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1. Februar 2010

Nähen, verkaufen, qualifizieren

p(einleitung). Mode-Kreativ-Werkstatt schafft hochwertige Kleidung für Arme

Ob schicke Kostüme, bunte Blusen, warme Mäntel, Pullover oder T-Shirts, in dem kleinen Secondhandgeschäft im Nordend ist die Auswahl groß. In Glasvitrinen stehen selbstgenähte Handpuppen und Kosmetiktaschen, auch Kinderkleidung ist im Angebot. An drei Tagen in der Woche können Kundinnen mit Frankfurt-Pass oder Bezieherinnen von Arbeitslosengeld II dort einkaufen.

In der ersten Etage gleich über dem Geschäft sitzen drei Frauen konzentriert über ihre Nähmaschinen gebeugt. Unter Anleitung von Schneiderin Maren Kuth-Zingelmann entstehen hier die Produkte, die im Laden angeboten werden. Darüber hinaus werden Änderungen und Ausbesserungen von Jacken, Hosen, Röcken übernommen. In den Nebenräumen stapeln sich Schachteln mit Stoffen, Knöpfen und Reißverschlüssen.

!(kasten)2010/02/seite10_mitte.jpg(Mitarbeiterinnen der Mode-Kreativ-Werkstatt nähen gespendete Kleidung zu schicken Sachen um. Verkauft werden sie an Kundinnen mit Frankfurt-Pass im Shop in der Rohrbachstraße 54, der dienstags, donnerstags und freitags von 10 bis 15 Uhr geöffnet ist. | Foto: Britta Jagusch)!

Die Mode-Kreativ-Werkstatt ist ein Projekt der Frankfurter Diakonie, das finanziell schlechter gestellten Menschen eine Möglichkeit bietet, sich insbesondere für Vorstellungsgespräche oder den Arbeitsalltag einzukleiden. Hochwertige Kleidungsstücke werden von Unternehmen und Privatpersonen gespendet und in der Nähwerkstatt umgearbeitet.

„Wir wollen aber nicht nur ärmere Menschen unterstützen, sondern auch neue arbeitsmarkt- und beschäftigungspolitische Akzente setzen“, betont Pfarrer Michael Frase, der Leiter des Diakonischen Werks für Frankfurt. Daher biete das Projekt nicht nur klassische Arbeitsgelegenheiten im Rahmen der Hartz-IV-Gesetze, sondern eine zusätzliche fachliche Qualifizierung.

Die 16 Frauen, die im Kreativ-Team arbeiten, waren vorher schon seit längerer Zeit arbeitslos. In der Maßnahme lernen sie nicht nur alles rund ums Nähen, sondern auch die Arbeit im Einzelhandel kennen – etwa über Praktikumsplätze, für die ein Frankfurter Warenhaus als Kooperationspartner gewonnen wurde. „Darüber vermitteln wir Schlüsselqualifikationen, die für den Arbeitsalltag wichtig sind“, erläutert Sozialarbeiterin Monika Hoffmann. Nach langer Arbeitslosigkeit müssten sich viele erst wieder an geregelte Abläufe und die Arbeit in einem Team gewöhnen. Die Warteliste beim Rhein-Main-Jobcenter, das die Frauen vermittelt und die Maßnahme zu zwei Dritteln finanziert, ist lang. Seit vergangenem September wird das Projekt auch vom Europäischen Sozialfonds unterstützt. Die EU-Förderung ermöglichte eine Aufstockung der Plätze von früher 6 auf 16. „Dafür war unser altes Domizil im Zentrum für Frauen am Zoo zu eng“, sagt Hoffmann. Im Dezember wurden die großen und hellen neuen Räume in der Rohr­bachstraße eingeweiht.

Dort erstreckt sich die Mode-Kreativ-Werkstatt über drei Etagen. Unterstützung erhält das Projekt von verschiedenen Banken sowie einer Personalberatungsgruppe, die in Zukunft auch Bewerbungscoaching anbieten will. „Ich bin jedenfalls froh, dass ich wieder etwas tun kann“, sagt eine Teilnehmerin. „Mir ist zu Hause die Decke auf den Kopf gefallen.“ Ihre Sitznachbarin nickt. „Ja, es ist toll, wieder etwas zu lernen und etwas herzustellen.“ Bei allen Frauen ist die Hoffnung, wieder einen Job zu finden, ein Stückchen näher gerückt.

p(autor). Britta Jagusch

Artikelinformationen

Beitrag veröffentlicht am 1. Februar 2010 in der Rubrik Stadtkirche, erschienen in der Ausgabe .

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