolle, hat dieser sofort Ja gesagt.

„Ich bin nicht fromm, ich komme auch nicht aus einer kirchennahen Familie, aber ich bin durchaus gläubig.“ Was ihn interessiert, das ist die Kirche als Ort der Gemeinschaft. Neben Bauangelegenheiten kümmert er sich vor allem um die Kindergruppen, die Kindertagesstätte, den Hort. „Das Nordend ist ja sehr kinderreich, wir hatten nie Schwierigkeiten, unsere Gruppen zu füllen.“

Auf die Frage, warum die Gethsemanegemeinde noch nicht mit der Petersgemeinde fusioniert ist, obwohl sie praktisch als Enklave mitten in deren Gemeindegebiet liegt, holt Dämmrich ein Blatt Papier und zeichnet einen Stadtplan: Der Standort der Gethsemanekirche liegt ziemlich genau im Zentrum des gemeinsamen Gebietes, die Epihaniaskirche eher am Rand. „Aber als wir gefordert haben, dass auch bei uns noch Gottesdienste sein sollen, haben die anderen die Verhandlungen abgebrochen“, sagt er empört. „Und trotzdem wird es jetzt so dargestellt, als seien wir schuld, dass es gescheitert ist.“

Überhaupt bereitet ihm die Diskussion über die Abgabe von Kirchen Sorgen. Er weiß schon, dass es in Frankfurt eigentlich zu viele davon gibt. Aber Kirchen abreißen? „Wie soll man das Menschen erklären, die in dieser Kirche getauft, konfirmiert und verheiratet wurden?“ Eine einfache Antwort hat Dämmrich nicht – er weiß nur, dass es hier um mehr geht als um einfache Kosten-Nutzen-Rechnungen: „Als vor einigen Jahren diskutiert wurde, unseren Kirchturm abzureißen, weil er im Unterhalt so teuer ist, kamen 60000 Mark an Spenden zusammen. Das zeigt doch, wie wichtig den Menschen diese Symbole sind.“

Artikelinformationen

Beitrag von , veröffentlicht am 1. September 2008 in der Rubrik Menschen, erschienen in der Ausgabe .

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Dr. Antje Schrupp ist geschäftsführende Redakteurin von Evangelisches Frankfurt. Die Journalistin und Politikwissenschaftlerin bloggt auch unter www.antjeschrupp.com.

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