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1. Mai 2009

„Noch immer Männerkirche“

p(einleitung). Bärbel Wartenberg-Potter über Visionen und Aufbrüche

Obwohl sie sich zur Gleichberechtigung der Geschlechter bekennt und Frauen zu allen Ämtern zulässt, ist auch die evangelische Kirche „noch eine Männerkirche“, meint Bärbel Wartenberg-Potter. Die ehemalige Bischöfin der nordelbischen Landeskirche, die seit einigen Monaten im Ruhestand ist, sprach vor rund fünfzig Theologinnen beim Pfarrerinnentag im evangelischen Frauenbegegnungszentrum am Römerberg über Visionen für „eine Kirche, die wir lieben können“.

!(rechts)2009/05/seite10_unten.jpg(Bärbel Wartenberg-Potter bei ihrem Vortrag im evangelischen Frauenbegegnungszentrum. | Foto: Antje Schrupp)!

Die große Hoffnung vieler Frauen auf eine tiefgreifende Veränderung kirchlicher Strukturen habe sich bislang kaum erfüllt. „Wir wollten nicht einfach ein größeres Stück vom Kuchen, wir wollten einen anderen Kuchen“, erinnerte Wartenberg-Potter an die Aufbrüche vor dreißig Jahren. Als Bischöfin habe sie letztlich „bei einem Spiel mitgespielt, dessen Regeln nicht meine waren“, so ihre zwiespältige Bilanz.

Zwar hätten Frauen viele gute Projekte und Initiativen erfolgreich etabliert und leisteten als Pfarrerinnen in ihren Gemeinden wertvolle Arbeit. Doch werde dies von der Gesamtkirche wenig beachtet. Frauen, die eine veränderte Kirchenpraxis erproben, seien „immer noch in den Nischen“, während der kirchliche Mainstream, „von einigen symbolischen Figuren wie uns Bischöfinnen abgesehen“, weiterhin von männlichem Blick dominiert sei.

Scharf kritisierte Wartenberg-Potter die derzeitigen Diskussionen über die zukünftige Entwicklung der Kirche. Programmatische Texte wie das Zukunftspapier „Kirche der Freiheit“ seien von einer „Sprache der Organisationssoziologie und des Marktes“ geprägt, wenn etwa der „Geist des Wettbewerbs und des Wachstums“ hochgehalten werde. Hier werde deutlich, wie sehr sich der gesellschaftliche Trend einer „Ökonomisierung aller Lebensbereiche ohne Rücksicht auf menschliche Bedürfnisse“ auch in der Kirche bereits ausgebreitet habe.

Ein Wachstumsdenken, das Erfolg an steigenden Besuchszahlen in Gottesdiensten festmacht und nicht danach fragt, „ob wir als Kirche überhaupt noch brauchbar sind“, sei „nur scheinbar missionarisch“, so Wartenberg-Potter. Ihre jüngeren Kolleginnen forderte die 65 Jahre alte Vordenkerin der feministischen Theologie auf, im Einsatz für ihre Visionen nicht nachzulassen: „Wir sind als Kirche kein Traditionspflege-Verein, sondern ein Ort der Sinnstiftung.“ Die Zähigkeit, mit der Veränderungen vorangehen, seien zwar manchmal frustrierend, aber kein Grund zur Resignation.

Dass durchaus viele Veränderungsprozesse bereits in Gang gekommen sind, seit Frauen in kirchlichen Ämtern vertreten sind, betonte beim Pfarrerinnentag die stellvertretende Kirchenpräsidentin von Hessen und Nassau, Cordelia Kopsch. „Was uns in diesen Leitungsämtern am meisten nervt, ist, dass viele gute Ideen in einer Endlosschleife von Verfahrensweisen versickern.“ Sie wolle sich dafür einsetzen, dass die oft sehr bürokratischen Entscheidungsprozesse „menschenfreundlicher und der Sache angemessener“ werden.

p(autor). Antje Schrupp

Artikelinformationen

Beitrag veröffentlicht am 1. Mai 2009 in der Rubrik Stadtkirche, erschienen in der Ausgabe .

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