Evangelisches Frankfurt

Zeitung für Mitglieder der evangelischen Kirche in Frankfurt am Main

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Ausgabe
April 2009

Per E-Mail oder Chat über Probleme reden

„Ich hätte mich nie getraut, das jemandem direkt zu erzählen.“ Diesen Satz liest Barbara Evangelou oft. Die Psychologin von der Evangelischen Familienberatung im Haus am Weißen Stein in Eschersheim beteiligt sich fünf Stunden in der Woche am Online-Beratungsangebot der „Bundeskonferenz für Erziehungsberatung“ (bke). Per Einzelchat in einem „virtuellen Sprechzimmer“ oder per E-Mail berät sie Jugendliche und Eltern bei Sorgen und Problemen.

Schambesetzte Themen wie Erfahrungen mit sexueller Gewalt, Selbstverletzung, Alkohohl- und Drogenmissbrauch oder sogar Selbstmordgedanken sind dabei keine Seltenheit. Die Chat-Beratungen dauern zwischen zehn Minuten und einer Stunde. Wie im wirklichen Leben muss erst Vertrauen zwischen Beraterin und Klient oder Klientin entstehen, bevor man zum eigentlichen Problem vordringen kann. Ziel der Beratung ist der konkrete nächste Schritt zu einer Lösung.

„Ich war selbst überrascht, dass die Schwelle, in eine Beratungsstelle zu gehen und mit einem lebendigen Gegenüber zu sprechen, derart hoch ist“, sagt Evangelou. „Gerade für schambesetzte Probleme scheint die Distanz, die das Internet schafft, erst einmal richtig zu sein. Und wir wollen die Jugendlichen ja dort abholen, wo sie sind.“ Das geschieht bei dem Online-Angebot, an das viele Psychologen und Beraterinnen angeschlossen sind, auch in Gruppen- oder Themen-Chats, die von Fachkräften moderiert werden. Auch viele Eltern schreiben E-Mails, wenn sie sich Gedanken über ihre Kinder machen, momentan aber keinen Zugang zu ihnen finden oder Probleme wie Bettnässen oder Durchschreien einfach nicht verschwinden wollen. „Gerade Eltern, die keine Beratungsstelle um die Ecke haben oder alleinerziehend sind, nutzen die Online-Beratung“, weiß Evangelou.

Anfragen oder Mails, die nicht ernst gemeint sind, erhält sie nur äußerst selten. „Man kann sich zwar im Internet eine andere Identität verleihen, aber durch Nachfragen findet man ziemlich schnell heraus, ob jemand ernsthafte Probleme hat oder nicht. Und davon gibt es mehr als genug.“ Kontakt über: www.bke-beratung.de. E-Mail-Beratung speziell für Frauen bietet auch die Beratungsstelle für Frauen der evangelischen Kirche in Frankfurt unter www.zefra.de an.

Stephanie von Selchow

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