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Von – 1. Mai 2009

Eins ist gleich drei

Nach dem Pfingstfest beginnt im Kirchenjahr die Trinitatis-Zeit. Trinitatis meint die „tri-unitas“, also die Drei-Einigkeit Gottes als Vater, Sohn und Heiliger Geist.

Ist es in einer am „Realismus“ klammernden Welt schon schwer genug, sich vorzustellen, dass Gott darin am Werk ist, so gibt erst recht die Rede von der Dreifaltigkeit Rätsel auf: Wie soll man sich logisch den einen Gott in drei Personen vorstellen, wo doch die Gleichung 3 = 1 offensichtlich mathematischer Blödsinn ist?

Im Dialog mit anderen Religionen, in denen nur ein einziger Gott verehrt wird, ist das ein Stein des Anstoßes, denn Vater, Sohn und Heiliger Geist werden leicht missverstanden als drei unterschiedliche „Götter“, was im Judentum wie im Islam eine unerträgliche Vorstellung ist.

Hinter dem christlichen Glauben an die Drei-Einigkeit steht die Erfahrung, dass sich ein und derselbe Gott in dreifacher Weise zeigt: Erstens als liebender Vater in der Schöpfung, wo er den Menschen als die Quelle allen Lebens begegnet, der eine Fülle von Lebensmöglichkeiten geschaffen hat, sodass Raum und Freiheit zu einem guten und gelingenden Leben gegeben ist. Zweitens in Jesus Christus, in dem Gott Menschen begegnet wie ein Mensch dem anderen. Gott legt durch seinen Sohn seinen Willen dar und lebt ihn vor, durch Jesus Christus baut Gott Brücken zur Gemeinschaft zwischen sich und den Menschen. Drittens zeigt sich Gott im Heiligen Geist, der die Menschen im Inneren stärkt, sodass sie ihre Freiheit behalten können, auch wenn ihnen Grenzen gesetzt sind, dass sie Freude empfinden können, wo sie nichts zu lachen haben, dass sie Hoffnung haben können, wo nichts zu sehen ist.

Man kann daher nicht sagen, dass Vater, Sohn und Heiliger Geist alle „dasselbe” sind. Sie wirken auf ganz unterschiedliche Weise, aber es ist jedes Mal Gott, der sich in diesen drei Personen zeigt. Deshalb können Christen und Christinnen aus vollem Herzen dem Satz aus der hebräischen Bibel zustimmen: „Höre, Israel, der Herr ist unser Gott, der Herr allein” (Deuteronomium 6,4).

Die Drei-Einigkeit Gottes leuchtet ein, wenn man sich ein anderes Phänomen vergegenwärtigt: Wasser hat drei so genannte Aggregatzustände, nämlich Dampf, Eis und das flüssige Nass. Lebenspraktisch ist es sinnvoll, die drei sorgfältig zu unterscheiden, und doch handelt es sich bei allen um Wasser. Trotz unterschiedlicher Eigenschaften besteht ihr gemeinsames Wesen aus der chemischen Formel H2O. Ebenso hat Gott drei Wirkweisen, und die drei sind wesensgleich.

 

Artikelinformationen

Beitrag von , veröffentlicht am 1. Mai 2009 in der Rubrik Gott & Glauben, erschienen in der Ausgabe .

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Wilfried Steller ist Theologischer Redakteur von "Evangelisches Frankfurt" und Pfarrer in Frankfurt-Fechenheim.

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