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1. Juli 2009

High-Tech trifft Tradition

p(einleitung). Reiner Genz bringt in der Christuskirche Orgelvielfalt zu Gehör

Ein wenig versteckt liegt sie, die Christuskirche im alten Kern von Nied. Aber wer sich den Weg zum Gotteshaus sucht, wird belohnt, denn es ist eine der wenigen Frankfurter Kirchen, die reinen Jugendstil mit rosa getünchten Wänden vorweisen. Und ein wahres Schmuckstück ist die Orgel, die 1907 eigens nach den architektonischen Eigenheiten in das Kirchengebäude eingebaut wurde und heute um ein Beträchtliches wertvoller ist als damals.

!(rechts)2009/07/seite10_unten.jpg(Experimentiert gerne mit den klang­lichen Möglichkeiten der Orgel: Reiner Genz ist Dekanatskirchenmusiker in Frankfurt-Höchst. | Foto: Ilona Surrey)!

„Die Orgel, deren Pfeifenmaterial und deren Lade hundertprozentig erhalten sind, stellt sozusagen die Mercedes E-Klasse ihrer Gattung dar“, schwärmt Organist Reiner Genz, Dekanatskirchenmusiker mit B-Diplom, der Meisterkurse an Musikhochschulen in Straßburg, Paris und Zürich bei bedeutenden Musikprofessoren absolviert hat. In Nied zeichnet er nicht nur für die musikalische Gottesdienstgestaltung verantwortlich, sondern betreut auch Chorprojekte und ist musikpädagogisch tätig.

„Die im Original erhaltene Orgel lag lange Jahre im Dornröschenschlaf“, informiert Genz, dessen Engagement es zu verdanken ist, dass das Instrument, das mit strengen Auflagen des Denkmalschutzes versehen ist, mit seiner gewaltigen zweimanualigen Anlage und insgesamt 28 klingenden Registern wieder in Gebrauch ist. Improvisierend über den Bach-Choral „Jesus bleibet meine Freude“ demonstriert der Musiker die Klangvielfalt der Orgel, die eine Vielzahl von Registerfarben aufweisen kann. Genz bevorzugt die Orgelliteratur der französischen Romantiker und von Komponisten wie Widor, Jean Alain und Dupré, legt aber auch schon mal eine Partitur des amerikanischen Minimalisten Philip Glass auf und hat dessen Klavierstück „Mad Rush“ für Orgel adaptiert.

Der neueste Coup ist die kostenintensive Bestückung der Orgel mit einem sogenannten Midi-File-Player mit digitaler Steuerung, was die ohnehin schon immensen Klangmöglichkeiten der Orgel um ein Vielfaches erweitert. „Das ist geballte High-Tech“, kommentiert Genz die mit aufwändiger Technik bestückte Gerätschaft, die aber keinesfalls die Pneumatik der Orgel beeinflusst. So wird es nun dem Organisten ermöglicht, ein Stück auf einen Midi-Stick, wie er heute zu jedem Computer gehört, zu speichern, das dann jederzeit abrufbereit ist. So kann man problemlos mit sich selbst ein Duett spielen.

„Im Grunde genommen braucht man auf diese Weise keinen Organisten mehr“, erklärt Genz, der sich aber selbstverständlich nicht selbst arbeitslos machen will und die technischen Möglichkeiten immer noch studieren muss, um alle klanglichen Facetten auszuloten.

Nach der kriegsbedingten Zerstörung der großen Frankfurter Kirchen in der Innenstadt diente die Christuskirche mit ihrer Orgel bis 1955 der Orgelklasse der Frankfurter Musikhochschule als Unterrichts-Refugium. Mit ihrer regen Kirchenmusikarbeit in der Gemeinde, die Aufführungen von Musicals, Sakro-Pop-Projekte, Chor-Konzerte oder auch Kammermusik umfasst, ist die Christuskirche ein Frankfurter Zentrum engagierter geistlicher Tonkunst.

p(autor). Joachim Schreiner

Artikelinformationen

Beitrag veröffentlicht am 1. Juli 2009 in der Rubrik Menschen, Stadtkirche, erschienen in der Ausgabe .

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