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1. Oktober 2009

Krieg oft sexualisiert

p(einleitung). Frauen fehlen bei internationalen Konferenzen

In Ruanda wurden während des Völkermordes 1994 schätzungsweise eine halbe Million Frauen vergewaltigt. In Sierra Leone traf es fast jede Flüchtlingsfrau. Für Selmin Çaliskan von der Frauen- und Menschenrechtsorganisation „medica mondiale“ ist spätestens seit dem Bosnienkrieg klar, „dass man im Krieg Vergewaltigung systematisch einsetzt, um Gegner zu demütigen, die eigenen Soldaten bei der Stange zu halten und Menschen zu vertreiben.“ Strafrechtliche Konsequenzen zögen diese Verbrechen allerdings nur selten nach sich.

In ihrem Vortrag im Evangelischen Frauenbegegnungszentrum bezeichnete Çaliskan die ausbleibende Verfolgung von Vergewaltigern als „eines der größten Probleme“. Auch im internationalen Völkerrecht sei sexualisierte Gewalt noch nicht als Straftatsbestand verankert. Da zum Beispiel im Kongo trotz demokratischer Strukturen die Täter auf Straflosigkeit setzen können, fielen Frauen tagtäglich den Übergriffen von Soldaten, Milizen, marodierenden Banditen und sogar internationalen Streitkräften zum Opfer. In jüngster Zeit seien auch zunehmend Männer betroffen. Çaliskan hält es für dringend geboten, das Thema zu enttabuisieren und stärker auf die Einhaltung internationaler Verpflichtungen zu pochen. Sexualisierte Gewalt transportiere sich ansonsten von Generation zu Generation und fasse auch in Dorfgemeinschaften und in Familien Fuß.

Bislang sind es vor allem Hilfs- und Nichtregierungsorganisationen, die in Krisenregionen den Frauen Rechtsbeistand leisten und für die medizinische Behandlung und die psycho-soziale Begleitung der meist schwer traumatisierten Opfer sorgen. Die 1993 von der Frauenärztin Monika Hauser gegründete und mit dem alternativen Nobelpreis ausgezeichnete Organisation „medica mondiale“ hat etwa in Bosnien Entschädigungszahlungen an vergewaltigte Frauen sowie Renten für Kriegsinvalidinnen erstritten. Im Kongo kooperiert sie mit einer lokalen Frauenrechtsorganisation, die ein Frauenhaus und eine Telefonhotline unterhält.

Insgesamt hält es Çaliskan für notwendig, die Spitzen von Friedensmissionen mit mehr Frauen zu besetzen. Frauen seien bei der Konfliktprävention, Konfliktlösung und Friedenskonsolidierung oft wichtige Schlüsselpersonen. Es sei daher falsch, Friedensverhandlungen nur unter Männern zu führen – was sowohl an nationalen, aber auch internationalen Verhandlungstischen noch immer die Regel sei. Auch humanitäre Organisationen konferierten vor Ort fast ausschließlich mit Männern.

p(autor). Doris Stickler

Artikelinformationen

Beitrag veröffentlicht am 1. Oktober 2009 in der Rubrik Stadtkirche, erschienen in der Ausgabe .

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