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1. April 2009

Zwischen Zuckerwatte und Losbude

Konfirmation auf der Pony-Reitbahn, Gottesdienste im Autoscooter, seelsorgerliche Gespräche zwischen Zuckerwatte und Popcorn: Die Gemeinde von Christine Beutler-Lotz ist eine ganz besondere. Seit 1995 betreut die Pfarrerin der Evangelischen Schaustellerseelsorge in Hessen und Nassau die Reisenden der Jahrmärkte. Auch auf der Frankfurter Dippemess ist sie für das „fahrende Volk“ zuständig.

„Hallo Christine, wie geht’s dir?“ ruft die ältere Dame vom Wurfstand herüber, während sie die umgeworfenen Dosen sortiert. „Kommst Du nachher bitte mal rüber?“ Von der anderen Seite winkt eine blonde Frau mit einem hellen Holzstäbchen, bevor sie es in die rosa Zuckerwatte taucht. „Kann ich später mal mit dir reden?“ fragt die junge Frau. Pfarrerin Beutler-Lotz winkt fröhlich zurück und nickt, während sie weitergeht. „Hier kennt mich jeder“, erklärt sie lächelnd. „Ich bin Ansprechpartnerin für alles.“

!(rechts)2009/04/seite08_unten.jpg(Pfarrerin Christine Beutler-Lotz beim Rundgang durch ihre „Gemeinde“: Sie ist Seelsorgerin für die Familien hinter den „Buden“ auf hessischen Jahrmärkten. | Foto: Britta Jagusch)!

Der Gang über die Frankfurter Dippemess ist für Beutler-Lotz ein „Heimspiel“. Seit mehr als zwanzig Jahren betreut sie die Schaustellergemeinde, zunächst als Gemeindepädagogin, später als Pfarrerin. Ob in Frankfurt, Darmstadt, Mainz oder Worms, sie folgt ihren Gemeindemitgliedern durch das ganze Kirchengebiet, von Jahrmarkt zu Jahrmarkt. „Ich betreue aber alle Schausteller und Schaustellerinnen, gleich welcher Konfession.“ Dies seien rund 4000 Menschen, rund die Hälfte davon evangelisch.

„Bei meiner Arbeit spielt die Seelsorge eine große Rolle“, erklärt Beutler-Lotz, die selbst aus einer Schaustellerfamilie kommt. Sie weiß, dass im Leben zwischen Wohnwagen und Kirmesstand oft kaum Raum für Privatsphäre bleibt. „Deshalb sind die Menschen froh, wenn sie mit mir geschützt reden können.“ Neben Erziehungsfragen, Eheproblemen oder Streitereien zwischen einzelnen Familien ist Beutler-Lotz auch Ansprechpartnerin für praktische Belange wie die Vermittlung von Kinderbetreuung oder Hilfe bei der Pflege von Angehörigen. „Alles ist durch die Reisetätigkeit etwas komplizierter.“

Auch die Arbeit mit Konfirmandinnen und Konfirmanden muss anders gestaltet werden als in einer Gemeinde mit festem Standort. „Wir treffen uns nur an einigen Tagen und besuchen dann beispielsweise das Bibelhaus oder soziale Einrichtungen.“ Ansonsten bekommen die Jugendlichen Material zugesendet, das sie bearbeiten müssen. Alle besitzen auch eine Karte, auf der sie ihre Gottesdienstbesuche in den Städten, durch die sie kommen, eintragen müssen. „Schließlich haben wir keine eigene Kirche.“

Beutler-Lotz genießt die Arbeit mit dem Nachwuchs. Allein auf der Dippemess sind es rund dreißig Kinder zwischen 3 und 17 Jahren. „Die sind sehr aufgeschlossen und neugierig, auch auf kirchliche Themen.“ Beutler-Lotz organisiert für sie aber auch Ferienspieltage oder Fußballturniere mit ansässigen Vereinen.

Für die Erwachsenen werden regelmäßig Kirchencafés angeboten. Gottesdienste finden eher am späten Abend statt. „Dann erst kehrt hier Ruhe ein.“ Es sei „wunderbar, wie spontan die Menschen hier sind“, schwärmt Beutler-Lotz. „Geht nicht, gibt’s bei den Schaustellern nicht.“

So findet dann der Gottesdienst auch mal im Autoscooter statt oder die Konfirmation in der Manege der Pony-Reitbahn. „Für uns ist das das ganz normale Gemeindeleben.“

p(autor). Britta Jagusch

Artikelinformationen

Beitrag veröffentlicht am 1. April 2009 in der Rubrik Stadtkirche, erschienen in der Ausgabe .

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