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Von – 1. April 2010

Der ungläubige Thomas: Gewährsmann für Skeptische

Ganz zu Unrecht hat der Jünger Thomas einen schlechten Ruf. Man gab ihm den Beinamen „Ungläubiger”, weil er nicht so einfach glauben konnte, was ihm die anderen erzählten: dass Jesus nicht tot sei, sondern auferstanden.

Durch die fest verschlossenen Türen ihres Versammlungsraumes sei Jesus getreten, berichteten die Jünger, und er habe zu ihnen gesagt: „Friede sei mit euch”. Thomas vermutet, die anderen könnten Opfer einer Halluzination oder Sinnestäuschung geworden sein. Er will Jesus mit eigenen Augen sehen, will die Finger in dessen Wunden legen. Dann erst ist er bereit, zu glauben, dass Jesus wirklich auferstanden ist und auf eine neue Weise lebt. Und tatsächlich geht sein Wunsch in Erfüllung. Jesus kommt noch einmal in den verschlossenen Raum, grüßt die Versammelten und wendet sich dann gleich an Thomas: „Reiche deinen Finger her und sieh meine Hände, und reiche deine Hand her und lege sie in meine Seite, und sei nicht ungläubig, sondern gläubig!” Thomas ist von Jesu plötzlicher Gegenwart so überwältigt, dass er der Fingerprobe gar nicht mehr bedarf und nur noch bekennen kann: „Mein Herr und mein Gott!”

Jesus sagt daraufhin: „Weil du mich gesehen hast, Thomas, darum glaubst du. Selig sind, die nicht sehen und doch glauben!” Es sind diese beiden Sätze, die Thomas auf den ersten Blick als ungenügend erscheinen lassen: Er kann nur glauben, was er gesehen hat, aber der wahre Christ glaubt, ohne etwas zu sehen oder gar zu hinterfragen.

Kritischer Zweifel und bohrende Nachfragen sind erlaubt

Doch auf den zweiten Blick sagen die Sätze etwas völlig anderes. Jesus selbst findet nämlich offenbar gar nichts Erbärmliches am Ansinnen des Thomas. Er kommt ja extra für ihn noch ein zweites Mal in den Kreis und fordert ihn ausdrücklich auf, die Wunden zu betasten. Jesus hat Verständnis dafür, dass Thomas ein Problem mit der Auferstehung hat. Der kritische Zweifel ist erlaubt, auch die bohrende Nachfrage. Aber Jesus stellt Thomas vollkommen zufrieden; und dieser wird der letzte Mensch, der den Auferstandenen selbst gesehen hat.

Der Satz „Selig sind, die nicht sehen und doch glauben” ist überhaupt nicht kritisch gegenüber Thomas gemeint, sondern beschreibt einfach eine Tatsache: Als der Evangelist Johannes die Geschichte aufschreibt, sind seit Jesu Tod bereits gut sechzig Jahre vergangen. Die unmittelbare Zeugenschaft, wie sie als Letztem Thomas vergönnt war, ist unmöglich geworden. Man kann dem Auferstandenen nun nicht mehr die Finger in die Wunden legen.

Thomas wurde zum Gewährsmann für die Auferstehung

Umso wichtiger ist für die später Geborenen dessen Glaubenszeugnis. Denn so wissen alle, die genauso skeptisch sind, dass der Gekreuzigte und Auferstandene wirklich und wahrhaftig anwesend war. Nur weil Thomas beharrlich und offensiv darauf gedrängt hat, ist es zu dieser letzten Erscheinung gekommen. Und so ist Thomas gerade gegenüber den Skeptikerinnen und Skeptikern zum Gewährsmann für die Auferstehung geworden. Was Jesus hier sagt, ist: „Selig sind, die sich auf das Zeugnis des Thomas verlassen und die Auferstehung für wahr halten, auch wenn sie selbst nicht mehr sehen können, was er sah.“

Artikelinformationen

Beitrag von , veröffentlicht am 1. April 2010 in der Rubrik Gott & Glauben, erschienen in der Ausgabe .

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Wilfried Steller ist Theologischer Redakteur von "Evangelisches Frankfurt" und Pfarrer in Frankfurt-Fechenheim.

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