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1. Mai 2009

Erfolgsmodell mit kleinen Fehlern

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Was muss man tun, um Fledermäuse aus der Kirche zu verbannen? Richtig: Man muss sie konfirmieren. Dann kommen sie nicht mehr wieder. Kirchenvorstände finden diesen Witz nicht zum Lachen. Die Schuld, warum man Jugendliche nach der Konfirmation nur selten in den Gemeinden sieht, suchen sie entweder bei den Unterrichtenden, oder sie unterstellen, dass der Kurs nur wegen des Geldes und der Geschenke besucht wird.

Eine groß angelegte Studie der Universität Tübingen macht nun Schluss mit solchen Pauschalurteilen. In der Tat sind es Geschenke und Geld, die „ziehen“, aber auch anderes: Das Konfirmationsfest mit dem Segensempfang hat für die Jugendlichen eine sehr hohe Bedeutung, das Zusammensein mit Gleichaltrigen ist wichtig, und sie erwarten, mehr über Gott und den Glauben zu erfahren. Nur eine Minderheit kommt wegen der Tradition.

Im Kurs selbst machen die Jugendlichen überwiegend positive Erfahrungen. Inhaltlich bleibt eine ganze Menge hängen, die Glaubenshaltung erfährt eine Aufwertung, die Bindung an die Kirche verbessert sich. Allerdings heißt das nicht, dass die Jugendlichen auch die kirchlichen Lehren (wie die Zehn Gebote) annehmen oder an Bauwerken hängen. Mehr Mitbestimmung bei den Themen wäre gut (zum Beispiel „Freundschaft“) und mehr Informationen über andere Religionen und Glaubensrichtungen.

Allerdings: Waren die Jugendlichen vorher schon skeptisch gegenüber dem Nährwert von Gottesdiensten, so fanden sie die hinterher erst recht langweilig – die Predigten sprechen sie nicht an, die Musik entspricht nicht ihrem Geschmack. Sehr krass ist auch ihr Urteil über das Seelsorgeangebot: Kaum jemand würde bei persönlichen Problemen eine Pfarrperson aufsuchen.

Insgesamt bewertet die Studie den Konfirmationsunterricht als Erfolgsmodell. Die Lehrenden sollte das Ergebnis ermutigen, sich noch mehr auf diese Altersgruppe einzustellen. Vor allem aber muss die Gemeinde ihren Heranwachsenden mehr Ansehen und Wertschätzung entgegenbringen, anstatt sie von vornherein abzuschreiben und nur auf Disziplin zu pochen.

Und wie ist es nun mit dem Wiederkommen? Dazu stellt die Studie fest, dass das Interesse der Jugendlichen an gemeindlicher Jugendarbeit tatsächlich zurückhaltend bis abwartend ist. Aber wiederkommen wollen sie dennoch: Fast siebzig Prozent wollen später auf jeden Fall die eigenen Kinder taufen lassen, und noch einmal zwanzig Prozent sind dem nicht abgeneigt.

p(autor). Wilfried Steller

Artikelinformationen

Beitrag veröffentlicht am 1. Mai 2009 in der Rubrik Meinungen, erschienen in der Ausgabe .

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