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1. Juli 2009

Hochzeit trotz anderer Religion

p(einleitung). Expertinnen sehen gute Chancen für christlich-muslimische Ehen

Übereinstimmung im Glauben ist kein Garant für eine glückliche Ehe. Die Hauptprobleme in Beziehungen resultieren nach Erfahrung der Paar- und Familientherapeutin Malika Laabdallaoui „meistens nicht aus den Unterschieden in Religion und Kultur“. Die würden allerdings gerne verantwortlich gemacht, wenn man im Alltagsleben nicht zusammenpasst oder es an der Liebe fehlt. Für die Psychologin, die praktizierende Muslima ist und einen deutschen Christen geheiratet hat, ist „im Grunde jede Ehe bikulturell“.

Laabdallaoui war eine der Expertinnen bei einer Podiumsdiskussion zum Thema „Wenn Muslime und Christen heiraten“. Dazu hatten die Kirchengemeinden in Nied im Rahmen der diesjährigen „Christlich-Islamischen Woche der Begegnung“ eingeladen. Auch die evangelische Pfarrerin Susanna Faust sah Ehen über Religionsgrenzen hinweg positiv. Sie kenne „viele gelungene Beispiele“. Konfliktpotential sieht die Beauftragte für Interreligiöse Fragen der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau vor allem in Erziehungsfragen. Es sei „ganz normal, dass man den Kindern das weitergeben will, was man selbst an Positivem aus der Religion bezieht“. Sich hier zu einigen, sei zwar nicht einfach, doch gebe es durchaus Lösungswege.

Ruth Bornhofen-Wentzel, Referentin vom Psychologischen Beratungsdienst des katholischen Bistums Limburg, setzt dabei auf Gesprächsbereitschaft: „Wer multireligiös heiratet, hat sich ohnehin für Dialog und Offenheit entschieden.“ Die christlichen Kirchen hätten in dieser Hinsicht einen enormen Wandel vollzogen. Noch ihre Großmutter hätte „niemals einen evangelischen Ehepartner über die Schwelle gelassen“. Auch die Vorbehalte gegen christlich-muslimische Ehen werden ihrer Ansicht nach allmählich schwinden. Jedoch werde die katholische Kirche die Ehe stets als Sakrament und unauflöslichen Bund betrachten. In dieser Hinsicht seien die Evangelischen den Muslimen näher als den Katholiken – nach Ansicht von Pfarrerin Faust ist das Eheverständnis im Protestantismus und im Islam „nahezu deckungsgleich“: Hier wie dort werde die Ehe als Verbindung begriffen, die, falls sie scheitert, wieder gelöst werden kann.

Ob vor den Traualtären deshalb mehr evangelisch-muslimische als katholisch-muslimische Paare stehen, wurde wohl noch nicht untersucht. Belegt ist hingegen, dass in Deutschland die Anzahl multireligiöser Ehen seit Jahren kontinuierlich steigt. Während das vom Podium begrüßt wurde, kamen aus dem Publikum auch Einwände wie der, unterschiedliche Glaubensauffassungen verhinderten, dass man sich wirklich versteht. Außerdem gehe es für Muslime nicht allein um das persönliche Glück zweier Menschen, sondern um das ganzer Familien.

Solche Bedenken hält Malika Laabdallaoui zwar für nachvollziehbar, in pluralistischen Gesellschaften stünden sie aber im Gegensatz zur Realität. Man müsse deshalb offen über multireligiöse Ehen diskutieren und nach Lösungen suchen: „Wir können von unseren Töchtern nicht erwarten, dass sie sich nicht in christliche Männer verlieben.“

p(autor). Doris Stickler

Artikelinformationen

Beitrag veröffentlicht am 1. Juli 2009 in der Rubrik Stadtkirche, erschienen in der Ausgabe .

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