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1. Februar 2009

Wenn sich alles ums Geld dreht

p(einleitung). Geld ist kein Selbstzweck, sondern es muss immer im Sinne der Menschen genutzt werden. Verantwortung tragen dabei alle – der Staat ebenso wie die Einzelnen.

!(rechts)2009/02/seite07_oben.jpg(Anja Harzke ist Pfarrerin für gesellschaftliche Verantwortung in Frankfurt. | Foto: Rolf Oeser)!

Armut ist heute ein Makel, ein Stigma. Oft gibt man den Betroffenen selbst die Schuld, nach dem Motto: „Na, der könnte sich ja ein bisschen mehr anstrengen. Er ist selber schuld, dass es ihm schlecht geht.“ Ein solches Denken ist der Bibel völlig fremd. Die biblischen Geschichten erzählen vielmehr von der Not und dem Elend, der Scham und der täglichen Mühsal, die Armut mit sich bringt.

Armut kann viele Ursachen haben: Krankheit, Scheidung, Unfall oder Arbeitslosigkeit. Wenn in Deutschland immer mehr Kinder in Armut leben, dann ist das ein Skandal. Armut bedeutet hier zu Lande nicht Hungersnot, aber wer arm ist, gehört nicht mehr wirklich dazu. Armut, das heißt konkret: Nicht mehr ins Kino gehen können, ins Konzert schon gar nicht, nicht an Klassenfahrten teilnehmen, sich das Essen in der Schulkantine nicht leisten können.

Es ist vielfältig belegt: Kinder armer Eltern gehen, bei gleicher Intelligenz, seltener auf das Gymnasium. Damit haben sie auch weniger Chancen, der Armut zu entkommen. Ein Teufelskreis. Es ist die Aufgabe des Staates, der Politik, hier einzugreifen. Das sah auch schon Martin Luther so, der die vornehmste Aufgabe eines guten christlichen Staates darin sah, dafür zu sorgen, dass alle leben können – in Würde.

Die Verpflichtung des Staates entlässt die Einzelnen jedoch nicht aus ihrer Verantwortung. Alle können und sollen helfen und etwas gegen Armut tun. Dazu gibt es viele Möglichkeiten. Zum Beispiel das Selbstverständliche: Steuern zahlen, denn sie ermöglichen dem Staat, für gerechten Ausgleich zu sorgen. Man kann auch Geld für soziale Zwecke spenden oder selbst aktiv werden, vielleicht im Winter bei der Essensausgabe in den Kirchen helfen oder Hauptschülern Nachhilfeunterricht geben.

!(kasten)2009/02/seite07_unten.jpg(Mit einer Postkartenaktion appellierte die evangelische Jugend in Hessen an die Landesregierung, einen Armuts- und Reichtumsbericht für das Bundesland zu initiieren. Das Thema „Kinderarmut“ wird in den kommenden zwei Jahren ihr Schwerpunktthema sein. Hier beim Auftakt der Aktion in der Jugendkulturkirche Sankt Peter. | Foto: ejh)!

Immerhin wird über Armut geredet und nachgedacht und auch einiges für die Betroffenen getan, gerade in der Kirche. Und die Reichen? Was ist mit ihnen? Da stellt sich zunächst die Frage, wo Reichtum überhaupt beginnt. Das ist nämlich eine Frage des Blickwinkels. Für einen Obdachlosen sind alle, die nicht auf der Straße leben, reich. Wenn man es statistisch anschaut, gehören viele Menschen faktisch zu den „Reichen“, auch wenn sie selbst sich oft nicht so verstehen.

Und dann gibt es noch die Super-Reichen, und zwar immer mehr – die Zahl der Millionäre in Deutschland nimmt stetig zu. Was sagt die Kirche zu ihnen? Interessant ist, dass Geld und Reichtum in der Bibel nirgends verurteilt oder als etwas Schlechtes oder gar Sündiges bezeichnet werden. Im Gegenteil, da wird gesagt, dass man den eigenen Reichtum und Wohlstand, die Frucht der eigenen Arbeit, genießen soll. Allerdings kommt es darauf an, wie dieser Reichtum zustande gekommen ist. Der Wohlstand, der auf Kosten anderer geht, steht nicht unter Gottes Segen. Wenn Reichtum auf Unrecht basiert, dann steht er zwischen den Menschen und Gott, auch davon erzählen viele Geschichten der Bibel. Auf den Punkt bringt das christliche Verhältnis zu Arm und Reich auch ein Satz von Martin Luther: „Woran du dein Herz hängst, das ist dein Gott!“ Wenn sich alles ums Geld dreht, die Gedanken, die Gespräche mit Freunden und in der Familie, dann ist etwas aus dem Lot geraten. Dann sind die Maßstäbe ver-rückt.

Geld und Besitz sind dazu da, verantwortungsvoll genutzt zu werden. Geld darf nie Selbstzweck sein, sondern es ist für die Menschen da. So gibt es immer mehr Unternehmer und auch Großunternehmen, die ihr Geld einsetzen für soziale Zwecke und sich ihrer sozialen Verantwortung bewusst sind – Gott sei Dank! Es ist zu wünschen, dass dies immer mehr zur Selbstverständlichkeit wird.

p(autor). Anja Harzke

Artikelinformationen

Beitrag veröffentlicht am 1. Februar 2009 in der Rubrik Gott & Glauben, erschienen in der Ausgabe .

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