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1. Februar 2009

Der Erfinder der Arbeitsmoral

p(einleitung). Vor 500 Jahren wurde der Reformator Johannes Calvin geboren

Mit zahlreichen Aktionen und Veranstaltungen feiert die evangelische Kirche in diesem Jahr den 500. Geburtstag von Johannes Calvin. Der Schweizer Theologe, der am 10. Juli 1509 zur Welt kam, gilt als der zweite große Gründungsvater des Protestantismus neben dem 16 Jahre älteren Martin Luther. Anders als der weltlichen Genüssen nicht abgeneigte Deutsche entwickelte Calvin eine sehr strenge Kirchenordnung und ein rigides Pflichtverständnis. Er gilt daher auch als Begründer jener „protestantischen Arbeitsmoral“, die der Soziologe Max Weber später als „Geist des Kapitalismus“ beschrieb.

!(kasten)2009/02/seite12_unten.jpg(Friedlich vereint sind die beiden Reformatoren Martin Luther – links – und Johannes Calvin in dieser Darstellung auf den Kirchenfenstern der Stadtkirche in Wiesloch. Obwohl es bis heute wichtige theologische Unterschiede zwischen „Lutheranern“ und „Calvinisten“ gibt, sind inzwischen die meisten evangelischen Kirchengemeinden „uniert“, das heißt, sie stützen sich auf beide Traditionen. | Foto: Mathias Ernert / epd-Bild)!

Die Mehrzahl der Frankfurter evangelischen Gemeinden ist heute „uniert“, bezieht sich also auf beide Traditionen. Doch in vergangenen Jahrhunderten war das Zusammenleben nicht so harmonisch. Zwar erlaubte der (lutherische) Stadtrat den anderen „Reformierten“, wie die Anhänger und Anhängerinnen Calvins genannt wurden, anfangs, die Weißfrauenkirche zu nutzen – auch Calvin selbst predigte hier, als er im Jahr 1556 Frankfurt besuchte. Doch das Verhältnis zwischen „einheimischen“ Lutheranern und den aus anderen Ländern zugewanderten Reformierten wurde bald schlechter. Rund 200 Jahre lang mussten sich die Glaubensflüchtlinge außerhalb der Stadtmauern versammeln und trafen sich in dem damals noch nicht zu Frankfurt gehörenden Bockenheim.

Sicher war bei diesem Streit eine gehörige Portion Fremdenfeindlichkeit im Spiel. Doch es gibt auch theologische Unterschiede. So hatte sich Calvin im Abendmahls-Streit seinem Landsmann Zwingli angeschlossen, der im Gegensatz zu Luther meinte, Leib und Blut Christi seien bei der Zeremonie nicht räumlich-materiell in Wein und Brot anwesend, sondern nur in geistigem Sinne. Auch Calvins Prädestinationslehre, wonach die Fähigkeit eines Menschen zu strenger Pflichterfüllung ein Zeichen für göttliche Heilsbestimmung sei (also dafür, später „in den Himmel“ zu kommen), wurde von den Lutheranern nicht geteilt.

Erst Ende des 18. Jahrhunderts gestattete Frankfurt den Reformierten, „binnen hiesiger Stadt Ringmauer zwei Bethäuser auf ihre Kosten errichten zu dürfen.“ Allerdings durften diese keinen Turm haben und von außen nicht als Kirchen erkennbar sein. Ihre erste Kirche bauten die Frankfurter Reformierten dann auf dem Großen Kornmarkt. Als die Paulskirche im 19. Jahrhundert umgebaut wurde, beherbergte sie eine zeitlang sogar das deutsche Parlament. Bei den Luftangriffen im Zweiten Weltkrieg brannte das Gebäude aus und wurde nach dem Krieg abgerissen.

Die Frankfurter reformierte Gemeinde hat ihren Sitz heute in der Freiherr-vom-Stein-Straße 8 im Westend. Dort finden zum Calvin-Jahr eine Reihe von Veranstaltungen statt, zum Beispiel ein Vortrag über „Calvins Wirtschaftsethik und ihre Impulse für die Moderne“ am Donnerstag, 19. Februar, um 19 Uhr. Auch der ZDF-Gottesdienst am Sonntag, 1. Februar, um 9.30 Uhr dreht sich um Calvin. Mehr Informationen im Internet unter „www.calvin.de“:hhtp://www.calvin.de.

p(autor). Antje Schrupp

Artikelinformationen

Beitrag veröffentlicht am 1. Februar 2009 in der Rubrik Stadtkirche, erschienen in der Ausgabe .

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