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Von – 29. November 2009

Nicht ohne Ochs und Esel

In kaum einer Darstellung der Weihnachtskrippe fehlen Ochse und Esel, obwohl im Weihnachtsevangelium selbst gar keine Rede davon ist. Um diesem Geheimnis auf die Spur zu kommen, muss man sich zunächst klarmachen, dass der Evangelist Lukas keinen historischen Bericht über die Geburt Jesu abgefasst hat. Er kleidet vielmehr die Wahrheit, dass Gott ausgerechnet zu den kleinen Leuten kommt und in deren normalen Alltag hineingeboren wird, in eine kleine, aber tiefgründige Geschichte mit einer Vielzahl theologischer Aussagen über Jesus.

Andere nach ihm haben diese Geschichte dann um zusätzliche erzählerische und geistliche Finessen bereichert, zum Beispiel um die Herbergssuche, die im Bibeltext mit keinem Wort erwähnt ist, aber vorwegnimmt, dass Jesus mit seiner Botschaft gerade von den Etablierten und Oberen seiner Religion nicht angenommen wurde. So offenbart die Geburtsgeschichte zwischen den Zeilen mehr über Jesus als in der literarisch konstruierten Schilderung der äußeren Abläufe.

Auch Tiere als Bewohner des Stalls sind in der Bibel nicht erwähnt; es liegt daher nahe, den Stall zu füllen. Ochse und Esel passen ohnehin gut hinein und dienen obendrein der weiteren geistlichen Vertiefung – und das gleich in mehrfacher Hinsicht. Im Zusammenhang mit einer Krippe werden sie beim Propheten Jesaja erwähnt (1,3): „Ein Ochse kennt seinen Herrn und ein Esel die Krippe seines Herrn“ – im Gegensatz zum Gottesvolk, das sich immer wieder von Gott lossagt. Ochse und Esel werden so zu vorbildlichen und treuen Bekennern und zugleich zu Anklägern derer, die sich dem Christenglauben nicht anschließen können.

Nicht weit davon entfernt liegt die Franziskanische Tradition. Hier stehen Ochse und Esel für das gesamte Tierreich und huldigen stellvertretend dem Erlöser, wie es die gesamte Schöpfung einst tun wird. Sodann steht der Ochse als koscheres Tier fürs Judentum und der Esel als nicht koscheres fürs Heidentum, will sagen: Juden wie Heiden gehören zum Volk Gottes. Der Esel als dienendes Tier weist außerdem auf das Dienen Jesu, der Ochse als Opfertier auf dessen Kreuzestod. Und schließlich repräsentieren Ochse und Esel die Nutztiere des Menschen, die oft schlecht behandelt werden. Aufgrund ihrer Zeugenschaft an der Krippe erhalten sie eine eigene Würde und protestieren aus dem Stall heraus gegen das Leid der Tiere.

In der Gegenwart sind die meisten der symbolischen Deutungen bereits verblasst, und Ochse und Esel sind zu folkloristischen Elementen degeneriert, obwohl sie doch eigentlich so viel zu „sagen“ haben.

 

Artikelinformationen

Beitrag von , veröffentlicht am 29. November 2009 in der Rubrik Gott & Glauben, erschienen in der Ausgabe .

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Wilfried Steller ist Theologischer Redakteur von "Evangelisches Frankfurt" und Pfarrer in Frankfurt-Fechenheim.

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