Zeitung für Mitglieder der evangelischen Kirche in Frankfurt am Main
[zum Inhalt springen] [zur Suche springen] [zur Navigation springen]
Bis zum Weihnachtsfest sind es nur noch wenige Wochen. Der Endspurt hat begonnen. Jedes Jahr die gleiche bohrende Frage: Was bekommt wer zu Weihnachten geschenkt? Besonders schön ist Selbstgebasteltes. Doch vor allem soll das Schenken – ebenso wie das Beschenktwerden – Spaß machen.

Auch in Kirchengemeinden kann man zusammen mit anderen Adventsschmuck basteln – so wie die siebenjährige Lara, die im Kinder- und Jugendtreff Nieder-Eschbach einen Button mit einem Weihnachtsbaum verziert hat. Foto: Rolf Oeser
Warum will man Tante Erna und Onkel Willi etwas schenken, wenn diese doch selbst sagen, sie hätten schon alles? Da landet man dann schnell wieder mal bei der Seidenkrawatte und dem schönen Seifenpräsent in Geschenkpackung. Verzweiflung pur.
Oder es geht um Gegengeschenke: Haben wir nicht im letzten Jahr von den Nachbarn etwas vor die Tür gelegt bekommen? Da müssen wir dieses Jahr auch im gleichen Wert etwas schenken. Denn einseitiges Beschenktwerden beschämt. Wirklich? Das Schenken sollte doch eigentlich ein selbstloser Akt sein. Sicher hofft man, dass der Beschenkte sich freut. Aber eine gegenseitige Aufrechnung des Warenwertes gehört nicht dazu.
Menschen schenken anderen etwas, um ihnen eine Freude zu machen oder auch um ihrer sozialen Verantwortung gerecht zu werden. So gibt es in allen Religionen den Brauch des Schenkens an Bedürftige. Seit ungefähr 600 Jahren gibt es im Christentum die Bescherung an Weihnachten. Bis dahin brachte der Nikolaus am 6. Dezember die Gaben. Mandarinen, Nüsse, Äpfel und Süßigkeiten finden sich auch heute noch am Nikolaustag im Stiefel. Die großen Geschenke aber gibt es erst am Heiligen Abend. Das führt man auf einen römischen Brauch zurück: Vor 2000 Jahren feierten die Römer am Ende des Jahres die so genannten Saturnalien zu Ehren des Gottes Saturn. Während dieser Feiern machten die reicheren Leute denen, die nicht so viel Geld hatten, Geschenke. Damit wollten sie auch zeigen, wie wohlhabend sie waren.
Den eigenen Reichtum zur Schau stellen zu wollen, ist sicher kein edles Motiv. Anderen eine Freude zu bereiten, so wie die Geburt Jesu nach christlichem Glauben ein Geschenk an die Menschen ist, ist dagegen aller Ehren wert. Dabei kommt es oftmals viel mehr auf das Signal „Ich habe an dich gedacht“ als auf den materiellen Wert an. Es hat seinen Grund, dass kleine Basteleien zu Weihnachten nach wie vor hoch im Kurs stehen. Eine andere Möglichkeit ist, einfach etwas Zeit zu verschenken – für einen Kino- oder Theaterbesuch oder für ein Wochenende in der Rhön. Für die, die beim traditionellen Hantieren mit Goldfolie und Walnusshälften so ihre Schwierigkeiten haben, bietet die neue Technik der Digitalfotografie zahlreiche Möglichkeiten, kreativ gemeinsame Erinnerungen in Fotobüchern oder eigenen Collagen festzuhalten.
Und auch sozial verantwortliche Geschenke können Freude bereiten. Warum nicht ein Los der ARD-Fernsehlotterie? Gewinnchance inklusive.
Ich habe vor vierzig Jahren einen Bastelkreis in meiner Gemeinde in Hausen gegründet. Mit zehn bis zwölf Frauen bastle ich das ganze Jahr über für den Weihnachtsbasar. Das ist immer sehr nett, inzwischen sind auch zwei meiner Schwiegertöchter mit dabei. Angefangen hat es mal mit Strohsternen, im Augenblick ist Weihnachtliches aus Filz ,in’: Sterne, Kerzenständer, Nikolauswichtel für die Kleinen und Weihnachtskarten. Wir nehmen einen Batzen Geld ein, das der Gemeinde zugute kommt – ich bin nämlich auch im Kirchenvorstand. Ich habe mich auch oft auf anderen Märkten umgesehen, um neue Ideen zu bekommen. Die Leitung des Weihnachtsbasars gebe ich jetzt zwar ab, aber für meine Kinder und Enkel bastle ich auch weiterhin Kleinigkeiten für die Adventskalender oder Geschenkanhänger: Das macht mir großen Spaß.
Wir basteln Adventsschmuck in der Schule. Dieses Jahr bemalen wir Weihnachtsmänner aus Gips mit Farbe, letztes Jahr haben wir Umschläge für Notizbücher gebastelt. Außerdem machen wir uns in diesem Jahr einen Adventskalender für die ganze Klasse. Jedes Kind bastelt einen Weihnachtsbaum aus Pappe, der innen hohl ist, und die Lehrerin tut dann kleine Geschenke rein. Wir losen aus, welches Kind an welchem Tag einen Baum aufmachen darf. Meiner Oma habe ich eine Kerze mit goldenen Sternen und meinem Namen verziert. Selbst gebastelter Adventsschmuck gefällt mir besser als gekaufter, weil man dann stolz sein kann, dass man das selbst gemacht hat. Aber ich mag es nicht, wenn zuviel in der Wohnung aufgestellt wird, weil ich dann keinen Platz mehr habe, um meine Sachen hinzulegen. Am liebsten backe ich Plätzchen, solche zum Ausstechen.
Seit einigen Jahren winde ich jedes Jahr meinen Adventskranz zusammen mit ein paar Freundinnen: Die Tannenzweige knistern und wir erzählen uns etwas, eine liest weihnachtliche Texte vor, und etwas zu essen gibt es auch. Das hat schon eine richtige Tradition. Seit meine Kinder aus dem Haus sind, habe ich immer mehr Mühe, mich auf Weihnachten einzustellen, zumal wir über Heiligabend immer verreisen und keinen eigenen Baum mehr haben. Das Adventskranzbinden ist ein Ritual, das weihnachtliche Gefühle bei mir weckt, ein anderes ist das Weihnachtsliedersingen mit Freunden. Wichtig ist, gemeinsam etwas zu tun, jenseits des Konsumtreibens. Das erinnert mich daran, wie früher Weihnachten gefeiert wurde: Das ganze Haus wurde geputzt, es roch nach Plätzchen und Tannenzweigen, und die Vorfreude auf Heiligabend stieg mit jedem Tag.
In meiner Kindheit gehörten Basteln und Plätzchenbacken zu den geliebten Ritualen der Vorweihnachtszeit. Wahrscheinlich freut man sich beim Basteln mit Kindern über jeden noch so zerknautschten Weihnachtsstern. Außerdem macht es sicher Spaß, in Phantasiewelten einzutauchen und den Zauber von Alltagsgegenständen wiederzuentdecken. Ich lebe jedoch allein und habe keine Kinder, daher fehlt mir der Anlass zum Basteln. Als Erwachsener hätte ich heute außerdem einen gewissen kunsthandwerklichen Anspruch, dem ich mangels Geschick nicht gerecht werden würde. Auch sonst gibt es für mich kaum Weihnachtsrituale, denn mein Beruf lässt mir nur wenig Zeit. In meiner Familie verzichten wir seit Jahren darauf, uns zu Weihnachten etwas zu schenken. Auch meine Wohnung schmücke ich kaum. Am ehesten würde ich noch Plätzchen backen.
Kurt-Helmuth Eimuth
Zuschriften an die Redaktion sind willkommen, Kürzungen müssen wir uns aber vorbehalten. Leserbriefe können auch per Post oder Fax geschickt werden.