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1. April 2009

„Reli“ für muslimische Kinder

p(einleitung). Kirchen unterstützen islamischen Religionsunterricht

Große Unterstützung seitens der Kirchen findet die Initiative der hessischen Kultusministerin Dorothea Henzler (FDP) zur Einführung eines islamischen Religionsunterrichtes für die 60000 muslimischen Schülerinnen und Schüler in Hessen. Bei einer Podiumsdiskussion im „Haus am Dom“ zum Thema „Gleiches Recht für Christen und Muslime“ verteidigte Jens Feld, der zuständige Referatsleiter der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, das im deutschen Grundgesetz garantierte Recht auf konfessionellen Religionsunterricht. Sein katholischer Kollege Eckhard Nordhofen vom Bistum Limburg sieht darin sogar eine „Totalitarismusbremse“. Keinesfalls sei Religionsunterricht ein Privileg der christlichen Kirchen, sondern verfassungsmäßiges Recht aller Religionen.

Wie wichtig ein solcher Unterricht für muslimische Kinder wäre, erläuterte die Lehrerin Lamya Kaddor, die in Nordrhein-Westfalen islamische Religionskunde unterrichtet. „Viele Kinder sagen zwar, dass sie stolz darauf sind, Muslime zu sein, aber von islamischer Ethik oder den Inhalten des Glaubens wissen sie fast nichts“, so ihre Erfahrung. In den Moscheegemeinden gehe es vor allem darum, Arabisch zu lernen und bestimmte Gebete und Rituale zu erlernen. Die Elternhäuser wiederum vermittelten vorwiegend kulturelle Traditionen, aber oft kein reflektiertes religiöses Wissen.

„Vor allem für Kinder aus bildungsfernen Schichten gibt es derzeit fast keine Möglichkeiten, religiöse Bildung zu bekommen“, kritisierte Kaddor. Es gebe daher so gut wie keine Abmeldungen aus dem Islamkundeunterricht. Kaddor hat ein Islam-Schulbuch für die 5. und 6. Klasse verfasst, weitere Bände für die höheren Jahrgangsstufen sind in Arbeit.

Für Heinz-Wilhelm Brockmann, der als Staatssekretär im Hessischen Kultusministerium mit der praktischen Umsetzung betraut ist, ist „Islamkunde“ als ein vom Staat selbst angebotenes Fach „nur die zweitbeste Lösung“. Immerhin schreibe das Grundgesetz eindeutig vor, dass die Inhalte nicht vom Staat, sondern von den Glaubensgemeinschaften selbst festzulegen sind. Allerdings ergeben sich dabei praktische Schwierigkeiten. Es gibt nämlich keine zentrale islamische „Kirche“ oder eine eindeutige „islamische Theologie“, sondern viele dezentrale Gemeinden, Vereine und Institutionen. Diese will Brockmann nun an einen „runden Tisch“ holen. Erfahrungen damit bringt er aus Niedersachsen mit, wo er in den vergangenen Jahren einen Schulversuch für islamischen Religionsunterricht an Grundschulen umgesetzt hat.

„Der moderne Staat muss ein Interesse daran haben, dass so wichtige weltanschauliche Gruppen wie die Muslime in die öffentlichen Diskussionen und Kontroversen einbezogen werden“, betonte Brockmann.

p(autor). Antje Schrupp

Artikelinformationen

Beitrag veröffentlicht am 1. April 2009 in der Rubrik Stadtkirche, erschienen in der Ausgabe .

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