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1. Juli 2009

Zeitreise in die Fünfziger

Licht und Schatten, die alltäglichen Träume und Sehnsüchte der Menschen wurden plastisch und lebendig: In der Neuen Nicolaikirche im Ostend unternahmen Konfirmandinnen und Konfirmanden eine Zeitreise in die Fünf­ziger Jahre. Allerlei Dinge hatten sie organisiert, die damals in fast jedem Haushalt zu finden waren: die robuste Blechmilchkanne für den täglichen Einkauf, eine mechanische Kaffeemühle aus Holz, Goldrandgeschirr mit Blüm­chendekor, bunte Partygläser im goldfarbenen Ständer und die obligatorische, selbstgestickte Halbschürze für die Küche. Auch eine alte „Adler“, die damals weitverbreitete Kofferschreibmaschine mit dem harten Anschlag, fehlte nicht in der Sammlung.

!(kasten)2009/07/seite09_mitte.jpg(Helga Trösken fachsimpelte mit Jugendlichen aus der St. Nicolaigemeinde über die fünfziger Jahre. Die Gemeinde feiert in diesem Jahr das 50. Jubiläum ihrer neuen und das 100. Jubiläum ihrer ersten Kirche. | Foto: Rolf Oeser)!

„Wir wollten wissen, wie die Menschen im Nachkriegsdeutschland gelebt haben“, begründet Enrico, einer der Kon- firmanden, das Projekt. Die Jugendlichen befragten dazu ihre Großeltern, ältere Gemeindemitglieder und als prominente Zeitzeugin die frühere Pröpstin Helga Trösken. Die Theologin im Ruhestand ging in den fünfziger Jahren auf die Herderschule im Ostend und wurde 1956 in der Melanchthonkirche konfirmiert.

„Fünfzig Konfirmanden waren wir damals“, erzählte Trösken. Es habe ein strenger, autoritärer Ton geherrscht. Politische Fragen oder den Zweiten Weltkrieg hätten sie im Konfirmandenunterricht nie thematisiert. „Anders war es in der Schule“, erinnert sich die Theologin. „Mit unserer engagierten Religionslehrerin diskutierten wir zum Beispiel über Kirchenpräsident Martin Niemöller, der sich damals sehr deutlich gegen die Wieder­aufrüstung aussprach“, so Trösken. „Als er dafür heftig politisch angegriffen wurde, schickten wir ihm einen Solidaritätsbrief.“ Und ein wenig stolz ergänzt sie, dass damals prompt ein persönliches Antwortschreiben zurückkam.

„Diese Erlebnisse prägten mich“, resümierte Trösken diese widersprüchliche Zeit, an die sich viele Ältere noch lebhaft erinnerten. „Eine längst vergangene Epoche wurde lebendig, auch für unsere Jugendlichen“ bilanzierte Pfarrerin Sabine Drescher-Dietrich.

In diesem Sommer feiert die Nicolai-Gemeinde ein Doppeljubiläum: Vor 100 Jahren, im Jahr 1909, wurde die erste Nicolaikirche am Standort Waldschmidtstraße/Ecke Rhönstraße eingeweiht, 1959 dann das heutige Gebäude. Von der alten Kirche war in der Bombennacht im Oktober 1943 nur der Turm stehen geblieben. Eine Festschrift zur Geschichte der Gemeinde kostet 12 Euro und ist im Evangelischen Info-Center am Börneplatz erhältlich.

p(autor). Gisela Pagés

Artikelinformationen

Beitrag veröffentlicht am 1. Juli 2009 in der Rubrik Stadtkirche, erschienen in der Ausgabe .

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