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1. Oktober 2009

„Sitzungen nur bis zehn Uhr“

p(einleitung). Rita Meinecke ist Gerichtspräsidentin und Kirchenvorsteherin

In den hohen Räumen des Altbaus im Frankfurter Nordend wirkt sie noch zierlicher und gar nicht so, wie man sich die Chefin eines großen Gerichts vorstellt. Rita Meinecke ist seit 2007 Präsidentin des Frankfurter Sozialgerichts. Ihre Antworten sind nachdenklich, und doch ist in jedem Satz, in jedem Wort etwas von der Kraft einer Frau zu spüren, die genau weiß, was sie will.

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So räumt Meinecke gleich mit einem Vorurteil auf. „Wir sind nicht die Sozialtanten der Nation, sondern wir sprechen Recht bei strittigen Fragen der Rentenversicherung, Krankenversicherung, Arbeitslosenversicherung, auch bei Fragen des Elterngelds, und des Schwerbehinderten- und Versorgungsrechts.“ Auch alle Streitigkeiten rund um das Arbeitslosengeld II, auch Hartz IV genannt, gehören dazu. Beide Begriffe mag die Richterin nicht. „Hier geht es um Grundsicherung und nicht um eine Leistung aus der Arbeitslosenversicherung.“

Rita Meinecke ist im katholischen Hildesheim aufgewachsen. Ihre Mutter wurde bei der Heirat mit einem Protestanten evangelisch. Es war selbstverständlich, dass die Tochter in die Jungschar der Gemeinde und später auch zum Flötenkreis ging. In Hildesheim war man kirchlich, gleich ob evangelisch oder katholisch.

Als Tochter von Gewerbetreibenden wusste Rita Meinecke, dass der Beruf auch seine Frau ernähren muss. „Mir war wichtig, einen Beruf zu finden, mit dem man Geld verdienen kann.“ Einige Semester Sozialwissenschaften eröffneten da keine Perspektive. Es blieb die Jurisprudenz.

Geblieben ist aber auch die Liebe zur Kunstgeschichte und zur Archäologie. „In Hildesheim gibt es ein wunderbares ägyptisches Museum. Da habe ich in den Semesterferien gejobbt.“ Während sie das erzählt, entdeckt man jenes Funkeln in den Augen, das die Begeisterung verrät.

Gerne hätten sie es in Hildesheim gesehen, wenn Rita Meinecke geblieben wäre. Über der elterlichen Bäckerei im Zentrum der Stadt wären auch für die junge Juristin Räume für eine Anwaltskanzlei gewesen. Und da sie als Tochter von Selbstständigen früh auf eigenen Beinen stand, war das durchaus eine reizvolle Option. Doch schließlich zog es sie aus persönlichen Gründen nach Gießen. In der mittelhessischen Kleinstadt übernahm sie das Richteramt am So­zialgericht.

Mit der Karriere ging es dann steil bergauf: Landessozialgericht, später Direktorin des Sozialgerichts in Darmstadt. Und jetzt Frankfurt. In den vergangenen 18 Monaten hat sie den Umzug des Gerichts in die Gutleutkaserne organisiert, bei laufendem Betrieb. Zur Zeit sind 10?000 Verfahren anhängig. Und wenn man weiß, dass Gerichtsakten 30 Jahre aufbewahrt werden müssen, ahnt man, welche Leistung hier vollbracht wurde.

Kirche und kirchliches Engagement lagen Rita Meinecke nicht fern. „Aber es bedurfte des Anstoßes.“ Der Anstoß kam über den evangelischen Kindergarten. Die junge Mutter engagierte sich und wurde gefragt, ob sie im Kirchenvorstand mitarbeiten will. Das war vor zwölf Jahren. Auch für die nächste Wahlperiode steht sie der Katharinengemeinde zur Verfügung. Darüber hinaus gehört sie dem Dekanatssynodalvorstand, dem Satzungs- und Geschäfts­ordnungsausschuss und der Kindertagesstätten-Kommission des Evangelischen Regionalverbandes an. Doch ihre Passion bleibt der Kindergarten. „Die Arbeit mit Kindern ist die Zukunft der Kirche. Auch für den neuen Kirchenvorstand konnten Mitglieder aus der Elternschaft gewonnen werden.“

Von der Kirche wünscht sich Meinecke, dass sie schonender mit der Zeit der Ehrenamtlichen umgeht. „Als der Dekan mich fragte, ob ich bereit wäre, mich in den Dekanatssynodalvorstand wählen zu lassen, sagte ich: Nur wenn die Sitzungen um zehn Uhr beendet sind.“

p(autor). Kurt-Helmuth Eimuth

Artikelinformationen

Beitrag veröffentlicht am 1. Oktober 2009 in der Rubrik Menschen, erschienen in der Ausgabe .

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